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Nixon: »Vielleicht braucht man eine Gang ...«

»Schäbig, widerlich und unmoralisch«, urteilte Hugh Scott, Führer der Republikaner fm US-Senat und bislang einer der Getreuen des Präsidenten, nach der Lektüre der Abschriften von 31 Tonbändern. Dabei hatte Nixon die schlimmsten Stellen noch selbst gestrichen. Der Bewunderung für Nixons Mut zur Veröffentlichung folgte ein Sturm der Empörung. Prominente Parteifreunde forderten seinen Rücktritt, der Kongreß begann mit der Beweisaufnahme für das Amtsenthebungsverfahren, die bislang Nixon-freundliche »Chicago Tribune« erkannte: »Nixons Verschwinden wäre das beste für das Präsidentenamt, für das Land und für die freie Welt.«
aus DER SPIEGEL 20/1974

28. Februar 1973

Achteinhalb Monate nach dein Einbruch ins Watergate-Hauptquartier der Demokraten, knapp vier Monate nach Nixons triumphalem ahlsieg. Die Watergate-Einbrecher haben sich mittlerweile schuldig bekannt oder sind verurteilt worden. Ihr Richter John Sirica glaubt allerdings nach wie vor an Hintermänner. Und der Senat hat inzwischen die Einsetzung des Watergate-Ausschusses beschlossen. Im Ovalen Arbeitszimmer des Weißen Hauses empfängt Nixon seinen Rechtsberater John Dean.

DEAN: Weil, ich habe -- wir sind mit dem Ding doch ein ganz schönes Stück weit gekommen. Ich hatte immer gedacht, es sei eine unmögliche Aufgabe, alles bis nach der Wahl dichtzuhalten, bis es zu bröckeln beginnt, aber wir haben es soweit geschafft, und ich bin überzeugt, daß wir es auch noch bis zum Ende durchhalten und daß dieses Ding schließlich eher unter den amüsanten Histörchen in den Geschichtsbüchern stehen wird als unter den ganz ernsten, weil tatsächlich --

PRÄSIDENT: Ein bißchen ernst wird es schon sein, aber die Hauptsache ist natürlich, daß der Präsident aus allem raus ist.

DEAN: Unbedingt: Gewiß wahr! ...

PRÄSIDENT: (Schimpfwort gestrichen) Natürlich, ich bin nicht dumm, und ich werde auch nie vergessen, wie ich von diesem (Adjektiv gestrichen) Einbruch und Einbau von Abhörgerä-

* Präsident: »Die möchtten gern Haldeman kriegen...

ten hörte. Ich dachte, was zum Teufel soll das denn? Was ist mit diesen Leuten los? Sind sie verrückt? Ich dachte, die wären übergeschnappt! Ein Witz! Aber es war keiner! Es war alles nicht sehr spaßig. Ich glaube, daß unsere demokratischen Freunde das auch wissen ... Die glauben nicht, daß wir in so etwas verwickelt sein könnten.

DEAN: Ich glaube, auch das.

PRÄSIDENT: Vielleicht doch nicht. Die glauben nicht, daß ich in solches Zeug verwickelt sein könnte. Sie denken, ich habe Leute, die so was machen können. Und sie haben recht, denn [der frühere Nixon-Berater Charles] Colson wUrde zu allem fähig sein ... Aber ich will mit Ihnen erst wieder sprechen, wenn Sie etwas zu berichten haben.

DEAN: In Ordnung, Sir.

PRÄSIDENT: Aber ich glaube, es ist sehr wichtig, daß Sie mit unserem guten Freund [Justizminister Richard] Kleindienst sprechen.

DEAN: Wird gemacht.

PRÄSIDENT: Sagen Sie ihm, daß wir diese Sache erledigen müssen. Wir müssen aber in dieser Sache zusammenarbeiten. Ich würde ihn schon richtig ins Bild setzen. Denn er ist der Mann, auf den es ankommen könnte. Machen Sie ihn auch auf das aufmerksam, was wir schon haben. (Schimpfwort gestrichen) Colson hat (Charakterisierung gestrichen), aber wirklich, wirklich, -- dieses Zeug hier -, vergessen wir's. Aber denken Sie immer daran, daß dies nicht vom Weißen Haus gemacht wurde. Es wurde vom Komitee für die Wiederwahl gemacht, und dessen Vorsitzender war Mitchell. nicht wahr?

DEAN: Stimmt!

