Zur Ausgabe
Artikel 27 / 81
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

PROZESSE Ofen aus

Daß eine Bratpfanne »Emma« heißen soll, ließ »Emma«-Herausgeberin Alice Schwarzer nicht ruhen. Sie lief vors Gericht.
aus DER SPIEGEL 26/1979

Eigentlich sollte die neue Bratpfanne »Minna« oder »Annette« heißen. Doch die negativen Assoziationen, so fanden die Werbeleute, »jemanden zur Minna machen« etwa oder »Grüne Minna«, sprachen gegen den ersten Vorschlag. Und Annette klang ihnen »zu zerbrechlich, zu zierlich und zu feinfühlig«.

Aber dann hatten sie's. Das neue, spezialemaillierte Küchengerät der Firma Silit aus dem schwäbischen Riedlingen wurde »Emma« getauft. Denn »Emma«, fanden die Werbestrategen, das klinge nach treuer Seele und echter Perle, damit assoziiere man Werte wie: »einfach, bieder, verläßlich, resolut und robust«. Silit-Marketingchef Joachim Bullermann: »Wer Emma heißt, weiß eben, was im Haushalt Sache ist.«

Das hatte sich Bullermann so gedacht. »Emma« heißt jedoch auch ein Magazin für Frauen aus Köln. und als dessen Herausgeberin Alice Schwarzer von der namensgleichen Pfanne (Slogan: »Emma wird es nie zu heiß") hörte, war der Ofen aus. Für Alice Schwarzer war klar, daß da jemand den Zeitschriften-Namen ausnützen und »die Kennzeichnungskraft der Marke Emma zu zerstören, beziehungsweise zu verwässern drohte«. Sie verlangte eine Unterlassungserklärung und ging vors Kölner Landgericht.

Hinten auf der Schwäbischen Alb beteuerten die Silit-Manager ihre Unschuld. Sie »kennen zwar« Alice Schwarzer, »weil sie mal im Aktuellen Sportstudio aufgetreten ist«. Aber daß die Bratpfanne mit dem Frauenmagazin ins Gehege kommen könne, darauf seien sie »bestimmt nicht gekommen«.

Auch bei Werbesprüchen wie »Emma hat was Gutes oben drauf« sei nicht an lebende Wesen oder jenes Blatt gedacht worden, und überhaupt: »Die Sympathisanten der Zeitschrift«, sagt Bullermann nach eingehender Lektüre, »bilden, vorsichtig ausgedrückt, nicht die Zielgruppe unserer Werbung«

Die Pfannenpropaganda hat schon rund eine Million Mark gekostet. Hauptwerbemittel sind Funkspots' in denen Marlene Dietrichs »Lola«-Lied aus dem »Blauen Engel« abgewandelt war: »Ich bin die fesche Emma.

Für den Marketing-Mann ist es undenkbar, daß »der Allerweltsname Emma«, der bereits für rund 50 Produkte aller möglichen Branchen herhalten mußte, »nun plötzlich für die Zeitschrift zu monopolisieren sein könnte«. Deshalb schlugen die schwäbischen Topf- und Pfannenmacher mit einer Feststellungsklage gegen den Emma«-Verlag zurück. Sie wollen klären lassen, daß die »Hauspostille der Frauenbewegung« keinen Emma-Alleinvertretungsanspruch erheben kann. Verhandelt wird im August.

Dann muß sich zeigen, ob jemand einen Namen für sich reservieren kann, der in so bekannten Kombinationen wie »Tante-Emma-Laden« vorkommt. Oder auch in Röhrichs »Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten« mit der Wendung »Alles Scheiße, deine Emma

Mehr lesen über
Zur Ausgabe
Artikel 27 / 81
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.