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Briefe

Ordnungspolitischer Denker
aus DER SPIEGEL 31/1979

Ordnungspolitischer Denker

(Nr. 28/1979, SPIEGEL-Titel ODer Kandidat«; Nr. 29, 30/1979, CDU/CSU)

SPIEGEL-Leser Günther Ludwig aus Frankfurt irrt (Briefe 29/1979). Nicht Ihr Titelbild ist eine Frechheit -- der Kandidat ist es!

Amsterdam, (Holland) DAN KELLY

Wohlauf denn zum fröhlichen Jagen mit Horrido und Hussasa auf den aus bayrischen Revieren in nordische Gefilde ausbrechenden Keiler. »Woar Di -- O Knäblein Rudolf -- woar Di wek!«

Stetten (Bad -Württ.> HENRI WAGNER

Bravo, Cornelia Klein und Michael Radke, für den CDU-Austritt! (Briefe 29/1979). Solche Schritte müßten jetzt reihenweise erfolgen, um den Parteibonzen vor ihrer zynischen Führer-Macherei Mores zu lehren! Fürsorglich: Ich bin weder ein »politischer Bandit« (Strauß) noch ein sonstwie vom Osten Ferngelenkter, sondern habe es als sehr europäischer, franko-germanischer, ideologiemüder Demokrat ganz einfach satt, mich auf meinen vielen Auslandsreisen immer von neuem bestimmter verkarsteter politischer Führer, die mich gegen meinen Willen repräsentieren, schämen zu müssen.

Gaggenau (Bad-Württ.)

DR. WOLFGANG S. FREUND Herausgeber »Die Dritte Welt Ehemaliger Landesbeauftragter der Konrad-Adenauer-Stiftung für Ägypten (1974 bis 1977)

Eine energiebewußte Parole: »Schluß mit Saus und Braus -- Sonst kommt Strauß.«

Ammersbek (Schlesw.-Holst.)

WILFRIED WEISSENFELDT

Kaum einer der führenden SPD-Politiker hat sich mehr verdient gemacht um die SPD als Franz Josef Strauß.

Sorgte er in den letzten Jahren dafür, daß die Opposition unter Kohl nie ohne schiefe Seitenblicke nach Bayern zu agieren Wagte, sofern sie überhaupt sich rührte, so verhindert Strauß nun gerade noch rechtzeitig, daß die SPD in sorglosem Dauer- und Tiefschlaf verharrt.

Für diese und manche andere Leistungen zugunsten der SPD sollte für FJS bei allen SPD-Präsidiumssitzungen symbolisch ein Stuhl im Saal freigehalten werden.

Bonn PROF. DR. HANNES SCHMIDT

»Er wird Kreide fressen ...« -- wie wahr, Herr Bahr!

Celle (Nieders.) FRITZ LENSSEN

Der kreidefressende Wolf will »Ziege« simulieren, nicht »Großmutter«!

Florenz REINHARD BODEMEYER

»Solidarität statt Erpressung -- darum SPD!«

Düsseldorf HANS-JOACHIM ROTHKIRCH

»Freiheit statt Strauß!«

Bad Soden (Heseen) CHRISTOPH CORTIS

Von mir werde seit langem kolportiert, daß ich im Falle der Gründung einer bundesweiten CSU erster Anhänger einer solchen Bewegung gewesen wäre. Ich habe mich immer als Streiter für die Einheit der Union und als Gegner einer bundesweiten Ausdehnung der CSU verstanden. Deswegen bin ich auch mit der neuen Entwicklung zufrieden. Vor allem auch deshalb, weil ch Strauß für den klarsichtigsten ordnungspolitischen Denker in der Union halte, der in der Lage ist, die SPD! FDP-Koalition abzulösen.

HANAU (Hessen) DIETER WEIRICH

CDU/MdL

Die Wahl zwischen Albrecht und Strauß war die Wahl zwischen Nordlicht und Zwielicht.

Darmstadt (Hessen) KARL-HEINZ MEIDINGER

Ich bin kein Freund der CDU, aber was man mit Kohl gemacht hat, ist eine Frechheit, und so wie FJS mit seinen Freunden umgeht, wird er dann auch mit den Bürgern umgehen. Norderstedt (Schlesw.-Holst.)