PRÄSIDENT: Und Kleindienst verdankt dem Mitchell alles. Mitchell wollte ihn als Justizminister. Er wollte ihn als Stellvertreter, und das hat er erreicht. Nun, (Schimpfwort gestrichen). [Der stellvertretende Vorsitzende des Watergate-Ausschusses Howard] Baker muß sich darüber im klaren sein, und wenn er zuläßt, daß diese Sache außer Kontrolle gerät, dann ruiniert er möglicherweise damit John Mitchell. Aber er wird es nicht tun. Mitchell wird nicht zulassen, daß er ruiniert wird. Er wird seine große steinerne Maske aufsetzen. Das hoffe ich, und er wird es tun. Es gibt gar keine Frage, wohinter die her sind. Der Ausschuß will jemanden drankriegen, der im Weißen Haus sitzt. Die möchten gern Haldeman kriegen oder Colson oder Ehrlichman.

DEAN: Oder möglicherweise Dean -- Sie wissen, ich bin ein kleiner Fisch.

21. März 1973

Im Ovalen Arbeitszimmer des Weißen Hauses berichtet John Dean dem Präsidenten, wie es zum Watergate-Einbruch kam und was die Ermittler bisher herausgefunden haben.

DEAN: Das ist es also. Das ist das, was die [Fahnden wissen. Wo sind da weiche Stellen? Nun, da ist zu allererst das Problem der fortgesetzten Erpressung, die nicht nur jetzt weitergeht, sondern die auch weitergehen wird, während diese Leute im Gefängnis sitzen, und es wird das Problem mit der Behinderung der Justiz noch verstärken. Das wird Geld kosten. Das ist gefährlich. Die Leute hier sind keine Profis für solche Sachen. Das sind Dinge, die von

Präsident: »Wieviel Geld brauchen Sie?«

Mafia-Leuten gemacht werden können: Geld waschen, sauberes Geld besorgen und ähnliches. Wir verstehen einfach nichts von solchen Sachen ...

PRÄSIDENT: Das stimmt.

DEAN: Das ist verdammt schwierig, so was zu machen.

PRÄSIDENT: Vielleicht braucht man eine Gang, um das zu machen ... Wieviel Geld brauchen Sie?

DEAN: Ich würde sagen, diese Leute werden uns über die nächsten zwei Jahre eine Million Dollar kosten.

PRÄSIDENT: Das könnten wir kriegen. Was das Geld angeht, wenn Sie das Geld brauchen, könnten Sie das kriegen. Sie könnten eine Million Dollar kriegen. Sie könnten es in bar kriegen. Ich weiß, wo man es auftreiben könnte. Es ist nicht leicht, aber man könnte es schaffen. Die Frage ist nur, wer zum Teufel das in die Hand nimmt? Haben Sie irgendeine Idee?

DEAN: Richtig. Welt, ich glaube, das ist etwas, womit man Mitchell betrauen sollte.

PRÄSIDENT: Das meine ich auch.

DEAN: Und man müßte ein paar Profis finden, die ihm helfen ...

PRÄSIDENT: Wenn man nur das dringendste Problem nimmt, glauben Sie nicht, daß Sie sieh verdammt schnell um [des Watergate-Einbrechers] Hunts finanzielle Situation kümmern müssen?

DEAN: Ich glaube, das ist -- ich habe mit Mitchell gestern abend darüber gesprochen und --

PRÄSIDENT: Mir scheint, wir müssen den Korken auf der Flasche halten, oder uns bleibt kein Ausweg mehr.

DEAN: Das stimmt.

PRÄSIDENT: Entweder das, oder die Bombe platzt jetzt?

DEAN: Das ist die Frage ... Was mich am meisten bedrückt, ist, daß die Sache immer weitere Kreise zieht: Wie gesagt, das Ding ufert aus, weil wir die Watergate-Leute weiter unterstützen müssen -- und die erpressen uns bis zum Geht-nicht-mehr -- und weil wohl ein paar Leute Meineide schwören müs-

Dean: »Wir müssen das Ding von Ihnen trennen.

sen ... Wenn dieses Ding je platzt, dann sind wir in einer Situation, wo wir alles vertuschen müssen. Ich glaube, das würde Ihnen sehr schaden und --

PRÄSIDENT: Ganz bestimmt ... Das können wir nicht zulassen.

DEAN: Das macht mir echte Sorgen. Was passiert beispielsweise, wenn das Ding erst mal platzt, und die können ein Strafverfahren gegen einen Haldeman, einen Dean, einen Mitchell, einen Ehrlichman eröffnen? Das ist --

PRÄSIDENT: Wenn es wirklich dazu kommen sollte, dann müßten wir einige dieser Männer (unverständlich).

DEAN: Das stimmt. Wenn ich es recht überlege, dann glaube ich, daß Bob [Haldeman] und John [Ehrlichman] und John Mitchell und ich uns einen Tag oder wie lange wir dazu brauchen mögen hinsetzen und überlegen sollten: Wir müssen das Ding von Ihnen trennen, so daß es weder Ihnen noch dem Präsidentenamt Schaden zufügt. Das darf nicht sein! Sie haben nichts damit zu tun, und es ist etwas, das Sie nicht --

PRÄSIDENT: Das ist wahr!

