Olaf Scholz und die Reporter Der Schmalspur-Willy

Für seine Nichtantwort auf die Frage einer Journalistin im Rahmen des G7-Gipfels erntete der Bundeskanzler Kritik. Sollen seine Ein-Wort-Entgegnungen vielleicht an einen seiner Vorgänger erinnern?
Olaf Scholz fand seine Antwort witzig

Olaf Scholz fand seine Antwort witzig

Foto: Screenshot / SPIEGEL TV

Es hätte alles so schön sein können. Vom G7-Gipfel auf Schloss Elmau gingen nicht nur Bilder des traditionellen Bayerns um die Welt, sondern auch Signale von Einigkeit der führenden westlichen Industrienationen um den Globus: 28 Milliarden Euro für die Ukraine, eine gemeinsame Erklärung mit den Gastländern, in der das Bekenntnis zu einer »regelbasierten internationalen Ordnung« erneut wurde.

Der Gipfel kann als Erfolg bezeichnet werden – und war somit automatisch auch einer für Gastgeber Olaf Scholz. Als Haar in der Suppe könnte Scholz' abschließende Pressekonferenz und seine Antwort auf die Frage einer Journalistin interpretiert werden. Ob Scholz die versprochenen Sicherheitsgarantien für die Ukraine konkretisieren könnte, wollte Rosalia Romaniec, Leiterin des Hauptstadtstudios der Deutschen Welle, wissen.

Scholz' Reaktion: »Ja.« Darauf folgte eine Pause, dann ein leises In-sich-Hineinlachen von Scholz, bevor er ein »Könnte ich« hinterherschob. Noch ein Lachen, noch eine Pause, dann ein »Das war's« von Scholz, abgerundet mit einem weiteren Lacher und einem breiten Grinsen. Eine weitere Nachfrage der Journalistin gab es nicht.

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Die Kritik auf Scholz' Nichtantwort ließ nicht lange auf sich warten. Als arrogant, unfreundlich und selbstverliebt wurde das Verhalten des Bundeskanzlers in den sozialen Netzwerken betitelt. Dennis Radtke, Europaabgeordneter der CDU, schrieb auf Twitter: »>Respekt für dich‹ war halt vor der Wahl.«

Die Journalistin selbst fand es »echt schade«, dass sie keine Antwort erhielt. Als sie Deutsch gelernt habe, »wurde mir für Pressekonferenzen dringend die Höflichkeitsform empfohlen«, schrieb sie auf Twitter.

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In der Sendung »Markus Lanz« nannte Klimaaktivistin Luisa Neubauer die Szene »unangenehm«. Die Journalistin Yasmine M’Barek sprach von einem »Warnsignal, dass Scholz sich weiterhin daran bedient, in seiner Position als Bundeskanzler sich erlauben zu können, keine Antworten zu geben«.

Zuspruch erhielt der Kanzler von seinem Parteikollegen Ralf Stegner: »Man kann doch nicht öffentlich über die Art von Sicherheitsgarantien reden. Das ist hoffentlich das Ergebnis von Verhandlungen. Intelligente Menschen merken das auch, dass das so ist. Das war mit hanseatischem Humor ausgedrückt.«

Und in der Tat spricht einiges dafür, dass Scholz selbst seine Antwort als seine humorvolle Version von einer Aussage à la »Ja, könnte ich, aber wir haben vereinbart, dass wir dieses Thema aus strategischen Gründen zunächst vertraulich behandeln« sieht.

Hommage an Willy Brandt?

Es war auch nicht das erste Mal, dass Scholz wortkarg auf Fragen reagierte, die er durchaus länger hätte beantworten können. Als er zum Beispiel in der Sendung »Bericht aus Berlin« in Bezug auf Robert Habecks Tipps zum Energiesparen gefragt wurde, ob er auch noch weitere Vorschläge habe, antwortete Scholz: »Nö.«

Zu Scholz' Ehrenrettung im Fall der nicht beantworteten Frage von Rosalia Romaniec muss erwähnt werden, dass er wenige Minuten zuvor auf eine ähnliche Frage etwas konkreter geantwortet hatte. Es würde bei den Sicherheitsgarantien unter anderem darum gehen, dass die Ukraine sich selbst verteidigen kann. Das müsste sichergestellt werden. Über das und andere Sicherheitsgarantien sei man schon lange im Gespräch, könnte aber lange noch nicht so konkretisiert sein, dass man jetzt darüber »sinnvollerweise sprechen sollte«.

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Und vielleicht wollte Scholz mit seiner Antwort auch nur in die Fußstapfen einer SPD-Legende treten: Ex-Kanzler Willy Brandt hatte in seinem berühmten Interview mit Friedrich Nowottny im Jahr 1972 auf alle Fragen nur mit »Ja«, »Nein« und »Doch« geantwortet.

Laut Nowottny, der das Interview damals für die »Tagesschau« geführt hatte, war Brandt beleidigt, dass für das Gespräch nur drei Fragen und 90 Sekunden eingeplant waren. Olaf Scholz unterlag bei der Pressekonferenz einem solchen Zeitlimit nicht.

Anmerkung der Redaktion: Nach Recherchen der Friedrich-Ebert-Stiftung  fand das Interview zwischen Brandt und Nowottny nicht im Jahr 1972 statt, sondern 1971. Die Stiftung weist ebenso darauf hin, dass nur ein Comedy-tauglicher, von der ARD ausgestrahlter Auszug jenes Interviews bekannt wurde – das ganze Interview aber auch ausführlichere Antworten enthielt.

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