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ÖTV-Gehälter: Teure Putzfrauen

aus DER SPIEGEL 15/1980

Bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit«, drohte ÖTV-Chef Heinz Kluncker nach Abschluß der jüngsten Tarifverhandlungen für die Arbeiter und Angestellten im öffentlichen Dienst, werde er wieder einen Sockelbetrag für untere Lohngruppen fordern. Warnstreiks von Müllwerkern und Busfahrern verstärkten den Eindruck, daß es in den unteren Einkommensgruppen des öffentlichen Dienstes besonders karg zugehe. Beamtenbund-Chef Alfred Krause klagte bei Innenminister Gerhart Baum über dasselbe Thema: Die unteren Gehaltsstufen müßten angehoben werden.

In Wahrheit liegen, das ließ Baum jetzt von seinen Besoldungsexperten zusammenstellen, gerade die unteren Einkommen des öffentlichen Dienstes weit vor denen der freien Wirtschaft. Ungelernte etwa verdienen im öffentlichen Dienst nur rund zehn Prozent weniger als Bedienstete mit abgeschlossener Ausbildung.

In der Metallbranche dagegen müssen sich die Hilfskräfte mit 76 Prozent des Einkommens von Gelernten begnügen, und im Druckgewerbe erhalten die Arbeiter ohne Lehre gar nur 61,7 Prozent.

Auch im direkten Vergleich bleibt der Vorsprung bestehen: Müllwerker etwa kommen beim Staat auf einen Stundenlohn zwischen 13 und 15,70 Mark. Bei privaten Müllfirmen verdienen sie 11,18 Mark die Stunde. Für private Busfahrer hat die ÖTV in Bayern jüngst zu 8,95 Mark die Stunde abgeschlossen. Klunckers Busfahrer im öffentlichen Dienst verdienen 15 Mark.

Raumpfleger im Tarifbereich der IG Bau bekommen zwischen 7,87 und 7,92 Mark. Bund, Länder und Gemeinden zahlen fürs Putzen zwischen 8,77 und 10,14 Mark. »Das kann doch wohl nicht wahr sein«, entrüstet sich Innenminister Gerhart Baum, »daß die Putzfrau im Düsseldorfer Rathaus genausoviel verdient wie der private Omnibusfahrer in Bayern.«

So ist Baum denn auch fest entschlossen, die Forderung von Beamtenbund-Chef Krause nach sozialer Komponente für die Beamten abzulehnen.

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