Zur Ausgabe
Artikel 46 / 89
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Österreich wirbt um Schwarzgeld

aus DER SPIEGEL 12/1988

Österreich will in Kürze die Schweigepflicht der Banken im Grundgesetz festschreiben. Sowohl das Bankgeheimnis wie auch die Anonymität des Sparbuchs sollen demnächst Verfassungsrang erhalten. Dafür ist eine Zweidrittelmehrheit im Parlament nötig. Die offizielle Begründung für die Maßnahme lautet: Die österreichischen Sparer sollen beruhigt werden, weil sie seit der SPÖ-ÖVP-Einigung über die Einführung einer zehnprozentigen Quellensteuer ab 1. Januar 1989 befürchten, daß ihre meist nichtdeklarierten Zinserträge nun dem Finanzamt bekannt werden könnten. Eigentlicher Hintergrund ist jedoch: Österreich möchte noch attraktiver für bundesdeutsche und andere ausländische Anleger werden, an deren Schwarzgeldkonten die grenznahen Bankinstitute schon jetzt ausgezeichnet verdienen. Für den ÖVP-Bankexperten Hans Haumer, Generaldirektor der Ersten österreichischen Spar-Casse, besteht keinerlei Zweifel, daß das geplante Verfassungsgesetz »dem Finanzplatz Österreich Auftrieb geben wird«. Das österreichische Bankgeheimnis, jubelt er, »wird damit Weltmeister«.

Mehr lesen über
Zur Ausgabe
Artikel 46 / 89
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.