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»Nummer 17 starb nach Splittertreffern«

Tierversuche bei der Bundeswehr: Schweine im Geschützdonner, Hunde unter Einzelfeuer *
aus DER SPIEGEL 13/1984

Die Waffe, ein Stoner-63-Karabiner, war »in einem Schießblock fest montiert«. Der »Zieltisch« stand 50 Meter weit weg in »infanteristischer Kampfentfernung«. Ein lebender Boxerhund, das anvisierte Ziel, hing »in linker Seitenlage quer zur Schußrichtung«. Der rechte Hinterlauf wurde »durch eine am Sprunggelenk angreifende Zugvorrichtung in Streckstellung nach oben gehalten«.

Das Geschoß, Kaliber 5,56 Millimeter, traf den »nur von einer dünnen Weichteilschicht bedeckten Oberschenkelknochen«. Die beabsichtigte Folge: eine Oberschenkelfraktur, verbunden mit »ausgedehnter Zertrümmerung des getroffenen Schaftanteiles« und »Zerstörung des Röhrenknochens«.

Dieser Tierversuch, in einem »Forschungsbericht aus der Wehrmedizin« beschrieben, erfolgte im Auftrag des Bundesverteidigungsministeriums. Bei der Beschießung von 20 narkotisierten Boxerhunden sollten Erkenntnisse über »die Wirkung des modernen, hochrasanten 5,56-mm-Geschosses« und »die Behandlung von Schußbrüchen« gewonnen werden. Die medizinische Auswertung wurde gemäß Forschungsvertrag BMVg-InSan I 1375-V-024 an der Bochumer Uni-Klinik »Bergmannsheil« durchgeführt.

Das Testergebnis ist in einem Untersuchungsbericht festgehalten: Neun Tiere starben innerhalb von drei bis 48 Stunden »an den unmittelbaren oder mittelbaren Folgen der Schußverletzung«. Hund 19 mußte wegen »kompletter Zerreißung der Oberschenkelgefäße«, Hund 17 aufgrund »weitflächiger Weichteilverletzungen ... nach Splittertreffern« getötet werden. Hund 13 starb, nach 48 Stunden, an einem »toxischen Lungenödem«.

Die komplizierten Knochenbrüche der überlebenden Tiere wurden operiert und wochenlang behandelt. Bei Hund 4 war »das gesamte Bein während der folgenden Wochen ödematös geschwollen«, bei Hund 12 mußte »wegen zunehmender eitriger Sekretion der Fistel« ein »Zweiteingriff« vorgenommen werden. Nach Abschluß des Versuchs wurden alle Hunde »mit einer Überdosis Inactin« getötet.

Tierexperimente zu militärischen Zwecken sind alltägliche Praxis bei der Bundeswehr. In Laboratorien und Erprobungsanlagen werden Versuchstiere radioaktiven Strahlungen ausgesetzt, mit Krankheitserregern infiziert und mit chemischen Kampfstoffen vergiftet, gelegentlich auch mit Nato-Munition beschossen.

Rund 69 000 Tiere, berichtet Verteidigungs-Staatssekretär Peter-Kurt Würzbach, hat die Bundeswehr zwischen 1979 und 1983 zu Versuchen »herangezogen« - Hunde und Schafe, Maultiere, Ziegen, Ratten und Kaninchen. Die »unverzichtbare Prüfung am lebenden, intakten System«, heißt es offiziell, seien »mit aller Ernsthaftigkeit durchgeführt« und »gewissenhaft überwacht« worden.

Nach Darstellung des Verteidigungsministeriums dienen all diese Maßnahmen der »Entwicklung von Schutz- und Heilmöglichkeiten gegen Waffenwirkungen« und der »Gesundheit von Soldaten«. Keineswegs, beteuerte der Bonner Oberstveterinär Dietrich Musiol, würden Tierversuche »zur Waffenerprobung im Sinne der Waffenweiterentwicklung« durchgeführt. Dies sei dank der »Erprobungsmöglichkeiten im physikalischtechnischen _(unten: aus dem ) _(Bundeswehr-»Forschungsbericht aus der ) _(Wehrmedizin«. ) _(Oben: Z = Zieltisch, GF = ) _(Geschoßfangkasten; )

Bereich« auch »nicht erforderlich«.

