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Briefe

Pause für die Idee
aus DER SPIEGEL 33/1984

Pause für die Idee

(Nr. 30/1984, Titel: Die Computerathleten - Riesen, Zwerge, Monster) *

Eine Darstellung, die ins Schwarze trifft. Eindrucksvoll schildern Sie den psychophysischen und sozialen Verfall von Sportlern zu muskulösen Hochleistungs-Zombies. Besonders erschreckend ist unter ethischen Gesichtspunkten die Herabwürdigung des menschlichen Körpers zur bloßen Maschine, die von computergesteuerten Schreibtischtrainern auf beliebige Art getunt und verformt werden kann. Diese berechtigte Kritik sollte jedoch nicht zu dem voreiligen Schluß verleiten, Sport an sich sei gesundheitsschädlich.

Hamburg DR. PHIL. JAN SCHUMANN

Der olympische Geist siecht dahin, erdrückt vom kommerzbeladenen Pomp dieses Kulturspektakels Olympia. Los Angeles hat die Spiele der Nationen der Welt zum Beiwerk von Werbung und hochgezüchteten Computerathleten der Industriestaaten degradiert. Politik und Geld haben den Sport nun endgültig im Griff.

Frankfurt FRIEDHELM WACHS Im Vorstand der Deutschen Sportjugend

Wenn nicht beabsichtigt war, den Leistungssport insgesamt zu verurteilen, dürfte es nicht genügen, einmal mehr Auswüchse anzuprangern, sondern es wären Möglichkeiten und Notwendigkeiten einer systematischen Verbesserung körperlicher und psychischer Leistungsvoraussetzungen im Sport differenziert zu betrachten gewesen. Im Bereich psychologischer Maßnahmen bedeuten Etikettierungen wie »Psychotrick«, »eher harmlose Einrede ... bis Biofeedback« sowie der implizite Okkultismus-Vorwurf bestenfalls eine Irreführung des interessierten Lesers.

Köln DR. INGE SONNENSCHEIN DR. JÜRGEN CHRISTEN HEINZ KRAFCZYK Psychologisches Institut Deutsche Sporthochschule

Für, soweit mir bekannt ist, 1503 Jahre waren die »Olympischen Spiele« unterbrochen. Es gab sie einfach nicht. Eine weitere Pause, mindestens ebenso lange, würde der Idee und dem Sport weiterhelfen.

Wiesbaden PAUL OBERESSL

Das Vorgehen und die Bedeutung der Muskelgewebsentnahme wird weitgehend falsch dargestellt. Dieses Verfahren gilt zudem keineswegs als »unethisch«. Die Bedeutung und Konsequenzen des Sportherzens werden entgegen seit Jahrzehnten bekannten Ergebnissen nicht korrekt dargestellt. Das geschilderte, angebliche Verhalten der Sportärzte entspricht nicht den Tatsachen. Gerade der Deutsche Sportärztebund hat klare und eindeutige Empfehlungen gegen das Doping herausgegeben. Seriöse Sportärzte halten sich an diese Empfehlungen. Zugegeben, auch unter sportärztlich tätigen Ärzten gibt es Unverbesserliche, die glauben, mit Medikamenten die Leistung steigern zu können. Dies muß unterbunden werden, der Deutsche Sportärztebund bemüht sich darum. Die deutschen Sportärzte

haben sich weiterhin klar gegen die übertriebenen Formen des Leistungssports im Kindesalter ausgesprochen.

Limburg PROF. DR. H. LÖLLGEN

So dankenswert Ihr Artikel als Aufklärung sein mag, hat er doch den Mangel, daß er an keiner Stelle den Hinweis darauf enthält, daß es »sich um einen ganz kleinen Prozentsatz von Sportlern« handelt, die zahlenmäßig gegenüber »normalen« Sporttreibenden überhaupt nicht ins Gewicht fallen. Abhilfe, die sicherlich jeder wirkliche Sportler möchte, könnte eigentlich durch zwei Maßnahmen erreicht werden:

Erstens: abkoppeln vom internationalen Prestige-Wettlauf im Sport.

Zweitens: Zuweisung aller »sogenannten Sportarten«, die überwiegend finanziellen Hintergrund haben, in den Kreis der »Vergnügungsindustrie« als da zum Beispiel wären Fußball, Eishockey, Tennis, Boxen.

Solingen HOLGER HÖHMANN Fachwart Breitensport im Westdeutschen Schwimm-Verband

Ich finde, man sollte das panische Getue und die Unmenschlichkeit des Hochleistungssports nicht überbewerten. Freilich gibt's immer wieder bedauerliche Unfälle (Vergleich Deckarm), die nicht vorhersehbar waren. Doch meine ich, daß es die schon immer gab, selbst in der Antike, als sieglose Olympia-Athleten mit allseitiger Schmach bedacht wurden. Kann man dem Sportler nicht einfach selbst überlassen, die Entscheidung über seine Aktivitäten zu fällen? Laßt sie hüpfen und schmeißen, so hoch und so weit sie wollen. Solang's Spaß macht, ist es doch okay, oder?

München REINHARDT EHRET

Sagen Sie doch so was nicht! Sportinvalide? Das hat die ärztliche Haftpflichtversicherung auch behauptet, um nicht »leisten« zu müssen. Sie steht nämlich nur für Kunstfehler ihrer Beitragszahler ein. Was mich betrifft, bin ich also ein Kunstfehler-Invalide, ganz unheroisch, aber gerichtsmäßig. Wenn ich jetzt die paar Mark Schadenersatz zurückzahlen muß, komme ich in Ihre Redaktion und gehe mit dem Hut rum.