DEAN: Ich weiß das, Sir. Ich kann schon aufgrund unserer Unterhaltung sagen, daß Sie von diesen Dingen keine Kenntnis haben.

PRÄSIDENT: Das können Sie sicher! Einbau von Abhörmikrophonen, etc.! Lassen Sie mich eines sagen, ich bin mir zwar voll der Tatsache bewußt, daß Colson & Co. ihr bestes versucht haben, um Informationen für uns zu beschaffen. Aber sie wußten auch sehr gut, daß sie sich dabei im Rahmen des Gesetzes bewegen sollten. Das stand nie zur Debatte! Sie glauben, daß Colson derjenige war, der damals auf den Knopf gedrückt hat?

DEAN: Nein, er war einer von uns. Er war nur ein Glied in der Kette. Er hat mitgeholfen, das Ding voranzutreiben ...

14. April 1973

John Dean, soviel ist gewiß, hat nach dem Watergate-Einbruch allzu viele Fäden gezogen. Inzwischen hat er, um seinen eigenen Kopf aus der Schlinge zu ziehen, Kontakt zu den Strafverfolgern aufgenommen. -- Im Gespräch mit seinein Stabschef Bob Haldeman und seinem innenpolitischen Chefberater John Ehrlichman überlegt Nixon, ob es nicht besser sei, Dean zu feuern.

PRÄSIDENT: ... Noch was: Dean. Glauben Sie nicht, daß wir da heute durchmüssen?

EHRLICHMAN: Well, ich bin nicht so sicher. Ich neige dazu. Aber wenn Sie sagen, daß wir da durchmüssen, dann geht es meines Erachtens nicht einfach darum, eine Entscheidung zu treffen.

PRÄSIDENT: Ich habe eine Entscheidung getroffen. Er muß gehen ...

EHRLICHMAN: Sie müssen etwas tun. Sie müssen einige Entscheidungen treffen, und die Sache mit Dean ist eine dieser Entscheidungen, die Sie treffen müssen ... Aber ich sage Ihnen, ich bin immer noch felsenfest davon überzeugt, daß wir die Behandlung Deans durch die Geschworenen und den Staatsanwalt positiv beeinflussen, wenn wir ihn behalten ...

PRÄSIDENT: Warum? -- Weil sie ihn gerne mögen?

EHRLICHMAN: Nein, nein. Nein, nein. Weil sie ihn als Rechtsberater des Präsidenten anders behandeln können als einen entlassenen Mitarbeiter. PRÄSIDENT: Ja.

EHRLICHMAN: Das ist ein sehr wichtiger psychologischer Faktor.

PRÄSIDENT: Well, das wird auch aus einem anderen Grunde so sein ... Dean ist nicht wie Mitchell, also, das müssen wir einsehen.

HALDEMAN: Das ist richtig.

PRÄSIDENT: Dean ist nicht wie Mitchell, und zwar insofern, als Dean lediglich versucht hat, was er konnte, um die Scherben aufzusammeln, und jedermann hier wußte, daß das getan werden mußte.

EHRLICHMAN: Sicherlich.

PRÄSIDENT: Das müssen wir einsehen. Ich gebe niemand anders dafür die Schuld --

EHRLICHMAN: Nein, ich verstehe das. Ich habe große Schwierigkeiten mit (unverständlich), weil bekannt ist, daß er verwickelt war in --

PRÄSIDENT: Nach dem Einbruch?

EHRLICHMAN: Richtig, aber --

HALDEMAN: Aber man weiß doch nur, daß er in das verwickelt war, was hier als der richtige Weg angesehen wurde --

PRÄSIDENT: Die Frage ist das Motiv. Das ist richtig ...

EHRLICHMAN: Etwa acht bis zehn Leute hier wußten davon, wußten, was vor sich ging. Bob wußte es. ich wußte es, alle möglichen Leute wußten es.

PRÄSIDENT: Welt, ich wußte es. Ich wußte es.

EHRLICHMAN: Und es ging gar nicht darum, ob --

PRÄSIDENT: Ich muß aber doch sagen, daß ich es nicht wußte, aber ich mußte es doch annehmen, aber Sie wissen, glücklicherweise -- ich danke Ihnen beiden dafür, daß Sie es so arrangiert haben, denn das macht deutlich, daß der Präsident draußen vor war, also in diesem Punkt ist es gar nicht so schlecht -- aber, daß sie das Geld haben müßten, habe ich zum erstenmal erfahren, als Dean mir sagte, daß sie 40 000 Dollar brauchen. Ich war, ganz offen (unverständlich) Papiere auf diesen kleinen Umschlägen. Ich wußte nichts von diesen Umschlägen (unverständlich) und all diesen Sachen.