Genau dies wird von Tierschützern bestritten. Sie bezweifeln, daß bei den wehrmedizinischen Tests, die von der Bundeswehr verschwiegen werden, etwa nur lebensrettende Medikamente erprobt oder neue Operationsmethoden erforscht werden. Das eigentliche Erprobungsziel, behauptet Ilja Weiß, Vorsitzender des Bundesverbandes der Tierversuchsgegner, sei der »Test von Waffenwirkungen«. Die Versuchstiere müßten dabei »die Rolle der potentiellen Gegner« übernehmen.

Andreas Grasmüller, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, forderte schon 1982 ein »absolutes Verbot« von Tierversuchen »in der Kriegswirtschaft«. Seine Begründung: »Es haben nicht Tiere dafür geopfert zu werden, damit man anderen, nämlich den Menschen, das Leben nehmen könnte.«

Zahlreiche Tierexperimente führt die Truppe in der streng bewachten »Wehrwissenschaftlichen Dienststelle der Bundeswehr für ABC-Schutz« im niedersächsischen Munster durch - einer Einrichtung, die dem auch für Rüstung zuständigen Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung in Koblenz untersteht.

Der Standort im Flurgebiet »Raubkammer« hat Tradition: Während des Ersten und Zweiten Weltkrieges sind dort chemische Kampfstoffe erforscht, in großen Mengen produziert und gelagert worden, im Dritten Reich wurde auf dem Gelände die »Heeresversuchsstelle Munster-Nord« eingerichtet.

Heute wirken in Munster rund 40 Wissenschaftler, 60 Ingenieure und 80 Techniker zum »Schutz der Truppe bei Bedrohung«. Die Erforschung atomarer, biologischer und chemischer Kampfmittel, steht in einer »Informationsschrift«, habe »ausschließlich passive Zielrichtung«.

Weil bestimmte Fragen »nur über den Tierversuch« zu klären seien, werden in der Erprobungsstelle Schafe, Schweine, Ziegen, Kaninchen, Meerschweinchen, Ratten und Mäuse gezüchtet und gehalten. Veterinäre überwachen die Versuche, die Auswertung übernehmen andere Bundeswehr-Dienststellen, etwa das »Institut für Wehrmedizin und Hygiene« in Koblenz.

Experimentiert wird auch mit sogenannten Zwergschweinen, einer Kreuzung zwischen deutschem Landschwein, vietnamesischem Hängebauch- und Minnesota-Schwein. Weil diese Tiere, im Bundeswehr-Jargon »Frontschweine« genannt, nach Experten-Meinung hinsichtlich »Stoffwechsel, Verdauung, Kreislauf und Psyche« dem menschlichen Organismus ähneln, sind sie als Versuchstiere hochgeschätzt.

So wurden in Munster Minischweine in Schußwesten gezwängt und scharf beschossen, um »zu sehen, was die Restenergie hinter der Weste noch für Auswirkungen hat«. Die Tiere, deren Gemütszustand

zuvor »mit einem Beruhigungsmittel gedämpft« wurde (ein Bundeswehr-Veterinär), erlitten laut Obduktionsergebnis teilweise »erhebliche Lungenblutungen« und »Blutungen im Herzmuskel« - Folge von Konstruktionsmängeln an der Schutzausrüstung.

Die Behauptung von Dienststellen-Mitarbeitern, diese Fehler seien »nur dank der Schußversuche auf schmerzfähige Materie« erkannt und abgestellt worden, wird von einem Koblenzer Wehrmediziner bezweifelt: »Versuche mit Puppen hätten genügt.«

Für »unverzichtbar« halten die Tester von Munster auch die »Beschallung« von Versuchstieren. Mitarbeiter bestätigen, daß Zwergschweine zur Erprobungsstelle 91 in Meppen transportiert und dort aus nächster Nähe dem Geschützdonner großkalibriger Waffen ausgesetzt wurden. Eine Behandlung, die auch Meerschweinchen widerfuhr, weil diese, so ein Versuchsleiter, »ähnliche Gehörgänge haben wie der Mensch«.

