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Paris verschweigt Absturz eines Alpha Jets

aus DER SPIEGEL 36/1976

Trotz des Absturzes eines Prototyps des deutsch-französischen Erdkampfflugzeuges »Alpha Jet« sollen die Vorbereitungen für die Serienproduktion bei Dornier und Dassault-Breguet weitergehen. Das Unglück, bei dem zwei französische Offiziere ums Leben kamen, ereignete sich schon am 23. Juli, wurde aber vom Pariser Verteidigungsministerium verschwiegen.

Der Prototyp 04 (Erstflug am 11. Oktober 1974, rund 250 Flugstunden) sollte nach kurzem Aufsetzen auf der Landebahn des französischen Militärflughafens Mont-de-Marsan mit nur einem der zwei Larzac-04-Triebwerke erneut durchstarten (touch-and-go). Dabei gewann die Maschine nicht schnell genug an Höhe, geriet etwa vier Meter über dem Boden mit einem Fahrwerksbein in die Auffanganlage, kippte ab und zerschellte. Die beiden Piloten waren sofort tot.

Erste Untersuchungen sollen ergeben haben, daß die Absturzursache auf einen Flugfehler der Besatzung (pilots error) zurückzuführen ist, Die Erprobungen mit den übrigen drei Prototypen und die Serienvorbereitungen wurden daher nach kurzer Unterbrechung fortgesetzt.

Die deutsche Luftwaffe, die den Alpha Jet als Nachfolger für die veraltete Fiat G-91 verwenden will, hat bisher 175 Maschinen (Systempreis: rund 16,5 Millionen Mark) geordert. Die Maschinen sollen zwischen 1978 und 1982 der Truppe übergeben werden.

Frankreich will seine 200 Alpha Jets nur als Trainer verwenden und das Flugzeug im übrigen exportieren. Interesse haben bisher Ägypten, die Türkei und Finnland bekundet. Die Befürchtung, daß sich die Exportchancen bei Bekanntwerden des Absturzes verschlechtern könnten, ist vermutlich ein wichtiger Grund für die französische Geheimhaltung, die bisher nicht aufgehoben wurde.

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