Der SPD nahen Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) und der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung (FNS) steht der Entzug der Gemeinnützigkeit bevor. Intern hat die Großbetriebsprüfungsstelle Sankt Augustin bei Bonn, die beide Häuser monatelang überprüft hat, bereits entschieden, den Stiftungen das Steuerprivileg zu entziehen. Nur die Schlußbesprechungen mit den Stiftungsmanagern stehen noch aus. Die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung, die ebenfalls kontrolliert worden war, kommt ungeschoren davon. Der FNS werden Zahlungen an die FDP vorgeworfen, der FES Manipulationen mit der israelischen Fritz-Naphtali-Stiftung, durch die nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Millionen in die Kasse der SPD geschleust worden sein sollen. Während die liberale Stiftung nur mit geringen Steuernachzahlungen rechnen muß, wird die FES voraussichtlich zweistellige Millionenbeträge nachzahlen müssen. Kontounterlagen der Fritz-Naphtali-Stiftung, die in Basel nach einem Rechtshilfeersuchen der Bonner Staatsanwälte beschlagnahmt worden waren, weil der Verdacht eines »ganz gewöhnlichen Betruges« (so der Baseler Staatsanwalt Walter Rothenfluh) bestehe, liegen noch versiegelt bei einem Schweizer Anwalt. Das Baseler Geldhaus, bei dem die Unterlagen konfisziert worden waren, hatte Einspruch gegen die Herausgabe eingelegt - eine endgültige Entscheidung wird voraussichtlich bis Ende des Jahres fallen. Abgelehnt haben die Schweizer Behörden die Bitte der Bonner Staatsanwaltschaft, Bankunterlagen über die größte Geldwaschanlage der Union, die Staatsbürgerliche Vereinigung, herauszugeben.
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