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RUSSLAND Neue Pipeline umgeht Tschetschenien

aus DER SPIEGEL 43/2001

Zum ersten Mal seit dem Untergang der früheren Sowjetunion fließt Öl durch eine Pipeline, die in Kasachstan beginnt und im russischen Schwarzmeerhafen Noworossiisk endet. Vorletzten Samstag wurde dort der erste Tanker mit Erdöl aus dem so genannten Tengis-Feld beladen - ein Vorkommen, aus dem jährlich über 28 Millionen Tonnen, später gar 67 Millionen Tonnen nach Noworossiisk gepumpt werden sollen. Den Transport durch die 1580 Kilometer lange Pipeline, die »aus Sicherheitsgründen« unter der Erde verläuft, betreibt unter Führung des US-Konzerns ChevronTexaco ein Konsortium russischer, kasachischer und arabischer Firmen. Ursprünglich sollte die Leitung durch das umkämpfte Tschetschenien führen, das nun aber nördlich umgangen wird. Damit scheint auch das Rätsel gelöst, warum Präsident Wladimir Putin überraschend in Verhandlungen mit Tschetscheniens Präsident Aslan Maschadow eintreten möchte, der auf Seiten der dortigen Rebellen steht. Da die alte Pipeline, die durch Tschetschenien führte, nicht mehr gebraucht wird, ist ein wichtiger Anlass für den russischen Feldzug entfallen. Noch am 24. September hatte Putin Gespräche nur bei einer Kapitulation der tschetschenischen Freischärler aufnehmen wollen. Vom Krieg in Afghanistan - Kabul ist 2000 Kilometer entfernt - fühlen sich die Ölförderer am Kaspischen Meer nicht bedroht. Richard Matzke, Vizevorstand von ChevronTexaco, über die Zehn-Milliarden-Dollar-Investition: »Jetzt fängt hier das Leben erst richtig an.«

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