WOLFGANG MÖLLER

Es nützt der Partei überhaupt nichts, wenn ihre Mitglieder jetzt haufenweise austreten, nur weil sie sich nicht mit dem Herrn Strauß solidarisieren. Es kommt doch jetzt darauf an, zu verhindern, daß Herr Strauß seinen Kopf allein durchsetzt. Dies ist aber nur möglich, wenn die liberalen Kräfte zusammenhalten und in sich geschlossen sind. Das müssen wir lernen. Die CDU ist doch eine Volkspartei und nicht eine Gruppe des Herrn Strauß. Bevor man so eine Wahl durchgeführt hätte, mußte doch die Parteibasis auch gefragt werden. Aber da hätte Herr Strauß wohl Angst haben müssen, durchzufallen. Das zeigen doch die Wochen des Hin- und Hergerangels. Für mich ist Herr Strauß jedenfalls keine Alternative.

Garbsen (Nieders.) PETER LAPORTE

Man sollte nun endlich dazu übergehen, bei so wichtigen Entscheidungen die Parteiarbeiter an der Basis zu fragen! Wozu ist man sonst noch länger Mitglied?

z. Zt. Metajrje (USA) FRANK M. HAVEMANN

Wer schon wochenlang ein Affentheater veranstaltet, um schließlich zuzulassen, daß FJS sich zum Kanzlerkandidaten machen läßt, der muß sich fragen lassen, wie er in Sachfragen zu verfahren gedenkt.

Marburg (Hessen) MANFRED REKOWSKI

Glauben Sie wirklich, Herr Lehnen (Briefe 29/1979), daß Schiller mit »tintenklecksend« meinte, heute würde nicht mehr anständig recherchiert?! Wollen wir gemeinsam hoffen, daß Pier Angelo di Santo Specchio, als er hinsichtlich gewisser Tendenzen zu unscharfem Denken bei manchen seiner Renaissance-Zeitgenossen sagte, »die Dummen sterben nicht aus«, nicht gemeint hat, heute würde Schiller gelegentlich etwas zu leichtfertig interpretiert.

Baesweiler (Nrdrh.-Westf.) KARL THÖNNISSEN

Augsteins Aussage, das Volk würde Strauß »instinktiv« nicht wählen, halte ich schlicht für eine Verharmlosung der Situation. Anbei ein Verbesserungsvorschlag: »Stoppt Strauß!«

Kirchdorf (Bayern) KURT ROSSGODERER

Nicht Strauß ist eine Gefahr für die Demokratie, sondern Strauß ist eine Nagelprobe für unsere Demokratie.

Senkt Wendel (Saar) KLAUS OTT

Strauß ist Politiker höchsten Formats und nahezu unerreichter Kompetenz. Seine Offenheit und sein Mut zur Wahrheit, den andere ähnlichen Standes unter Rücksicht ihrer Position und Angst vor negativen Sanktionen seitens der Wählerschaft, entbehren, ist das wahre Faktum, weshalb man diesen gestandenen Politiker als Buhmann bezeichnet und ablehnt.

Mainz HELMUT St. AMANN

Auch wir im Südwesten sind gerüstet. Die beigefügte Kopie eines Autoaufklebers ("Kanzler Strauß? Dann wander' ich aus!"), der in etwa zwei Wochen auf dem Markt erscheint, soll in ironisierender Form unser Unbehagen über einen möglichen Kanzler Strauß deutlich machen.

Mandelbachtal (Saar) UDO WAHL

Wenn ich feststelle, daß wir einen rechts ausgerichteten Bundespräsidenten und Bundestagspräsidenten haben und eine Mehrheit im Bundesrat haben, die ebenfalls rechts orientiert ist, dann wird mir angst und bange, daß sieh dieses rechte Übergewicht auch bei der Bundestagswahl und Kanzlerentseheidung 1980 auswirken könnte, und zwar weil der deutsche Mensch immer eine größere Neigung zum rechtsradikalen Kurs gehabt hat,

Der Ruf nach dem starken Mann, der es den Sowjets und der DDR schon »zeigen« wird, bringt die Menschen in Ekstase und um jede Vernunft. Wir haben das ja schon einmal erlebt. Und wenn der SPD und der FDP in diesem Wahlkampf 1980 nichts einfällt, was diesem »Starken-Mann-Denken« den Boden nimmt und den Bürger wieder zum normalen Denken bringt, dann wird F. J. Strauß Bundeskanzler, und dann hätten die Deutschen aus der Vergangenheit nichts, aber auch gar nichts gelernt, denn Strauß als starker Mann an der Spitze unseres Volkes ist für mich eine Gefahr und keine Garantie für eine Demokratie in Frieden und Freiheit.

