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PAKISTAN Offene Revolte

aus DER SPIEGEL 12/2007

Präsident Pervez Musharraf steht unter Druck wie bislang selten in seiner nunmehr siebenjährigen Amtszeit. Eine Welle des Protests hat das Land erfasst, nachdem der Militärherrscher den obersten Bundesrichter entließ - weil der ihm offenbar zu unabhängig war. Auf den Straßen von Islamabad, Karatschi, Lahore und Peschawar protestierten vergangene Woche Tausende aufgebrachter Juristen zusammen mit oppositionellen Parteien, darunter auch Islamisten, gegen die Amtsenthebung. Sie lieferten sich Schlachten mit der Polizei, riefen »Go, Musharraf, go!« und verbrannten das Bild des Staatschefs. Die Polizei nahm Demonstranten fest und schloss Fernsehsender, die Bilder der Unruhen ausgestrahlt hatten. Die Protestbewegung traf die Militärregierung offensichtlich völlig unvorbereitet.

Musharraf wirft Richter Iftikhar Muhammad Chaudry »Amtsmissbrauch« vor. Gestört hat ihn wohl, dass der Jurist oft eigensinnige Urteile fällte: Er wollte etwa das Verschwinden von Hunderten Oppositionellen aufklären lassen. Musharraf braucht aber Unterstützer im Obersten Gericht, weil er plant, sich noch vor den Wahlen im Herbst vom alten Parlament als Staatschef bestätigen zu lassen - das verstößt gegen die Verfassung.

Der abgelöste Richter ist inzwischen eine Art Volksheld, seinen Posten will er keinesfalls räumen. Unabhängige Zeitungen und Menschenrechtsorganisationen bezeichnen die Entscheidung des Militärherrschers als Übergriff und warnen vor einer »Bananenrepublik«. Der Aufstand könnte auch die Amerikaner davon abhalten, Musharrafs Wahlstrategie zu unterstützen. Die Demokraten, die inzwischen den Kongress beherrschen, verlangen vom pakistanischen Präsidenten mehr Demokratie. Washington ist mit Musharraf ohnehin unzufrieden, weil der die Jagd auf Terroristen ohne merklichen Erfolg betreibt. Pakistans Opposition versucht, die Gunst der Stunde zu nutzen: Vertreter der größten Parteien, der Muslim League von Nawaz Sharif und der Pakistan People's Party von Benazir Bhutto, treffen sich diesen Monat in London zur größten Oppositionskonferenz seit Musharrafs Machtübernahme.

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