Zur Ausgabe
Artikel 95 / 98

Briefe

Palästinenser-Tribunal
aus DER SPIEGEL 42/1972

Palästinenser-Tribunal

(Nr. 40/1972, SPIEGEL-Gespräch mit Libanon-Premier Saib Salam)

Es ist doch sehr aufschlußreich und gibt uns einen kleinen Einblick in die arabische Mentalität, wenn man die Worte eines kompetenten arabischen Politikers zu den weltweiten Terrorakten liest. Mit solchen Leuten muß man doch ohne Zweifel anders verfahren als mit normal, rational denkenden Politikern. Wie kann denn ein Premierminister das von arabischen Guerillas begonnene Blutbad in München als »anfängliches Handgemenge« zu bagatellisieren versuchen, um seine These, »die Deutschen eröffneten die Schießerei«, zu untermauern?

Gräfelfing (Bayern) REINHARD GOLD

Der arabische Politiker möchte die Freundschaft zwischen der arabischen Welt und Deutschland wiederherstellen -- Sie gehen nicht auf seine Ausführungen ein, sondern wollen unbedingt ein Palästinenser-Tribunal inszenieren, dazu noch von einer Warte, die von Arroganz und Doppelmoral nur so strotzt. Noch erschreckender als diese Taktlosigkeit ist aber etwas anderes: Wieder einmal soll der normale Menschenverstand einem Prinzip geopfert werden. Hieß es vor einer Generation, »die Juden sind unsere Feinde«, und wurde diesem Prinzip zuliebe gegen jegliche Moral, selbst gegen deutsche Interessen gehandelt, so heißt es heute, »die Juden sind unsere Freunde«. Diesem Prinzip zuliebe, damit die Juden ein bißchen weniger deutschfeindlich werden, soll jetzt die Freundschaft zu hundert Millionen Arabern geopfert werden. Eine Dummheit sondergleichen!

Aachen U. TEUBNER

Meinen besten Dank für den Abdruck des SPIEGEL-Gesprächs mit dem libanesischen Ministerpräsidenten Saib Salam. Sie haben mit der Darlegung der Auffassungen dieses Politikers der Sache Israels einen großen Dienst erwiesen; er hat unsere Haltung besser gerechtfertigt, als wir es selbst tun könnten. Wenn dieser Ministerpräsident erklärt, sein Land könne die Grenzen nicht überwachen, und fragt, warum der Libanon »immer verantwortlich sein soll«, möchte ich darauf hinweisen, daß der Libanon sich im Waffenstillstandsabkommen von 1949 ausdrücklich verpflichtet hat, Überschreitungen der Linien zu verhindern. Auf dieses Abkommen beruft sich die Regierung von Beirut bei jeder Gelegenheit.

Tel Aviv (Israel) J. E. PALMON

Mehr lesen über

Zur Ausgabe
Artikel 95 / 98
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.