EHRLICHMAN: Es geht doch darum, ob Deans -- ob das Vergehen, das Deans Entlassung rechtfertigt, sein Wissen darum ist, daß der Plan ausgeführt wurde. Dann können Sie sich nicht mit ihm begnügen, dann müssen Sie hier völlig aufräumen.

PRÄSIDENT: Und den ganzen Stab feuern.

EHRLICHMAN: Das ist richtig. Es ist eine Frage des Motivs. Das ist eine Frage der Rolle, die jemand gespielt hat, und ich glaube nicht, daß Deans Rolle nach dem Einbruch -- jedenfalls nach den Fakten, die ich jetzt kenne -- einen Grad erreicht, der von Ihnen verlangt. mit ihm Schluß zu machen.

PRÄSIDENT: Ich glaube, er hat mir einen sehr wichtigen Hinweis gegeben,

Dean: »Ich habe keine Kenntnis.«

daß man natürlich, sagen wir, pragmatisch sein kann (unverständlich) die eigenen Verluste begrenzen und sie [die Strafverfolger] sich so vom Hals schaffen. Gib ihnen eine Vorspeise, und, wer weiß, vielleicht kommen sie am Ende gar nicht zum Hauptgericht. Gut, aus, John Dean. Andererseits ist richtig, daß auch andere Bescheid wußten.

16. April 1973

Im Weißen Haus diskutiert Nixon mit seinem Rechtsberater Dean, ob der nicht besser in Urlaub geht oder zurücktritt. Dann präpariert er Dean für dessen Auftritt vor Gericht -- immer darauf bedacht, daß er selbst nicht belastet wird.

PRÄSIDENT: ... Aber Sie erinnern sich, wie Sie reinkamen und ich Ihnen die klare Frage stellte: »Ist irgend jemand vom Stab des Weißen Hauses in die Sache verwickelt?« Sie erklärten mir: »Nein.«

DEAN: Stimmt. Und ich habe keine Kenntnis --

PRÄSIDENT: Sie glauben immer noch, daß

DEAN: Ja, Sir, so ist es.

PRÄSIDENT: Aber Sie haben mir gesagt, daß in der Folge ernsthafte Probleme auftauchten. DEAN: Richtig.

PRÄSIDENT: Gut. Und ich sagte: »Nun, sehen wir uns die doch mal an,

DEAN: Und nun fangen Sie an zu begreifen, wie sie aussehen. Es sind potentiell, technisch, Probleme der Behinderung der Justiz.

PRÄSIDENT: Ich habe gestern abend mit [dem stellvertretenden Justizminister Henry] Petersen gesprochen.

Präsident: »Also, John, was wird uns das denn kosten?«

und genau das hat er auch gesagt. Er sagte, die Behinderung war moralisch falsch. Nein, nicht moralisch. Er sagte, das müßte nicht im moralischen Sinne falsch und es müßte nicht im gesetzlichen Sinne falsch gewesen sein, aber, so sagte er, vom Standpunkt der Präsidentschaft aus geht das nicht. Er scheint also zu glauben. daß die Sache mit der Justizbehinderung vor Gericht eine (Schimpfwort gestrichen) schwer zu beweisende Angelegenheit ist.

DEAN: So ist es.

PRÄSIDENT: Ich finde, das sollte Sie ein bißchen erleichtern.

DEAN: Weil, sehen Sie, mein Anwalt sagt: »Juristisch stehen Sie verdammt gut da.«

PRÄSIDENT: Wirklich? Weil Sie nicht -- Sie haben eben nur den Angeklagten zu ihren Anwalts-Honoraren verholfen und zu ihren -- Was sagt er?

DEAN: So gesehen, bin ich nur ein Verbindungsmann. Es ist sehr technisch, sehr technisch. Ich bin Verbindungsmann zu anderen Leuten. Das ist das Problem.

PRÄSIDENT: Wie war die Lage, John? Das einzige Mal, daß mir was von Zuschüssen für die Anwaltskosten [der Watergate-Einbrecher] zu Ohren kam, war (nicht zu hören). Ich muß wohl angenommen haben, daß jemand ihnen hilft. Ich muß das angenommen haben. Aber ich muß sagen, die Leute waren in gewisser Weise gut dran, weil ich viel zu tun hatte. Das war, als Sie mir gegenüber irgendwas von schwerwiegenden Problemen erwähnten. Aber das hat Mitchell geregelt. Stimmte das oder nicht?

DEAN: Die letzte Anfrage, die wir hatten, lag in der Woche vor der Verurteilung.

