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Neu in Deutschland

aus DER SPIEGEL 10/1953

STÄRKER ALS KETTEN (USA). Ein wegen Totschlags verurteilter Zwangsarbeiter und Kettensträfling (James Stewart) sublimiert seine Schießkünste und erfindet einen neuen Karabiner für die amerikanische Armee, wobei ihn ein höchst fairer, wenn auch disziplinharter Zuchthausdirektor stützt. Die einem wirklichen Vorgang nachgedrehte pädagogische Studie mischt sehr publikumswirksam viel Moral und noch mehr Männerrührung mit meist kurzen Brutalitäten und dem stereotypen, werbenden Ausblick auf die reformierten amerikanischen Zuchthäuser von heute. (Metro-Goldwyn-Mayer.)

ICH TANZE MIT DIR IN DEN HIMMEL HINEIN (Österreich). Wiener Herzensanmut, dargeboten im jungen Mädchen (rührender denn je: Hannerl Matz), im älteren Herrn (Paul Hörbiger) und - besonders wohltuend und überraschend - in der älteren Dame (Adrienne Geßner). Der massierte, höchst exportwürdige Charme überstrahlt einen konventionellen Verwechslungsspaß. (Wien-Film.)

DER KAPLAN VON SAN LORENZO (Deutschland). Ein Stoff à la Graham Greene um das Beichtgeheimnis und die geistliche Schuld, mit zwei wenig wandlungsfähigen deutschen Spitzenstars: Dieter Borsche in kleidsamer Priester-Soutane und Willy Birgel, der noch als Mörder und Selbstmörder aus besten italienischen Gesellschaftskreisen stets der märkische Gentleman mit dem Ladestock im Kreuz bleibt. Statt Spannung zu erzeugen, führt die löchrige Kriminalstory eher zu Betrachtungen über die Diskrepanz zwischen Vorwurf und Gestaltung Schwaches Drehbuch, aber immerhin ein Versuch, dem Heimat- und Operettenfilm-Genre zu entrinnen. (Zeyn-Emelka.)

GEHEIMAKTE SOLVAY (Ostdeutschland). Der erste Defa-Spielfilm seit sechs Monaten, der nicht nur gedreht und zur ideologischen Nachbehandlung geschickt, sondern auch aufgeführt worden ist, hat vom Enteignungsskandal um die sächsischen Sodawerke des belgischen Solvay-Konzerns (SPIEGEL 28/50) ein angeblich dokumentarisches Sabotagemärchen gesponnen nach dem alten Schema: kapitalhörige Direktoren

und ihre amerikanischen Befehlsherren gegen wachsame Parteikräfte und fleißige Facharbeiter. Die von westlichen Produzenten nicht sehr gefragte Leny Mahrenbach klappert als Arbeiterfrau verdrossen mit viel Geschirr. Nach der Werkpremiere in Staßfurt verpflichtete sich der Natronbetrieb, sein erhöhtes Jahressoll bis zu Marschall Stalins nächstem Geburtstag zu erfüllen, und einige Bauern versprachen, fünfzig fette Schweine über ihr Soll hinaus abzuliefern. Läuft nur in der Ostzone. (Defa.)

MASKE IN BLAU (Deutschland). Wie schon seit vielen Jahren tanzt, singt, stept und albert die ehrgeizige Marika Rökk, diesmal in einem kostspieligen Agfacolor-Ausstattungsfilm nach der Erfolgs-Operette von Fred Raymond. Im übrigen: einige attraktive Tanzszenen und die gängigen Songs. Der anspruchslose Operettenfilm entstand in der aus diesem Anlaß gegründeten Rö(kk)-Ja(coby) Familienproduktion. (Röja.)

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