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Briefe

Noch immer stigmatisiert
aus DER SPIEGEL 2/2003

Noch immer stigmatisiert

Nr. 52/2002, Psychiatrie: Warum vielen Schizophrenie-Patienten bessere Medikamente verweigert werden

Als Psychiaterin versorge ich in meiner Praxis Schizophrenie-Patienten und überschreite dabei seit Jahren auf Grund meines schulmedizinischen Verordnungsverhaltens mit modernen Neuroleptika mein Arzneimittel-Budget um weit mehr als hundert Prozent mit der Folge permanenter, existenzieller Regressdrohungen seitens der Krankenkassen. Es erbost mich, dass Schizophrenie-Kranke, noch immer stigmatisiert und ohne Lobby, auf diese Weise diskriminiert werden, während andere aufwendige Therapien wie die Methadon-Substitution oder die Behandlung von HIV-Patienten außerhalb vom Budget möglich sind.

OSNABRÜCK DR. KATHARINA KARRASCH

Der Rückgriff auf jahrzehntealte Medikamente mit der Begründung des Kostenaufwands, die Behandlung mit Stromstößen und die kritiklose Hinnahme einer erheblichen Nebenwirkungspalette ist bezeichnend für die verborgene Arbeit in diesem zu wenig beachteten Zweig der Medizin.

METELEN (NRDRH.-WESTF.) UWE KLIEMERT

Es entspricht dem Klischee, aber nicht der Realität, dass Psychiater zur Behandlung der Schizophrenie Foltermethoden eingesetzt haben. Die Gleichsetzung von psychiatrischer Behandlung mit Folter ist in mehrfacher Hinsicht unzulässlich und nicht zutreffend. Im Übrigen hat die Elektrokrampftherapie, die heute in Narkose und unter Muskelrelaxierung sehr schonend durchgeführt werden kann, nach wie vor einen - wenn auch begrenzten - Stellenwert in der Behandlung der Schizophrenie.

WILHELMSHAVEN DR. HERE W. FOLKERTS

REINHARD-NIETER-KRANKENHAUS

Ich war zehn Jahre Betroffene der »Drehtürpsychiatrie": insgesamt 282 Tage Klinikaufenthalt - bei einem Tagessatz von etwa 150 Euro macht das 42 300 Euro. Vor vier Jahren erklärte ich meinem Psychiater, dass er mit seiner Therapie wohl auf dem Holzweg sein müsse. Er bescheinigt mir auch heute noch Therapieuneinsichtigkeit. Ich habe meine Ernährung umgestellt und sehr viel Bewegung in mein Leben gebracht. Seit vier Jahren lebe ich ohne neuroleptische Medikamente und bin gesund. Dazu verhelfen mir alternative Therapien wie Kinesiologie, Qigong, Akupunktur, Homöopathie. Dazu verhilft mir auch eine gesunde Portion Selbstvertrauen und das Wissen um die Richtigkeit dieses Weges, der dem Gesundheitswesen einiges einsparen könnte.

LAUFFEN (BAD.-WÜRTT.) EVA KREBS

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