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GUINEA Patt in Conakry

aus DER SPIEGEL 51/2009

Nach dem Anschlag auf Militärdiktator Moussa Dadis Camara hält der Machtkampf in Conakry an. Der Konflikt könnte sich zu einem Bürgerkrieg auswachsen und auf die Nachbarstaaten Liberia und Sierra Leone übergreifen. Seit vorvergangener Woche liegt Camara schwerverletzt in einem Krankenhaus im marokkanischen Rabat, er war beim Mordversuch angeschossen worden. Seine Parteigänger machen in den Straßen der Hauptstadt inzwischen Jagd auf all diejenigen, die sie für Putschisten halten. Vor einem Jahr hatte sich Camara nach dem Tod des Diktators Lansana Conté zum Herrscher aufgeschwungen, immerhin aber Wahlen angekündigt. Als Ende September Zehntausende in Conakry demonstrierten, um die Einlösung des Versprechens zu fordern, eröffneten Soldaten das Feuer; mindestens 157 Menschen wurden getötet. Internationale Vermittler schlugen vor, Camara solle eine Übergangsregierung mit der Opposition bilden. Die lehnte jedoch ab; ihr Misstrauen nach dem Massaker war zu groß. Dabei ist gar nicht klar, ob der Schießbefehl auf Camara zurückgeht. Im Militär gibt es schon seit längerem abtrünnige Fraktionen, die ihm die Macht in dem rohstoffreichen Land streitig machen und Wahlen verhindern wollen. Camara und seine Getreuen lassen seit Monaten in Forecariah, rund 70 Kilometer südöstlich der Hauptstadt, bis zu 4000 Milizionäre von israelischen und südafrikanischen Ausbildern trainieren, wohl um sich gegen Konkurrenten verteidigen zu können. Diese Truppe soll sich zum Teil aus ehemaligen Kämpfern aus Sierra Leone und Liberia rekrutieren, die noch immer Kontakte zu ihren Heimatländern unterhalten. »Alles, was in Guinea passiert, hat direkten Einfluss auf uns«, sagt Sierra Leones Präsident Ernest Bai Koroma: »Wir sind sehr, sehr besorgt.«

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