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Briefe

Nicht das gleiche
aus DER SPIEGEL 45/1947

Nicht das gleiche

In Ihrer Nr. 43 vom 25. 10. ist eine Zuschrift des Herrn Helmuth Schröder, Hannover-Kleefeld, abgedruckt, in der er Gleichberechtigung der Kriegsverletzten mit den Opfern des Faschismus fordert. Ohne polemisch werden zu wollen, möchte ich hierzu kurz feststellen daß es wohl nicht das gleiche ist, ob jemand bewußt gegen Adolf Hitler und sein Regime von Anfang an gekämpft hat und durch das Eingreifen der Gestapo zu einem wirklichen Opfer des Faschismus wurde, oder ob jemand entweder aus Mangel an Einsicht und persönlichem Mut oder auf Grund der Aussicht auf den Dank des Vaterlandes im Kriegseinsatz geholfen hat, die Pläne Hitlers zu verwirklichen und damit das ungeheure Leid über Deutschland und ganz Europa zu bringen. Es hieße bei weitem den Opfermut nicht nur der aktiven Kämpfer im einzelnen, sondern ganz besonders der Soldaten zu unterschätzen, die bewußt durch Sabotage und Fahnenflucht gezeigt haben, daß sie nicht bereit sind, Hitler auf seinem verbrecherischen Weg bis 5 Minuten nach 12 Uhr Unterstützung zu gewähren. Als Opfer des Faschismus bedaure ich das persönliche Schicksal derjenigen Kriegsverletzten, die den Wahnsinn des zweiten Weltkrieges mit persönlichem Siechtum bezahlen mußten, lehne es jedoch strikte ab, ihre Wünsche mit den berechtigten Forderungen der Opfer des Faschismus auf Wiedergutmachung verknüpfen zu lassen.

Hamburg

LOTHAR WALTER BEYER

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