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Briefe

Nicht von Pappe
aus DER SPIEGEL 7/1976

Nicht von Pappe

(Nr. 6/1976, SPIEGEL-Titel »Affäre Sachs -- Millionen fürs Finanzamt?")

Mühsam sucht der Steuerfahnder seine Nahrung: Ernst Wilhelm hat einen Jagdschein, Gunter vergißt seine Unterhosen ... Warum so umständlich? Des Rätsels und wohl auch des Fiskus« Lösung fand sich bereits in der SPIEGEL-Hausmitteilung: Gunters Kamera verriet den Meister. Allerdings ist Sachs nicht, wie SPIEGEL schreibt, »passionierter Photograph«, sondern betreibt das Gewerbe, soweit das überhaupt bei ihm möglich ist, höchst professionell. Er ist sogar Mitglied im »Bund Freischaffender Foto-Designer« (BFF), dem Berufsverband deutscher Spitzen-Profis, und wird dort seit Anbeginn unter seiner nun plötzlich verschmähten Münchner Adresse geführt. Einige seiner Verbandskollegen waren immerhin so klug, zugleich eine deutsche und eine Schweizer Anschrift anzugeben, Gunter hielt dies bislang nicht für nötig. Zum Beleg hier die Seite 236 der »BFF-Mitgliederliste 1976«. -- Wie hieß es doch im Protokoll zum deutsch-schweizerischen Doppelbesteuerungsabkommen zur Definition des Begriffes »Wohnstätte": Sie muß zum Zwecke der Wahrnehmung wirtschaftlicher und beruflicher Interessen verwendet werden«. Mit den nun wohl fälligen 150 Millionen Mark Fluchtsteuer können immerhin einige hundert Lehrer mehr eingestellt, einige Theater weniger geschlossen und vielleicht auch eine angemessene Altersversorgung der freischaffenden Foto-Designer finanziert werden -- Grund genug für Gunter und Ernst Wilhelm, sich mit den verbleibenden 180 Millionen Mark zu trösten, die schließlich auch nicht von Pappe sind.

Z. Zt. Hamburg HANS VON EULENBURG

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