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Zeitgeschichte Partner gesucht

aus DER SPIEGEL 32/1996

Die Führungsspitze des Ministeriums für Staatssicherheit wollte in den Wendetagen den eigenen Dienst ausgerechnet mit Hilfe der DDR-Bürgerrechtler vor der drohenden Auflösung retten. In den Tagebuchaufzeichnungen hoher Stasi-Offiziere, die von Mitarbeitern der Berliner Gauck-Behörde aufgefunden wurden, ist jetzt nachzulesen, wie sich die Stasi-Oberen Ende 1989 für die einst heftig bekämpften Dissidenten erwärmten.

So drängte Vizeminister Generaloberst Rudi Mittig seine Kollegen während einer Dienstbesprechung am 15. November, sich nach dem Versagen der SED rasch auf die Suche nach neuen Partnern zu begeben und dabei »nicht zimperlich« zu sein: »Der desolate Zustand im ZK läßt nicht erwarten«, so der General, daß sich die Einheitspartei künftig noch schützend vor das MfS stellen werde.

Vor allem die Vertreter des Neuen Forums, die entschieden für einen Fortbestand der DDR eintraten, schienen der Stasi-Generalität als Verbündete geeignet. Mittig: »Wer mit uns geht, ist unser Partner, wie lange, bleibt dahingestellt.«

Mit dem Argument, die Bürgerrechtler um Bärbel Bohley engagierten sich schließlich »ebenfalls für einen demokratischen Sozialismus«, war deshalb auch Mielke-Nachfolger Generalleutnant Wolfgang Schwanitz anläßlich seiner Amtseinführung am 21. November für die neue »Sicherheitspartnerschaft

mit Kräften im Neuen Forum«.

Wie wenig tragfähig die neue Wunsch-Partnerschaft allerdings in der Realität war, zeigte sich, als Regierungschef Hans Modrow auf Protest der Bürgerrechtler hin seinen Beschluß zur Bildung eines DDR-Verfassungsschutzes zurücknehmen mußte - für die MfS-Generäle eine herbe Enttäuschung. Schließlich hatten die sich von einer Übernahme in den neuen Dienst soziale Absicherung durch »beamtenrechtliche Regelungen« wie »in der BRD und anderen westlichen Ländern« versprochen.

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