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Otto Köhler Omas Fluch

aus DER SPIEGEL 37/1967

Den Berliner Justizbehörden ist ein besonderes Kunststück geglückt: Sie haben den Teufel am Namen erkannt und setzten ihn 68 Tage fest. So gut meint es die Vorsehung mit Nichtberlinern nicht, denn möglicherweise ist es eine »furchtbare Strafe«, daß -Got-t- in neueren Zeiten »dem Teufel die Taktik erlaubt hat, inkognito« unerkannt, sein Geschäft zu betreiben«.

Diese schreckliche Mutmaßung stand am Ende einer 17teiligen Serie, mit der »die katholische »neue bildpost« (Auflage über 350 000) ihre Leser über das Wirken des »Teufels im Atomzeitalter« aufklärte. Man habe, so forderte das auch in Kirchen zum Verkauf ausliegende Bilderblatt, jenes Bibelwort »wörtlicher« zu verstehen als bisher: »Denn der Teufel geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge.«

»Kronzeuge« der »neuen bildpost« ist der Jesuiten-Pater Adolf Rodewyk, der in der Fachwelt höchste Anerkennung genießt -- er gehört »heute zu den anerkanntesten Fachleuten der Theologie auf dem Gebiete der Besessenheit«, und seine Werke werden mit kirchlicher Druckerlaubnis veröffentlicht. Die Berufsbezeichnung des »Fachmanns von Rang": »Exorzist« -- das heißt, er treibt vom Teufel besessenen Leuten ebendenselben aus.

»bildpost«-Leser lernten seinen Paradefall kennen: »Leben und Leiden der Magda X«. Diese 1954 verstorbene Dame wurde schon vor ihrer Taufe von der Oma verflucht -- der genaue Wortlaut des Fluches wird von verschiedenen Zeugen bestätigt. Trotzdem sprach der Priester bei der Taufe die übliche Beschwörung des Teufels »als bloße Zeremonie« und ohne »ernste Absicht, den Teufel zu vertreiben«.

Die Folgen ließen nicht auf sich warten. Das Kind hatte »seltsame Eigenschaften«. Es zeigte sich beim Beten oft »frech und herausfordernd« und verließ auffälligerweise die Schule mit »guten Kenntnissen«. Die Herangewachsene hatte ein Verhältnis mit einem Inspektor in der Großstadt.« Sie wohnte bei ihm«, enthüllt die »bildpost« und fährt fort: »Aber dieses Leben war ihr noch lange nicht wild genug.«

Magda X verschrieb sich dem Teufel. Pater Rodewyk nahm sich als »Exorzist« die Dame vor. Er hielt sich dabei exakt an die im »Rituale Romanum« von 1614 niedergelegten Vorschriften über den Verkehr mit vom Teufel besessenen Personen. »bildpost« weiß von da. daß »der Teufel« durch den von ihm besessenen Körper »handeln und auch sprechen kann«, und sie erläutert-», Nach den Vorschriften des »Rituale Romanum« kann der Exorzist darum einem Teufel Fragen stellen, die er beantwortet, ja, die er beantworten muß.«

Der Pater Exorzist selbst -- laut »bildpost": »Das »Rituale Romanum« unterscheidet in seinen Vorschriften scharf zwischen notwendigen und überflüssigen Fragen. So mußte ich zunächst nach der Zahl der etwa vorhandenen Teufel fragen. Es meldete sich eine Persönlichkeit, die sich »Kam« nannte.« Danach meldeten sich noch mehr Teufel zu Wort, die »sich »Judas«, »Beelzebub« und schließlich »Abu Gosch« nannten«. Alle hatten dem Pater« wie »neue bildpost« bestätigt, »auf seine Fragen auch stets geantwortet«.

Dabei zeigten die Teufel eine Eigenschaft, die sie zumindest für geplagte Sekretärinnen in einem angenehmen Licht erscheinen lassen muß. Der Pater entschloß sich eines Tages, die Aussagen der von Magda X in ihrem Körper beherbergten Dämonen mitzustenographieren: »Da ich etwa 140 Silben in der Minute schrieb, konnte ich gut folgen, machte aber zu meiner Überraschung die Beobachtung, daß sich die Teufel meiner Schreibgeschwindigkeit anpaßten, wenn ich nicht mitkam. Sie schienen geradezu Befehl dazu zu haben, aber nicht von Luzifer, vielmehr waren sie rasend darüber und suchten das Schreiben auf andere Weise zu hindern.«

Auch die glaubensgewohnte »bildpost« meint an dieser Stelle: »Sicherlich mag hier mancher ... unwillkürlich stocken.« Doch für das katholische Blatt sind Zweifel unangebracht, denn Pater Rodewyk hat schließlich für das »absolut verbindliche, höchst seriöse Nachschlagewerk für alle Glaubensfragen«, das »Lexikon für Theologie und Kirche«, das Kapitel über »dämonische Besessenheit« verfaßt und ist somit »absoluter Experte«.

Zweifel an den Feststellungen der »neuen bildpost« zu übersinnlichen Wahrnehmungen sind ohnedies keinem zu empfehlen, dem sein Leben lieb ist. Das bekam der Bischof von Santander zu spüren. Die »bildpost« hatte in einer Serie auch über Erscheinungen des heiligen Michael im spanischen Bergdorf Garabandal berichtet. Doch der Bischof zweifelte. »bildpost« über die Folgen:

»Fünfzig Tage nach der Verlautbarung des Bischofs von Santander« daß in Garabandal nichts Übernatürliches vorgefallen sei, am 8. Mai, fuhr derselbe 52 Jahre alte Bischof Vincente Puchol Montiz nach Madrid ... Sein Wagen stürzte in einen Abgrund. Der Bischof war sofort tot. Sein Mitfahrer jedoch kam mit dem Schrecken davon. Es war der 8. Mai. An diesem Tag feiert die Kirche das Fest der Erscheinung des heiligen Michaels!«

Otto Köhler
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