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Nickerchen am Fernsehsender

aus DER SPIEGEL 4/1947

Die BBC - also die britische Rundfunkgesellschaft - plante Hypnoseversuche im öffentlichen Fernsehfunk. Man hat dieses Vorhaben indessen wieder aufgegeben. Der Grund: Die Versuche im Studio der BBC übertrafen die Erwartungen bei weitem. Es fielen dabei nämlich viele der Anwesenden in tiefen hypnotischen Schlaf, teils durch unmittelbare, teils durch mittelbare Einwirkung des Hypnotiseurs. Nur mit Mühe konnten sie geweckt werden.

Man befürchtet nun bei Uebernahme derartiger Sendungen in das öffentliche Programm der BBC bedenkliche Wirkungen. So z. B. fürchtet man, damit rechnen zu müssen, daß einzelne Empfänger der Sendung einschlafen würden und dann niemanden hätten, der sie aufweckte.

Der Hypnotiseur Peter Casson machte in einem geschlossenen Kreis, bestehend aus Künstlern sowie technischen und kaufmännischen Angestellten der BBC, zwei Versuche. Schon der erste führte zu einem vollen Erfolg.

Fünf Personen, der Ansager der Sendung, Mr. Webb, nicht ausgenommen, fielen in Schlaf. Sogar ein Mann, der im verdunkelten Raum den Vorgang auf der Filmleinwand beobachtete, unterlag der hypnotischen Einwirkung und schlief ein.

Bei diesem Mann lag also schon ein mittelbarer Einfluß vor. Der zweite Versuch war eigens so angelegt, daß die Teilnehmer im verdunkelten Raum vom Bildschirm her, also mittelbar, beeinflußt wurden. Vier von ihnen wurden eingeschläfert, zwei so tief, daß sie nur durch heftiges Schütteln erweckt werden konnten.

Am stärksten war offenbar die Einwirkung auf den Ansager Mr. Webb. Er wurde unter dem Einfluß Cassons zum Akrobaten. Der Hypnotiseur konnte mit ihm ein bekanntes Experiment anstellen.

Er legte den Hypnotisierten über zwei Stühle, derart, daß Webb mit den Füßen auf der einen Stuhllehne, mit dem Kopf auf der andern lag. Dann setzte Casson sich auf ihn, und die suggerierte Muskelspannung oder -starre war so stark, daß Webb das volle Gewicht Mr. Cassons tragen konnte. Mr. Casson wiegt 152 Pfund.

Bei den Versuchen der BBC erwies sich, daß es keiner unmittelbaren Einflußnahme des Hypnotiseurs bedarf, um den hypnotischen Zustand herbeizuführen. Allerdings hat es den Anschein, daß dabei die Bereitschaft, sich in hypnotischen Schlaf versetzen zu lassen, von Bedeutung ist.

Von ungleich größerer praktischer Bedeutung, ist allem Anschein nach, was in USA die Raytheon Manufacturing Co. plant. Es wird die amerikanische Hausfrau möglicherweise demnächst in die Lage versetzen, ihre Mahlzeiten mit Hilfe von Radiowellen zu bereiten.

Die Raytheon Manufacturing Co. ersuchte den zuständigen Bundesausschuß, eine besondere Wellenlänge zu bestimmen, auf der sie mit ihrem »Radaran e«-Gerät drahtlosen Kochstrom senden könne. Die Gesellschaft verspricht, daß eine Wurst in 8 bis 10 Sekunden durch Radiowellen elektrisch gekocht werden kann. Kekse können in 30 Sekunden gebacken werden, Beefsteaks in 35.

Von der Kommission wurde die Wellenlänge 2,450 festgesetzt.

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