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KROATIEN »Ohne uns geht's nicht«

Staatspräsident Stipe Mesic, 72, über die EU-Ambitionen seines Landes und die Probleme mit der Korruption
aus DER SPIEGEL 19/2007

SPIEGEL: Der EU-Beitritt 2009 ist das wichtigste außenpolitische Ziel Ihrer Regierung. Demgegenüber steht eine ausgeprägte Erweiterungsmüdigkeit innerhalb der Union. Wie realistisch sind Ihre Bestrebungen?

Mesic: Das Projekt der europäischen Einigung kann ohne den Südosten des alten Kontinents nicht vollendet werden. Da mangelt es manchen in der EU an Realismus. Die alten Länder müssen begreifen, dass es ohne uns nicht geht.

SPIEGEL: Zum Südosten zählen auch andere Staaten und Gebiete des Balkans, die politisch sehr instabil sind. Einige EU-Mitglieder fürchten, der Beitritt Kroatiens würde etwa in Bosnien-Herzegowina oder Kosovo falsche Erwartungen wecken.

Mesic: Das beste Mittel, um Instabilität zu vermeiden, ist es, solchen Ländern eine Perspektive zu geben, also die Möglichkeit, europäische Werte übernehmen zu können. Die Lösung besteht nicht darin, die Tore zur EU zu schließen, sondern sie zu öffnen.

SPIEGEL: EU-Mitglieder müssen die Kopenhagener Kriterien etwa nach Rechtsstaatlichkeit und Demokratie erfüllen. Brüssel aber rügt regelmäßig die ausufernde Korruption in Ihrem Land.

Mesic: Wir haben damit begonnen, Korruption ernsthaft zu bekämpfen. Dazu ist politischer Wille erforderlich, und der ist nun vorhanden.

SPIEGEL: Die kroatische Justiz gilt international als nicht unabhängig.

Mesic: Wir stecken mittendrin in der Justizreform. Immerhin haben wir bewiesen, dass wir imstande sind, komplizierte Kriegsverbrecherprozesse zu führen, auch solche, bei denen es um Straftaten an Minderheiten geht.

SPIEGEL: Geben Sie zu, dass Angehörige der serbischen Bevölkerungsgruppe weiterhin gewalttätigen Angriffen ausgesetzt sind?

Mesic: Es sieht nicht so schwarz aus, wie Sie meinen. Seit dem Krieg hat sich eine Menge getan. Zugegeben: Es gibt noch vereinzelte Übergriffe, aber ich lehne die kategorisch ab. Es bedarf großer Anstrengungen, indoktrinierten Menschen den richtigen Weg zu zeigen.

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