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SCHLEICHWERBUNG Offensive der Kontrolleure

aus DER SPIEGEL 14/2005

Alarmiert durch die gestiegene Zahl der Verdachtsmomente, wollen die Landesmedienanstalten jetzt schärfer gegen Schleichwerbung im Fernsehen vorgehen. Norbert Schneider, Vorsitzender der Gemeinsamen Stelle Programm, Werbung und Medienkompetenz (GSPWM) kündigt nach der letzten zweitägigen Stichprobe nun eine neuerliche und umfangreichere Überprüfung der Programme der Privatsender an. Schneider empört sich über »die moralische Unanständigkeit, mit der Werbung heute ganz unverblümt im Programm platziert wird«. Im vergangenen Jahr war bei der üblichen Routinekontrolle nur der Mitmachsender Neun Live auffällig geworden, jetzt entdeckten die Medienwächter bei Vox, Super RTL, n-tv, Sat.1 und MTV Verdächtiges. An zwei Programmtagen im Februar fielen den Kontrolleuren insgesamt zehn Sendungen auf. Bei »Schmeckt nicht, gibt's nicht« etwa präsentierte Chaos-Koch Tim Mälzer (Vox) Saucenbinder in Zoom-Einstellung, in der »Telebörse« auf n-tv erhielt ein Vertreter der britischen Bank HSBC Gelegenheit, ausführlich auf die Vorteile und Perspektiven eines bestimmten HSBC-Zertifikats hinzuweisen. »Schleichwerbung ist das größte Täuschungsmanöver, das am Fernsehzuschauer vollzogen werden kann«, so Medienwächter Schneider. Den Termin für die geplante Kontrolloffensive, die diesmal eine volle Woche dauern soll, hält er wohlweislich geheim.

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