Als 70jährige, Mutter von drei Kindern, deren Mann im Krieg gefallen ist, deren Mutter Opfer des Bombenterrors wurde, deren Wohnung total von Bomben zerstört wurde, schreibe ich heute diese Zeilen aus Sorge um die Zukunft der deutschen Menschen in der Bundesrepublik Deutschland.

Hamburg HILDA SEIDENSCHNUR

Vielleicht macht Ihnen die kleine Montage ("Steinzeit? Nein Danke") soviel Spaß wie uns.

Hannover HANS RAUSCHNING

Strauß hat es wieder einmal in seiner ureigenen Art verstanden, durch die zielstrebige Demontage führender CDU-Spitzenpolitiker deutlich zu machen, was er unter der Einheit der Union versteht, selbstverständlich nur unter seiner Führung.

Hanau (Hessen) DIETER HOPPE

Sollte er siegen, es wäre nicht auszudenken!

Essen KLAUS GOTTSCHLING, ING. GRAD

Verehrter Herr Schumacher aus Schaesberg/Niederlande (Briefe 29/1979)! Sie werden nicht glauben: Wir Deutschen sind froh. einen Bundespräsidenten Carstens zu haben, und im nächsten Jahr kennt unser Glück keine Grenzen, wenn unser Bundeskanzler Strauß heißt!

z. Zt. Göttingen

FRIEDRICH-WILHELM VON DIERGARDT

Der Ausspruch von FJS (Titel 28/1979) lautet richtig:

Genau so wenig wie ein Hund einen Wurstvorrat anlegen kann, können Sozialdemokraten einen Geldvorrat anlegen!!!

Sozis sind wie der »kleine Mann«, der plötzlich zu zuviel Geld gekommen ist (1969!!), aber nicht damit umgehen kann!

München SEPP WIITMANN

Viele Menschen werden im Verlauf ihres Lebens reifer und einsichtiger. Warum sollte Herbert Wehner der einzige sein, der sich von einem Saulus zu einem Paulus gewandelt hat? Lüdenscheid (Nrdrh.-Westf.)

DR. JUR. KARSTEN

Da wird von der Gründung einer »christlichen Gewerkschaft« gesprochen. Wir IG-Metaller wissen, was wir von einer »christlichen Gewerkschaft« zu erwarten haben -- nämlich nur »maßvolle Tarifabschlüsse«, damit der Profit der Unternehmen auch kontinuierlich wachsen kann. Ob aber deshalb mehr investiert wird, ist eine andere Frage!

Gochsheim Bad.-Württ.) HELMUT LANG

Industriekaufmann/IG-Metall-Mitglied

Überall wo christliche Gewerkschaften bei Betriebsrats- und Aufsichtsratswahlen kandidieren, erreichen sie in der Regel zwischen 20 und 30 Prozent der Stimmen von der Belegschaft.

Wilhelmshaven (Nieders.) ROLAND MÜHLBACH Mitglied des CGB und Betriebsratsmitglied hei den Olympia werken AG

Die Sehnsucht nach einem starken Führer ist ungebrochen, zudem schlägt das deutsche Herz rechts immerdar.

Osnabrück (Nieders.) HANS-JOACHIM SEIDEL

Herbert Wehner sollte nicht vergessen, daß Franz Josef Strauß die schädlichen Investitionslenkungsvorstellungen Herrn Minister Matthöfers dorthin verwiesen hat, wo sie hingehören -- auf den Scheiterhaufen unserer modernen Wirtschaftspolitik.

Frankfurt RÜDIGER MÖRSCH

Marketing-Berater

Herr Ralf R. Schwarz aus Mannheim fragt (Briefe 29/1979), wer wohl die Verantwortung übernehmen werde nach einer Kanzlerschaft von Strauß? Meine Meinung zum Inhalt dieses Briefes: »Geistiger Dünnschiß«.

Trégastel (Frankreich) JÜRGEN STRAUCH

In meinem Bekanntenkreis genießt dieser Mann hohes Ansehen. Meines Erachtens ist Dr. Strauß der beste Politiker und dazu noch ein vorbildlicher Familienvater.

Aachen ELISABETH FINCKE

Mit den Worten einer singenden Schönheit möchte man Strauß sagen: »Du?? -- nie!«

z. Zt. Setúbal (Portugal) MICHAEL DRENKHAN

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