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»NIE ETWAS DAVON GEHORT«

Professor Dr.-Ing. Willi Willing, 62. war von 1934 bis 1944 Gaudozentenbundesführer ín Berlin. Willing lebt heute in Braunschweig. In einem Brief an den Generalsekretär der EDV, Bruno Heck, schrieb Willing am Montag letzter Woche unter anderem:
aus DER SPIEGEL 5/1969

Ich habe nie etwas davon gehört, daß ein Herr Gerstenmaier sich um eine Dozentur an der Theologischen Fakultät der Berliner Universität beworben hat, und habe auch niemals erfahren, daß ein Herr Gerstenmaier die Absicht hatte, sich zu bewerben. Es hat sich nie eine NSDAP-Dienststelle oder -Gliederung an mich gewandt mit der Mitteilung, irgendwelche Maßnahmen für oder gegen Herrn Gerstenmaier zu unternehmen. Ich habe, solange ich Gaudozentenführer war, nie etwas von einem Herrn Gerstenmaier gehört. Ich habe in meinem Leben nie einen Angehörigen oder einen Bewerber um eine Dozentur en der Theologischen Fakultät u Berlin zu mir vorgeladen. Mir ist nichts bekannt, daß irgendeine Bewerbung um eine Dozentur an der Theologischen Fakultät der Universität Berlin aus politischen Gründen oder aus anderen Gründen von der NSDAP oder einer Dienststelle der NSDAP abgelehnt worden Ist.., Ich kann daher jederzeit beeiden, daß weder im Wintersemester 1938/39 noch zu einer anderen Zeit von mir Herrn Gerstenmaier im Namen des Stellvertreters des Führers beziehungsweise der Parteikanzlei der NSDAP eröffnet wurde, daß ihm als unversöhnlichen Gegner des Führers und der Bewegung die Venia legendi verweigert und er von allen deutschen Universitäten verwiesen werde. Selbstverständlich bin ich bereit, jede von Ihnen gewünschte weitere Ergänzung oder Erklärung auch in einer Gegenuberstellung mit Herrn Gerstenmaier abzugeben.«

Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei

Gauleitung Hessen-Nassau Amt. NSD-Dozentenbund der Gaudozentenbundsführer Gìeßen, Wartweg 37

Gießen, den 20. Dez. 38

An den Dozentenbundsführer der Universität Berlin W 9, Linkstr. 7-8

Betr.: Lic. habil. Dugen Gerstenmaier

Zu Ihrer Anfrage vom 10. Dezember 1938

Gerstenmaier war in der Rostocker Studentenschaft Amtsleiter für Wissenschaft, als ich Hochschulgruppenführer des Studentenbundes in Rostock war. Ich habe Gerstenmaier als einen absolut geraden, aufrichtigen Mann kennengelernt, für dessen menschliche und politische Zuverlässigkeit ich mich verbürge. Insbesondere ist es ihm hoch anzurechnen, daß er als Theologe immer bereit war, die Belange der Kirche gegen die des Staates zurückzustellen, und es ist mir bekannt, daß er gerade aus diesem Grunde in schwerste Konflikte mit mecklenburgischen Kirchenmännern gekommen ist. G. ist ein Aktivist von unermüdlicher Arbeitskraft, der sich aus eigener Krait aus der Fabrik heraufgearbeitet hat. Ich habe G, etwa mit Beginn des Jahres 1935 allmählich aus den Augen verloren und weiß nicht, was er in dieser Zeit getrieben hat. Ich möchte aber seiner ganzen Persönlichkeit nach annehmen, daß er das Vertrauen, das ich immer in ihn gesetzt habe, nicht enttäuschen wird.

Heil Hitler Gaudozentenbundsführer

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