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Briefe

Orgie mit Keulen
aus DER SPIEGEL 31/1994

Orgie mit Keulen

(Nr. 29/1994, Soziologie: SPIEGEL-Gespräch mit Nicolaus Sombart über Salons, Orgien und Emanzipation)

Nein, nein, nein, das war kein »Blick ins Paradies«, hier öffnete ein kalter Herrenmensch sein Innerstes und fühlt sich, mit wortreichen Euphemismen geschmückt, im 19. Jahrhundert pudelwohl. In einem »romantischen Volkstum« also, das uns später alle daraus entstandenen Schäden vor Augen führte. *UNTERSCHRIFT: Berlin EDITH WEISS-GERLACH

Oha, wie Milliarden Schicksalsgenossen kauere ich mit meiner Familie in einer dunklen, feuchten Höhle, kaue gesammelte Körner oder, wenn das Glück mit uns ist, nagen wir an dem rohen Fleisch toter Ratten. Wir verständigen uns mit Grunzlauten, haben darin eine bescheidene Perfektion entwickelt; in lichten Momenten hoffe ich darauf, vielleicht in zwei bis drei Millionen Jahren die erste Stufe der Zivilisation erreichen zu können, in die Nähe der gottähnlichen, in prächtigen Schlössern lebenden Sombartschen zu kommen, von deren Existenz wir heute freilich keinen blassen Schimmer haben. Vielleicht gelingt es dann meinen Ururur . . . enkeln, an einer dieser hochherrschaftlichen, durchgeistigten Orgien teilzuhaben: als barbarische Attraktion, keulenschwingend, in Biberfelle gehüllt. *UNTERSCHRIFT: Berlin MICHAEL NIESSEN

Der Soziologe Nicolaus Sombart sagt: »Sinn hat das Leben nur für den, der in den höheren Sphären der Gesellschaft residiert.« Hiergegen spricht ein Wort von Goethe: _____« Erlauchte Bettler hab' ich gekannt, Künstler und » _____« Philosophen genannt, doch wüßt' ich niemand ungeprahlt, » _____« der seine Zeche besser bezahlt. » *UNTERSCHRIFT: _____« Göttingen DR. GERHARD LÜPKES »

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