PRÄSIDENT: Hören Sie mal zu. Was haben Sie mir da eigentlich berichtet. Es war sehr bruchstückhaft, wie ich mich erinnere. Sie sagten. Hunt habe ein Problem --

DEAN: Sehr bruchstückhaft. Ich war --

PRÄSIDENT: Ich sagte: »Also, John, was wird uns das denn kosten?« Das war, als ich Sie nach Camp David schickte und (Schimpfwort gestrichen) sagte: »Wollen mal sehen, worauf das hinausläuft.«

DEAN: Richtig.

PRÄSIDENT: Und Sie sagten, es könnte eine Million Dollar kosten --

DEAN: Ich sagte, das sei denkbar. Ich sagte: »Wenn wir das nicht hinkriegen -»

PRÄSIDENT: Wie lief das? Wer hat das mit dem Geld geregelt?

DEAN: Weil, lassen Sie mich erzählen, was Hunt noch sagte. Er sagte: »Richten Sie Dean aus, daß ich 72 000 Dollar für persönliche Ausgaben und 50 000 Dollar Anwaltskosten brauche und daß ich, wenn ich sie nicht kriege, was erzählen kann über die finsteren Sachen, die ich im Weißen Haus für John Ehrlichman erledigt habe.« So. das überbrachte ich John Ehrlichman. Ehrlichman sagte: »Haben Sie darüber mit Mitchell gesprochen?« Ich sagte: »Nein.« Er sagte: »Well, reden Sie mal mit Mitchell?« »Ja«, sagte ich, »mach« ich.« Ich redete mit Mitchell, ich hab"s einfach so an ihn weitergegeben. Und dann haben wir uns ein paar Tage später hier unten in Bobs Büro getroffen,

Präsident: »Ich habe vor, hart gegen mich selbst zu sein.«

Bob und Ehrlichman, Mitchell und ich. Und dabei sagte Ehrlichman: »Ist die Sache mit Hunt erledigt?« Damit war ich gemeint, und ich sagte: »Da müssen Sie schon den Mann fragen, der das wissen könnte -- Mitchell.« Mitchell sagte: »Ich glaube, das Problem ist gelöst.«

PRÄSIDENT: Das ist alles? DEAN: Das ist das, was er sagte.

PRÄSIDENT: Das heißt in anderen Worten, die Sache ist auf Mitchell-Ebene erledigt worden? DEAN: So ist es.

PRÄSIDENT: Aber Sie wußten was; Haldeman wußte was; Ehrlichman wußte was, und ich nehme an, an dem Abend wußte ich auch was. Da hätte man dann Schuld auf sich geladen, nicht?

DEAN: Ich glaube nicht.

PRÄSIDENT: Wieso nicht? Ich habe vor, hart gegen mich selbst zu sein, damit ich die andere Sache anpacken kann. Ich muß sagen, daran habe ich damals keine Sekunde gedacht. DEAN: Niemand hat das.

PRÄSIDENT: Sie haben mir beispielsweise das mit Ehrlichman nicht erzählt, als Sie an jenem Tag hier reinkamen.

DEAN: Ich weiß.

PRÄSIDENT: Sie haben lediglich gesagt: »Hunt braucht dies Geld.« Sie wollten damit auf die Probleme hinweisen, die vor uns lagen.

Präsident: »Gut, gut. Darf ich mal. fragen: Wie sieht der Schlachtplan aus?«

DEAN: Ich habe immer versucht sicherzustellen, daß alles, was ich selbst an Sie weitergab, Sie nicht in persönliche Probleme stürzt.

PRÄSIDENT: John, eine Frage. Nehmen wir mal an, die Sache flieg( auf und man fragt Sie, John Dean: »Also, John, Sie waren Rechtsberater des Präsidenten. Haben Sie dem Präsidenten berichtet?«

DEAN: Ich würde mich weigern, irgendeine Frage zu beantworten, es sei denn, sie heben das »privilege"* auf.

PRÄSIDENT: In dem Fall würde ich es nicht aufheben. Ich finde, Sie sollten sagen: »Ich habe dem Präsidenten berichtet. Er rief mich zu sich und fragte mich, wann das Ereignis zum erstenmal passierte, und dann machte ich dem Präsidenten die Mitteilung, daß niemand vom Personal des Weißen Hauses ... beteiligt war.« Das haben Sie getan, nicht wahr?

DEAN: Ja, über Ehrlichman und Haldeman.

PRÄSIDENT: Ich weiß, daß Sie das gemacht haben, weil ich Sie bis nach den Wahlen nicht gesehen habe.

* »privilege« -- für »exucutive privilege«, das Vorrecht des Präsidenten, mit dem Nixon seine weigerung begründete. selbst auszusagen oder seine Mitarbeiter aussagen zu lassen.

