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Briefe

Nichts zu feiern
aus DER SPIEGEL 43/1992

Nichts zu feiern

(Nr. 41/1992, Kommentar von Rudolf Augstein: Nach rückwärts gezählt)

Als ich von der geplanten Feier zum 50. Jahrestag der V-2 erfuhr, traute ich meinen Ohren nicht. Wo bleibt der Gedenktag für den Atombombenbau, besser noch für die Neutronenbombe? Zählt nicht gerade die Verquickung von Wissenschaft und Nazi-Terror zu den deprimierendsten Aspekten der kürzesten tausend Jahre der Geschichte? *UNTERSCHRIFT: Berlin KARL MAROLDT

War der Krieg, den England geführt hat, wirklich so gerecht? Nach dessen Ende hat England zusammen mit den USA immerhin die Polen, für die es doch 1939 in den Krieg eingetreten war, Stalin zur Ausbeutung überlassen, und alle anderen Länder Ost- und Mitteleuropas gleich dazu. *UNTERSCHRIFT: Hannover H. ZIMMERMANN

Herr Augstein, Sie mögen ja ein guter Hamburger sein, aber versuchen Sie doch bitte nicht Ihr Leben lang, obendrein ein guter Engländer zu werden. *UNTERSCHRIFT: Madrid TIMM D. ESSER

Ein Kollege im Max-Planck-Institut für Physik erzählte mir um 1952, wie er, als junger promovierter Astronom 1942 nach Peenemünde abkommandiert, von Wernher von Braun begrüßt worden sei: »Wir arbeiten hier an der Weltraumfahrt, dafür habe ich Sie kommen lassen. Zwar müssen wir unsere Raketen so konstruieren, daß sie auch militärisch nutzbar sind, doch bleibt der Weltraum unser eigentliches Ziel.« Von Braun ist vielleicht ein Besessener gewesen, dem jeder Bundesgenosse zum Erreichen seines Zieles recht war. Der 3. Oktober 1942 ein Jubel-Feiertag? Bestimmt nicht. Ein Tag des Gedenkens und der Besinnung in jedem Fall: des Nachdenkens über die Ambivalenz technischen Entwickelns, den Sinn der Raumfahrt und die Absichten ihrer Sponsoren seit 1942. *UNTERSCHRIFT: Chamerau (Bayern) WILHELM HOPMANN

Leider gibt es in Peenemünde nichts zu feiern; dafür sind »deutsche Raketentechnik« und »Vergeltungswaffen« zu eng miteinander verquickt. Wissenschaftliche und technische Leistungen lassen sich auch in anderem Rahmen und an anderen Orten angemessen würdigen. *UNTERSCHRIFT: Heidelberg PROF. DR. HERMANN FUNKE

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