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PAUL LÜCKE

aus DER SPIEGEL 20/1966

PAUL LÜCKE

gilt als der Bundesminister mit dem größten Vertrauenskapital bei der SPD. Zudem wird ihm besonderes Geschick im Umgang mit dem Parlament nachgesagt. Vor allem diese beiden Vorzüge trugen dem Duzfreund Heinrich Lübkes nach den letzten Bundestagswahlen die Berufung zum Innenminister und damit zum »Prokuristen« der Notstandsgesetzgebung ein.

Über das dornige Thema Notstand begann Lücke, 51, Sohn eines Steinbruchmeisters aus Schönborn im Oberbergischen Land, gleich nach seinem Antritt im Innenressort intensive Gespräche mit den Sozialdemokraten und den Gewerkschaften. Vor allem der SPD-Vize Herbert Wehner kann Lücke gut leiden. Ende 1962 verhandelte Lücke, damals noch Wohnungsbauminister, im Auftrag Adenauers mit Wehner über den Eintritt der Sozialdemokraten in die Bundesregierung.

Lücke hat es schwer gehabt auf dem Weg zu den Schalthebeln der Bonner Staatsmacht. Mit 13 Geschwistern aufgewachsen, war er froh, während der großen Arbeitslosigkeit 1928 eine Lehrstelle in einer Schlosserei zu finden. Nach vier Jahren Arbeit als Grobschmied besuchte er eine Technische Lehranstalt in Berlin, dann die Heeres-Ingenieurschule. Als Feuerwerker und Waffenoffizier nahm Lücke am Zweiten Weltkrieg teil. 1944 verlor er bei einem Sabotage-Akt der Résistance in Südfrankreich ein Bein.

Im dritten Kabinett Adenauer Obernahm Lücke 1957 das Wohnungsbau-Ministerium. Am 1. Juli 1960 trat der nach ihm benannte umstrittene Plan zum Abbau der Wohnungszwangswirtschaft in Kraft. In seiner Partei, der CDU, hat der als harter Arbeiter geschätzte Katholik neben Katholik Rainer Barzel und Protestant Kai -Uwe von Hassel eine Schlüsselstellung: Im März 1966 wählte der Parteitag ihn zu einem der drei Stellvertreter des neuen protestantischen Parteichefs Ludwig Erhard. Der Vater von sechs Kindern gehört dem Präsidium des Familienbundes der Deutschen Katholiken an. 1962 präsidierte er dem Katholikentag in Hannover.

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