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Am Rande Oskar I.

aus DER SPIEGEL 47/1998

Nach einem Weissagungsbuch aus dem 16. Jahrhundert, dem sogenannten Pseudo-Malachias, ist der derzeitige Papst Johannes Paul II. das vorletzte der katholischen Kirchenoberhäupter. Mit seinem Nachfolger kommt der Weltuntergang. Schon deshalb sollten wir alle Johannes Paul Gesundheit wünschen und auf einen zählebigen Nachfolger hoffen.

Ein Kandidat hat sich jetzt ins Gespräch gebracht: Oskar Lafontaine riet den Journalisten vergangene Woche, mal zu melden, er interessiere sich für die Stelle des Papstes.

Eine gewisse Furcht beschleicht uns: Mit Oskar I. in den Weltuntergang? Will er Schröder die Wiederwahl vermasseln? Oder sucht er einen Grund, einfach und ohne Bedenken die Staatsfinanzen ruinieren zu können, weil er weiß, daß nach ihm eh die Sintflut kommt? Muß Christa Müller ins Kloster?

Nun, nichts ist unvorstellbar. Gerade die Geschichte der Päpste wimmelt von skurrilen Gestalten und Begebenheiten, die Lafontaine durchaus gefallen könnten. Da ist beispielsweise der »Index librorum prohibitorum«, die Liste der verbotenen Bücher, eingeführt auf dem Konzil von Trient 1563 - also eine Art frühes Pressegesetz, und zwar noch strenger als das, welches Lafontaine im Saarland eingeführt hat. Interessant könnte auch die Wiedereinführung der päpstlichen Provision sein, eine Gebühr für das Verleihen von Ämtern. Andererseits gibt es ein triftiges Argument, weshalb Lafontaine nicht nach Rom gehen wird: Auch als Papst hätte er ja noch einen über sich.

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