** Watergate-Eiribrecher james McCord hatte kurz vor dem Urteilsspruch an Richter Sirica geschrieben, der Prozeß sei durch Meineide verfälscht, Hinweise auf Hintermänner seien abgewürgt, die Angeklagten unter politischem Druck zum schweigen gebracht worden; er wolle noch einmal aussagen.

*** Patrick Gray, von Nixon zum Nachfolger des verstorbenen FBI-Chefs Hoover ausersehen, hatte vor einem Senatsausschuß zugegeben, er habe geheime Protokolle von Verhören der watergate-Einbrecher an Dean weitergeleitet.

DEAN: So ist es.

PRÄSIDENT: Dann sagen Sie, der Präsident habe Sie nach der Wahl zu sich gerufen, als die McCord-Sache aufflog**. Da war das doch, nicht?

DEAN: Nein, das war vor der McCord-Geschichte, denn -- Sie erinnern sich, nach Freitagmorgen sagten Sie mir, daß McCords Brief -- Sie sagten: »Sie haben vorausgesagt, daß das passieren wurde.«

PRÄSIDENT: Warum habe ich Sie da reingeholt, was hatte mich bewogen, Sie kommen zu lassen?

DEAN: Nun, wir fingen gerade an, darüber zu reden.

PRÄSIDENT: Aber ich rief Sie zusammen mit [dem Sonderberater des Präsidenten, Richard] Moore zu einem Dean-Report, nicht?

DEAN: An einem Mittwochmorgen --

PRÄSIDENT: Oh, ich weiß, worum es ging. Es ging um das verfluchte »executive privilege« und all das.

DEAN: Die Gray-Sachen kamen gerade hoch***. An dem Mittwochmorgen, bevor ich fragte --

PRÄSIDENT: Wir hatten drei Unterhaltungen, soweit ich mich erinnere ...

DEAN: Ich glaube, es waren mehr. PRÄSIDENT: Ich muß das mal nachlesen. Fahren Sie fort.

DEAN: Aber der eine Bericht, wo ich schließlich Bob anrief und sagte: »Roh, ich glaube, der Präsident kennt nicht alle Einzelheiten.«

PRÄSIDENT: Richtig, und dann kamen Sie und nahmen auf diesem Stuhl Platz, und das war das erste Mal, daß mir die Sache klar wurde. DEAN: So ist es.

PRÄSIDENT: Nun lautet die Frage, weil, Mr. Dean, »warum haben Sie den Präsidenten nicht eher informiert?« Und da antworten Sie: »Ich habe nichts gewußt.« Das haben Sie mir gestern abend gesagt. Sehen Sie, John, ich wünsche nicht, daß Sie in eine Situation kommen und, offen gestanden, ich wünsche nicht, daß der Präsident in die Lage kommt, daß einer seiner Vertrauensleute über Informationen verfügte, die er ihm vorenthielt. DEAN: Ich wußte nichts.

PRÄSIDENT: Gut. Sie wußten nichts. Wie haben Sie"s denn rausgekriegt? Aber damit werden Sie schon fertig.

DEAN: Stimmt ...

PRÄSIDENT: Dann war das an dem Abend, daß ich meine Untersuchung startete.

DEAN: Richtig -- das war der Mittwoch, bevor sie verurteilt wurden. Ich kann das Datum nun feststellen --

PRÄSIDENT: Würden Sie das tun. Besorgen Sie Ihre Daten. Mittwoch kamen Sie rein und erzählten mir das etcetera. Wenn ich die Daten hätte, würde mir das weiterhelfen. Das ist der Punkt, als ich anfing, offenes Interesse für den Fall zu zeigen, und sagte: »Nun (Schimpfwort gestrichen) möchte ich mal wissen, was los ist.« Und als ich Ehrlichman, Miteliell und -- nein, Mitchell nicht, aber ein paar andere in Marsch setzte. Okay? DEAN: Sicherlich.

PRÄSIDENT: Noch was. Zu dieser »privilege«-Frage -- das »privilege« deckt nichts, was mit Ungesetzlichkeiten zu tun hat ... Ungesetzlichkeiten bei Ihnen oder anderen Leuten. ich sage ihnen das jetzt, und wenn Sie aussagen, falls Sie aussagen, möchte ich. daß Sie sagen, der Präsident hat Ihnen das gesagt.

Am selben Vormittag empfängt der Präsident Bob Haldeman und John Ehrlichman zur Bestandsaufnahme.

PRÄSIDENT: Gut, gut. Darf ich mal fragen: Wie sieht der Schlachtplan aus?

Präsident: »Ich will nicht in die Lage kommen ...«

HALDEMAN: Weil, er sieht sehr gut aus. Sie haben ja schon vor einiger Zeit gemerkt, daß nicht alles so zusammenpaßte, wie es eigentlich sein sollte, und daß es einige Widersprüche zu dem gab, was Dean Ihnen in seinem Bericht erklärt hatte, daß nämlich niemand aus dem Weißen Haus in die Sache verwickelt war -- was allerdings immer noch richtig sein kann.