Obduktionen ergaben, daß die »hohen Knalldrücke« bei den Tieren Trommelfelle und Nervenfasern in den Gehörgängen zerfetzten und »Gewebe im Lungenbereich« zerstörten. Ziel des Experiments war die Entwicklung »moderner Hörschutzgeräte für Geschütz-Bedienungen«.

In Geheimdokumenten wird detailliert beschrieben, wie Versuchstiere in Munster chemischen Kampfstoffen und radioaktiver Strahlung ausgesetzt wurden. *___Um die Giftigkeit von Nebelkerzen zu prüfen, mußten ____Meerschweinchen und Kaninchen die Dämpfe von Zinknebel ____und sogenanntem Kaltnebel einatmen. Beide Nebelarten, ____stellte sich im Labor heraus, führten zu ____"konzentrationsabhängigen Atemwegsschädigungen« sowie ____zum »Ersticken infolge sich rasch entwickelnder ____Lungenödeme«. *___Zur »Erfassung von Hautschäden« nach Einwirkung des ____Hautgifts Lost (Senfgas) wurde die Bauchhaut von ____Meerschweinchen mit dem Kampfstoff eingerieben. Die ____durch Lost verursachten Wunden, an denen im Golf-Krieg ____derzeit auch viele iranische Soldaten sterben, wurden ____photographiert, nicht sichtbare Schäden ____"thermographisch erkannt«. *___Mäuse wurden einer »einmaligen Ganzkörperbestrahlung« ____mit Kobalt unterschiedlicher Strahlenstärke unterzogen. ____Die Strahlenschäden belegten »eine Abhängigkeit von der ____Bestrahlungsdosis in bezug auf die Absterberate«. *___Zur »Ermittlung biologisch tolerierbarer ____Restkampfstoffgehalte« wurden Zwergschweine und Ratten ____mit dem Nervenkampfstoff »VX« vergiftet. »VX« ____verhindert, wie andere Nervengifte auch, den Transport ____des »Botenstoffes«, der für die Übertragung von ____Nervenreizen gebildet und in Sekundenbruchteilen wieder ____abgebaut

wird. Alle Körperfunktionen geraten in ein unkontrollierbares Chaos, vergiftete Lebewesen sterben unter Krämpfen und Zuckungen. *___Um im Blut von Kaninchen Antikörper zu erzeugen, ____spritzten Wissenschaftler den Tieren mikrobiologische ____Antigene. Zur Gewinnung des Serums wurden die ____Kaninchen, wie ein Mitarbeiter der Gruppe Biologie ____berichtete, »entblutet«.

Auch an der Sanitätsakademie der Bundeswehr in München, Abteilung Pharmakologie/Toxikologie, wurde an Tieren der Ernstfall geprobt. Professor Nikolaus Weger, der inzwischen den Dienst quittiert hat, vergiftete jahrelang Beagle-Hunde mit Blausäure, dem Hautgift Lost und den Nervengiften Soman und »VX«, um »Therapien gegen chemische Kampfstoffe« zu entwickeln. Die Hunde, erklärte der Ex-Oberfeldarzt dem SPIEGEL, seien »eigens für diesen Zweck produziert worden«.

Oberstarzt Otfried Messerschmidt, Leiter des Fachbereichs »Strahlenbiologie«, setzte Mäuse einer »sehr energiereichen« Neutronenbestrahlung aus, um »Erholungsvorgänge nach Ganzkörperbestrahlung« zu untersuchen.

Beim Langzeitversuch mit 61 Schäferhunden erprobte Oberfeldveterinär Rainer Hobrecht von der Veterinärmedizinischen Untersuchungsstelle Kiel einen Impfstoff, der gegen Wundstarrkrampf und Gasbrand schützen soll. Die Hunde wurden zunächst mit Versuchsstoff immunisiert und später teilweise mit Gasbrandbazillen in großen Mengen »belastet«.

Gasbrandinfektionen, die häufig nach Verwundungen auftreten, verursachen schmerzhafte Blasenbildung, Muskelzerfall, Anschwellen der Gliedmaßen sowie Blutvergiftung und enden meist tödlich. An den Versuchshunden sollte ausprobiert werden, ob der Impfstoff auch »bei beginnendem Gasödem« noch wirke.

