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Neuer »Vorwärts": Flaggschiff ohne Flotte

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aus DER SPIEGEL 41/1983

Das SPD-Wochenblatt »Vorwärts«, seit Jahren tief in den roten Zahlen, soll umgekrempelt werden. SPD-Bundesgeschäftsführer Peter Glotz und Vorstandssprecher Wolfgang Clement wollen aus der traditionsreichen Abonnementszeitung (verkaufte Auflage: derzeit 56 890) ein Parteiblatt für die Mitglieder (geplante Auflage: 900 000 die Woche) mit elf Regionalausgaben machen. Dafür soll die Mitgliederzeitschrift »Sozialdemokrat Magazin« eingestellt werden.

Nach den bisherigen Plänen, die der SPD-Vorstand am Montag letzter Woche grundsätzlich gebilligt hat, wird der neue »Vorwärts« *___auf 16 Seiten reduziert; vier Seiten sind für Berichte ____aus den Bezirken reserviert; *___nicht mehr am Donnerstag, sondern zum Wochenende ____erscheinen; *___anstelle des Mitgliedermagazins kostenlos an die ____Genossen verschickt, aber auch am Kiosk zum Verkauf ____angeboten.

Um das Projekt zu finanzieren, müssen die Mitgliedsbeiträge angehoben werden, nach Schätzung von Glotz um etwa zwei Mark.

Damit allerdings, glaubt SPD-Schatzmeister Friedrich Halstenberg, sei die Umstellung des Wochenblattes nicht zu finanzieren. Nach seiner Schätzung müßten die Mitgliedsbeiträge um mindestens vier Mark steigen. Selbst dann sei nicht sicher, ob das Unternehmen eine Chance habe. Halstenberg warnte im Vorstand vor kostspieligen Experimenten: »Das Konzept für den neuen, Vorwärts' deckt sich nicht mit den Möglichkeiten des Schatzmeisters.«

Trotzdem waren die Vorstandsgenossen von dem Plan so angetan, daß sie Halstenberg und Glotz beauftragten, sich zusammenzuraufen. Bis Ende des Jahres soll das endgültige Konzept, nebst Finanzierung, fertig sein.

Bedenken, daß aus der kritischen Wochenzeitung, die häufig auch der Parteiführung gegen den Strich schreibt, ein reines Mitteilungs- und Verlautbarungsblatt werden könne, teilt SPD-Sprecher Clement nicht. Trotzdem würde man merken, daß es sich um ein SPD-Blatt handelt. Auch der neue »Vorwärts« werde journalistisch unabhängig sein. Clement: »Das wird unser publizistisches Flaggschiff.« Nur: Die Flotte fehlt.

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