PRÄSIDENT: Also ich glaube nicht, daß es uns weiterbringt, wenn wir alles auf den Dean-Report abladen.

EHRLICHMAN: Nein.

PRÄSIDENT: ich meine, ich würde sagen, daß ich nicht sicher war, daß der Dean-Report vollständig war, und daß ich es auch für meine Pflicht hielt, darüber hinaus auch Leute zu erfassen, die nicht zum Weißen Haus gehören.

EHRLICHMAN: Ron [Ziegler, Nixons Pressesprecher] ist da auf was interessantes gekommen. Erinnern Sie sich, daß Sie John Dean nach Camp David geschickt haben, um den Bericht zu schreiben. Er kam zurück und sagte: »ich kann es nicht.«

PRÄSIDENT: Stimmt.

EHRLICH MAN: Das stimmt. Das gab den Ausschlag, und Sie handelten sofort;

PRÄSIDENT: Richtig. Er sagte, er könne den Bericht nicht schreiben.

HALDEMAN: Da merkten Sie, daß mehr dahintersteckte, als man Sie hatte glauben machen wollen. (Unverständlich)

Im Ovalen Amtszimmer diskutieren Nixon und Haldeman den »Garment-Plan«, den der Nixon-Berater Leonard ("Len") Garinent zum Schutze des Präsidenten erarbeitet ha:.

HALDEMAN: ... das heißt, daß ich mich nun in den Vordergrund spiele, meine ganze Story auspacke, einschließlich der tatsächlichen Details, ohne jede Zurückhaltung in bezug auf meinen, Sie wissen, 350 000-Dollar-Fonds. Ja, das Geld habe ich ans Komitee zurückgegeben -- und dann packe ich Einzelheiten aus, daß [Haldeman-Mitarbeiter] Mr. Strachan es meines Wissens an [den früheren Mitarbeiter des Komitees für die Wiederwahl Nixons] Mr. LaRue weitergegeben hat und daß ich keinesfalls die Absicht hatte, Geld für die Angeklagten bereitzustellen. Ich wollte nur dies Geld dorthin zurückschaffen, wo es hingehörte. Aber ich muß zugeben, daß ich klar erkannte, daß LaRue das Geld entgegennahm, weil er -- so hat man mir schließlich gesagt -- Geld für die Angeklagten aufbringen mußte, um Gerichtskosten zu bezahlen und um ihre Familien zu unterstützen. Und die ganze Zeit handelte ich auf Betreiben von John Dean. Mit anderen Worten, ich selbst tat überhaupt nichts. John Dean kam zu mir und sagte, wir brauchen es, und weil ich das Geld ja loswerden wollte, sagte ich, so kann es gehen, und so weiter. Und ich muß sagen, daß John Dean, der Rechtsberater des Präsidenten, der Mann, durch den ich hier tätig wurde und der mein einziger Kontakt zu dieser ganzen Angelegenheit war, mir zu keiner Zeit zu verstehen gab, daß ich in irgend etwas Ungesetzliches oder Unredliches verwickelt sei, und daß ich annehmen mußte und unter der Annahme handeln mußte, daß Dean wußte, was er tat.

PRÄSIDENT: Aber, sehen Sie, ich will nicht in die Lage kommen --

HALDEMAN: Einen anderen aufzuhängen? Weil, bis zu dem Zeitpunkt wird er sich selbst aufgehängt haben ...

PRÄSIDENT: Haben Sie Henry [Kissinger] eingeweiht, Bob?

HALDEMAN: Nein.

PRÄSIDENT: Nicht? Er hat genug Probleme in Laos, Ich nicht. Sonst jemand -- er scheint davon zu wissen.

HALDEMAN: Weil, Garment ist offenbar von sich aus zu Henry. gegangen, um seine Sorgen über die ganze Situation loszuwerden.

PRÄSIDENT: Warum zum Teufel tat er das?

HALDEMAN: Wahrscheinlich glaubte er, es gäbe wirklich eine Gefahr und eine Bedrohung für das Präsidentenamt und dies ...

PRÄSIDENT: ... Das ist der Ärger mit Garment. Ich wollte, daß er sich von der rechtlichen Seite her mit der Sache befaßt. Ich wollte nicht, ich muß das betonen, ich wollte wirklich nicht, daß er sich mit den Alltagsproblemen und all dem befaßt, denn Len reagiert gleich auf alles ...

17. April 1973

Ehrlichman und Haldeman wissen: Wenn Dean gehen muß, ist auch ihre Uhr im Weißen Haus abgelaufen.