Einer zivilen Kontrolle unterliegen die Experimente nicht. Der Schutz von »Tieren, die sich im Besitz der Bundeswehr befinden«, ist den Militärs selber anvertraut, Veterinäre der einzelnen Wehrbereiche sollen die Einhaltung der Tierschutzvorschriften überwachen. Nur Versuche, die das Verteidigungsministerium an private Forschungsinstitute vergibt, müssen von den Tierschutzbehörden der Länder genehmigt werden.

Nach dem westdeutschen Tierschutzgesetz sind Experimente »auf das unerläßliche Maß zu beschränken« - eine Maßgabe, gegen die nach Ansicht von Ex-Oberstveterinär Martin Fuchs, bis März 1983 Referatsleiter Veterinärwesen im Verteidigungsministerium, bei der Bundeswehr »häufig verstoßen« wird. Westdeutsche Wehrmediziner testen, so Fuchs, mit »viel zu hohen Tierzahlen«. Manches sei »sinnlose Spielerei«, mitunter »reine Beschäftigungstherapie«. Außerdem werde »zu oberflächlich« recherchiert, ob das Versuchsergebnis

nicht bereits »in Lehrbüchern vorliegt«.

Auch die gesetzliche Bestimmung, wonach Tieren »Schmerzen, Leiden oder Schäden« nur dann zugefügt werden dürfen, wenn sie »für den verfolgten Zweck unvermeidlich sind«, wird laut Fuchs zu selten beachtet. So sei die Wirkung von 5,56-mm-Geschossen ("dieses Teufelszeug"), die bei der Bochumer Hunde-Beschießung getestet wurden, »seit dem Vietnam-Krieg bekannt« und könnte »leider ständig am Menschen« studiert werden.

Bemängelt wird die Versuchspraxis auch von einem Bonner Wehrmediziner, der dem SPIEGEL nur bei Nichterwähnung seines Namens Informationen geben wollte. Der Oberstfeldarzt berichtet, daß in der Pathologie des Instituts für Wehrmedizin und Hygiene in Koblenz zwischen 1981 und 1983 »Hunderte« Gewebeproben beschossener Zwergschweine vergammelten. Die Auswertung sei bis heute »noch nicht abgeschlossen«, die Wehrmediziner hätten offenbar »viel zu viele Schweine« getötet.

»Überflüssig« nennt der Kritiker auch einen Bundeswehr-Auftrag an das Frankfurter »Battelle-Institut«. Das Unternehmen unterzog 64 Minischweine einer »inhomogenen Kobalt-60-Ganzkörperbestrahlung«, wie sie »bei Katastrophenfällen mit Freiwerdung von Kernstrahlung« auftritt.

Dabei sind die Folgen solcher Strahlenschäden hinreichend bekannt: Kurzfristig stellen sich Erbrechen, Durchfall, Kopfschmerz und Fieber ein, bis zum Tod vergehen Stunden oder Tage. Die Minipigs überlebten im Schnitt 60 Tage.

Die »Battelle«-Wissenschaftler erhofften sich vom Schweine-Versuch »auf den Menschen übertragbare Erkenntnisse«, die im »Fall einer nuklearen Katastrophe das Risiko abschätzbarer« machen könnten - für Versuchgegner Weiß eine »empörende Tierquälerei«, hinter der »der verzweifelte Versuch« stecke, »einen Atomkrieg doch führbar zu machen«.

Heimische Tierschützer tröstet wenig, daß ausländische Militärs ebenso verfahren wie die Bundeswehr. So wurde beim schwedischen Großmanöver »Nordlicht 82« zwar ein modernes Feldlazarett mit 17 Ärzten und 87 Schwestern eingerichtet, doch die menschlichen Manöveropfer kamen in Zivilkrankenhäuser. Die Mediziner übten indessen an Schweinen, denen zuvor Schußwunden zugefügt worden waren.

