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AFGHANISTAN Neuer Mann für harten Kurs

aus DER SPIEGEL 6/2007

Präsident Hamid Karzai streitet mit der Schutzmacht USA. Anlass ist die Absicht der Amerikaner, die Opium-Ernte durch das weitflächige Versprühen von Chemikalien zu vernichten. US-Präsident George W. Bush hat für die neue Strategie bereits den passenden Mann angekündigt: William Wood, 56, derzeit Botschafter im Koka-Land Kolumbien und mit der Bekämpfung des Drogenanbaus bestens vertraut, soll in Kürze dem Spitzendiplomaten Ronald Neumann in Kabul nachfolgen. Washingtons Initiative träfe eine Haupteinnahmequelle des Landes. Im vergangenen Jahr hatte es eine Rekordernte von 6100 Tonnen Opium gegeben, das sind gut 90 Prozent der weltweiten Produktion. Der Erlös für Afghanistans Drogenwirtschaft wird auf über drei Milliarden Dollar geschätzt. Doch das Mohngeschäft höhlt die fragile Demokratie am Hindukusch systematisch aus. Die damit verbundene Korruption reicht vom Dorfpolizisten bis in die Spitzen der Administration.

Bei einem Treffen der Karzai-Regierung mit US-Repräsentanten wurde jüngst deutlicher Widerstand aus Kabul offenbar. Karzai-Berater rieten dringend von der Chemieattacke ab: Die Leidtragenden wären die Bauern, die Drogenhändler dagegen die Gewinner, weil diese dann höhere Preise erzielten. Die Umwelt würde zerstört, die Dorfbevölkerung könnte sich wütend gegen die Regierung wie auch die Amerikaner wenden. Kurz: Weiterer Zulauf für die Taliban wäre programmiert. Präsident Karzai selbst hofft, den US-Vorstoß abgewehrt zu haben, vorerst zumindest. Statt auf Sprühattacken setzt er lieber auf die bislang nicht sehr erfolgreichen traditionellen Methoden wie das Zertrampeln der Felder. Ob Karzai sich auch langfristig durchsetzen wird, ist fraglich. In Kabul heißt es, dass die Wood-Berufung an der US-Entschlossenheit keinen Zweifel lasse.

Auch militärisch übernimmt Washington die Führung noch deutlicher. Seit dem Wechsel an der Spitze der Isaf-Schutztruppe kommandiert mit General Dan K. McNeill erstmals ein Amerikaner die vor allem zur Stabilisierung eingesetzten Nato-Einheiten in Afghanistan. Die Anti-Terror-Mission »Enduring Freedom« führen die USA ohnehin schon.

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