EHRLICHMAN: Well, ich hab' schon gesagt, wir kommen mit einem blauen Auge davon, aber wir sind angeschlagen.

PRÄSIDENT: Richtig, Sie können nicht wieder für die Regierung arbeiten. Aber eines will ich Ihnen ganz klar sagen: Was mich betrifft, sind Sie keineswegs angeschlagen. Das ist eine ver-

* Präsident: »Soll Agnew doch eine Zeitlang Präsident sein.«

dammt schlimme Sache. Aber warten wir erst mal ab, was passiert, dann sehen wir weiter.

HALDEMAN: Natürlich.

PRÄSIDENT: Wir sollten auf das Schlimmste gefaßt sein. Aber ich finde, Sie sollten beide mal darüber nachdenken, ob Sie nicht 50 Prozent Ihrer Zeit auch mit Redigieren und solchen Sachen bei der [Nixon]-Stiftung zubringen können. Die Stiftung wird ein Riesending werden, sie muß es werden. Diese ersten vier Jahre sind schrecklich wichtig ... Wenn Sie angeklagt und vor Gericht gestellt und für unschuldig erklärt werden, dann gerät diese Sache allmählich in Vergessenheit. HALDEMAN: Well --

PRÄSIDENT: Einverstanden? Jedenfalls, was die Arbeit für die Regierung betrifft.

EHRLICHMAN: Oder die Niederlassung als Rechtsanwalt.

NIXON: Glaube ich nicht. Wirklich?

EHRLICHMAN: Well, ich glaube doch ... Jeanne [Ehrlichmans Frau] ist stocksauer.

HALDEMAN: Das ist nicht wahr, John.

EHRLICHMAN: Es hängt von den Umständen ab. Es gibt nichts, wovon man mich zu diesem Zeitpunkt abbringen könnte. Aber ich glaube, wir habens fast schon hinter uns. Ich glaube, alles spricht gegen uns.

HALDEMAN: Du kannst immer noch Verkehrssachen bearbeiten --

EHRLICHMAN: Well, Verkehrssachen machen mir nicht gerade Spaß.

PRÄSIDENT: Zum Teufel mit den Verkehrssachen. Weil, in jedem Falle ... ich habe eine Stiftung ...

HALDEMAN: Wenn wir hier [aus dem Weißen Haus] rausmüssen, dann ist die Bezahlung durch die Stiftung bestimmt eine Möglichkeit. Aber es gibt auch einen Haufen Intrigen. Ich hoffe, ich bekomm« genug Mittel, um meinen guten Ruf wiederherzustellen und den Rest meines Lebens dafür zu nutzen, das zunichte zu machen, was ein paar Leute wie Dean und Magruder dem Präsidenten angetan haben.

27. April 1973

Nixon hat Meldungen erhalten, wonach Dean den Präsidenten gegenüber den Strafverfolgern belastet hat. Auch die Presse hat Wind davon bekommen. Da erscheint Nixons Pressesprecher Ronald Ziegler im Oval off ice.

ZIEGLER: Ich hatte vor ein paar Minuten Gelegenheit, mit Dean zu sprechen, aber ein Anruf --

PRÄSIDENT: Wirklich?

ZIEGLER: Er ist ein guter Freund von mir.

PRÄSIDENT: Well, erzählen Sie uns, was Sie wissen -- Sie verstehen, wir müssen jetzt aufpassen, wie wir ihn behandeln, denn wir haben --

ZIEGLER: Es war eine sehr angenehme Unterhaltung. Er sagte: »Ron, ich werde keine Erklärungen abgeben.« Dabei fällt mir ein, er sagte auch: »Ich hab' einen Anruf erhalten.«

PRÄSIDENT: Einen Anruf vom Präsidenten. Sehen Sie, das zeigt Ihnen, was für ein Mensch er ist. Ich rief -- wissen Sie -- wir tun ja auch ein paar nette Sachen -, ich rief sechs Leute an, Mitglieder meines Stabs. Ich rief Ron an, Henry Kissinger, Ehrlichman, Rose [Mary Woods], meine Sekretärin, und John Dean. Ich geh' einfach der Liste nach und sag' einfach: »Ich möchte Ihnen frohe Ostern wünschen.« Das ist alles, was ich getan habe. Und nun steht's in allen Zeitungen! ... Da haben wir's. Das müssen Sie ausbügeln, niederschlagen. Wenn es überhaupt etwas gibt, was Sie tun müssen, dann müssen Sie das Präsidentenamt da raushalten. Ich muß etwas für dieses Land tun, und ich werde nicht -- dies ist jetzt eine persönliche Sache. Manchmal habe ich das Gefühl, ich, würde gern zurücktreten. Soll doch Agnew eine Zeitlang Präsident sein. Ihm würde das Spaß machen.

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