In der südschwedischen Forschungsanstalt Foa wurden Schweine aus 100 Metern Entfernung mit verschiedenen Hochgeschwindigkeitswaffen beschossen. Tiere starben, wie Generalarzt Bo Rydbeck erklärte, im Dienste einer »Humanisierungsarbeit": Ein Maschinengewehr mit »humaner Wirkung« ("Svenska Dagbladet") sollte entwickelt werden, dessen Kugeln »mindestens 14 Zentimeter sauber in das Körpergewebe eindringen«.

An der Military Medical School Bethesda im US-Bundesstaat Maryland sollte 80 Mischlingshunden, aufgehängt an Nylonschlingen, aus vier Metern Entfernung mit Gewehren, Kaliber 9 mm, in die Hinterläufe geschossen werden. Bürgerproteste nach Enthüllungen der »Washington Post« veranlaßten US-Verteidigungsminister Caspar Weinberger im Juli 1983, die Schußtests in dem für 70 000 Dollar gebauten »Wund-Labor« zu verbieten. Im Januar 1984 hob das Pentagon das Verbot wieder auf, Hunde und Katzen bleiben weiterhin verschont. Insider vermuten, daß nun auf Ziegen und Schweine geschossen wird.

»Wertvolle Erkenntnisse« zur Konstruktion neuer Stahlhelme und zur Therapie von Hirnverletzungen erhofften sich britische Wehrwissenschaftler, die in der geheimen Versuchsstätte Porton Down 29 Rhesusaffen mit Hochgeschwindigkeits-Stahlkugeln aus fünf bis zehn Metern Entfernung in den Kopf schießen ließen. Die Überlebenszeit der Affen schwankte zwischen zwei und 169 Minuten, das Experiment führte zu erregten Debatten im Unterhaus.

Solche Auseinandersetzungen blieben den Bonner Regierenden bislang erspart - Ergebnis restriktiver Informationspolitik. Nachforschende Tierschützer wurden vom Verteidigungsministerium ebenso allgemein und ausweichend beschieden wie Bundestagsabgeordnete im Parlament - vor und nach der Wende.

Im Juni 1982 wurde der CDU-Abgeordnete Hans-Jürgen Stutzer, der sich nach »Forschungsaufträgen bei Tierversuchen« erkundigte, von SPD-Staatssekretär Willfried Penner mit der geheimnisvollen Andeutung abgewimmelt, Angaben könnten »aus Gründen der Sicherheit« leider »nicht gemacht werden«. Die Grüne Sabine Bard, die im Juni 1983 im Bundestag nach »wehrmedizinischer Forschung« fragte, wurde von Penners Nachfolger Würzbach mit dem Argument vertröstet, »genaue Aufstellungen über Tierversuche« seien zwar »in Auftrag gegeben«, aber noch »nicht abgeschlossen«.

Einen ersten versteckten Hinweis auf die Bundeswehr-Versuchspraxis erhielt der SPD-Abgeordnete Peter Würtz im Februar dieses Jahres, als er Genaueres über die »Beschießung von lebenden Tieren« wissen wollte. Staatssekretär Lothar Rühl verwies auf einen »Forschungsauftrag« für die Universität Würzburg. Dort werde untersucht, »welche chirurgischen Verfahren bei Verletzungen durch ''neue Geschosse'' angewendet werden können«.

Doch an der Bundeswehr-Praxis soll sich vorerst nichts ändern. Das geplante neue Tierschutzgesetz beläßt den Wehrmedizinern alle bisherigen Kompetenzen. Weder der Referentenentwurf der Bundesregierung noch ein Gesetzesantrag Hessens enthalten eine entsprechende Beschränkung. Selbst der Änderungsvorschlag des Deutschen Tierschutzbundes sieht lediglich die »Hinzuziehung eines neutralen Sachverständigen« vor.

Nur die Grünen wollen die Uniformierten stoppen: Gemäß ihrem Entwurf sollen »Tierversuche im wehrmedizinischen Bereich« künftig »verboten« sein. _(In einem US-Militärlabor. )

unten: aus dem Bundeswehr-»Forschungsbericht aus der Wehrmedizin«.Oben: Z = Zieltisch, GF = Geschoßfangkasten;In einem US-Militärlabor.

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