Lauf (Bayern) MARTIN LAUER Ex-Weltrekordler über 110 Meter Hürden

BRIEFE

Erklärte Absicht

(Nr. 30/1984, Kirchen: Protestanten) *

Der SPIEGEL behauptet kämpferische Frontstellungen, wo es lediglich nuancierende Unterschiede in der Bewertung des Menschenbildes und der Schöpfungsordnung zwischen der evangelischen und der katholischen Kirche gibt. Die EKD-Studie zum Wachstum der Weltbevölkerung ist ihm Anlaß, darin eine Abkanzelung »der katholischen Konkurrenten« durch die Protestanten zu unterstellen, »scharf, wie seit einem Jahrzehnt nicht mehr«. Wer »Pille« und »Pessar« undifferenziert in einem Atemzug nennt, von

dem kann man natürlich nichts anderes als ein Konglomerat an Unterstellungen, Halbwahrheiten und Ideologien erwarten. Jedenfalls wäre das ernste Problem des Wachstums der Weltbevölkerung es wert, umfassend dargestellt statt konfessionell gegeneinander ausgespielt zu werden.

Bonn BERND MARZ Pressestelle der Deutschen Bischofskonferenz

Den Versuch des SPIEGEL, die EKD-Studie zum Weltbevölkerungswachstum zu einer antikatholischen Kampfschrift hochzustilisieren, kann ich nur mit Kopfschütteln zur Kenntnis nehmen. Hier wird unterstellt und in den Text hineingelesen, woran der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und ihrer Kammer für Kirchlichen Entwicklungsdienst nicht liegen kann. Oberkirchenrat Koppe hatte erklärt, die EKD »erhoffe sich von dieser Studie, daß andere Kirchen - zum Beispiel die Katholische Kirche im eigenen Land wie auch Partnerkirchen in Übersee - dadurch angeregt werden, über die in der Studie angesprochenen Sachfragen mit der EKD und ihren entwicklungsbezogenen Einrichtungen ins Gespräch zu kommen«. Genau dies ist die erklärte Absicht der Studie.

Hannover KLAUS WILKENS Oberkirchenrat Geschäftsführer der Kammer der EKD für Kirchlichen Entwicklungsdienst

BRIEFE

Stimme aus dem Off

(Nr. 22/1984, Szene) *

In der Meldung »Trickfilm für rechten Frieden« berichten Sie über einen Kurzfilm des Bonner Friedensforums e. V., in dem ein unbewaffneter Sheriff von einer balsamischen Stimme mit den Worten »Ohne Waffen geht es nicht« verhöhnt werde. Der Sheriff, der einen schießwütigen Banditen mit den Worten »Frieden schaffen ohne Waffen!« besänftigen will, wird jedoch nach mißglückter Besänftigung von einer Stimme aus dem »Off« ermahnt: »Tja Sheriff, mit flotten Sprüchen schafft man keinen Frieden.«

Bonn Für das Bonner Friedensforum e. V. WOLFGANG WACKERS Rechtsanwalt

BRIEFE

Berlina Orijinale

(Nr. 31/1984, SPIEGEL-Reporter Hans Halter über Bubi Scholz) *

Wo will Hans Halter eigentlich herausgefunden haben, daß der »echte Berliner« (was ist das eigentlich?) außer an seinem Hund nur am früheren Regierenden Bürgermeister Ernst Reuter, an Hildegard Knef und am Boxidol Bubi Scholz hängen würde? Und welche Erkenntnisse legitimieren Halter zu behaupten, daß die Zuversicht, daß ein Berliner auch in schweren Zeiten seine Selbstachtung behalten würde, inzwischen begraben sei? Und schließlich bleibt es unerfindlich, wo dieser Berlin-»Kenner« den »Glauben an Hildegard Knef« geortet haben

will. Daß sich diese Republik mehr und mehr unfähig zeigt, wirtschaftliche Mechanismen zu entwickeln, die der geographisch und politisch besonderen Situation dieser Stadt Rechnung tragen, ist nicht den Berlinern anzulasten, sondern einzig und allein der Phantasielosigkeit westdeutscher Politik, unter der die Berliner zu leiden haben.

Heusenstamm (Hessen) WALDEMAR W. HIRSCH

Ick muß mein'm Unmut de Luft ablassen, ehrlich. Sie zitieren den »echten« Berliner, der mit'm Herzn an sein'm Hund und an »drei« Menschen hängt. Also, ick weeß nich, lieba Hans Halter, der waschechte Berlina - in mein'm Fall mit'm »in« am Hintern - hängt und denkt mit Sicherheit nicht an den beiden letztjenannten Typen, weeß Jott nich! Und det Se det typische berlinischte Herz nach Prenzlauer Berg verlegen, wurmt ma unjeheualich. Jeda weeß, det die »Orijinale« nur vom Wedding komm, wa! Och komm ick nich darüba wech, det Se sich so an det Wort »Berlin's Idol« festeklammern. Det kann nich wahr sein, unsa typisches Berlin hat nur een Idol - der is leida och schon tot, aba mitten drinne wo det Herze bummat, lebta weita. Wissen Se wer, na? Richtich, unsa Vata Zille.

Bonn INKA FUHRMANN

In dem Artikel über den Tatverdächtigen Bubi Scholz hat eine ganze Stadt nach Ansicht von Herrn Halter in Mitschuld zu büßen. Alles sei schlimm geworden in dieser Stadt, denn »der Adel hat die Stadt längst verlassen«. Ich bin einer von denen, die, da nicht blaublütig und auch nicht von Stand, zum Verfall dieser Stadt durch meine Anwesenheit beitragen. Obwohl im Norddeutschen geboren und aufgewachsen, habe ich doch längere Zeit gebraucht - bin wahrscheinlich schon zu lange in diesem Berlin -, um die Botschaft des Artikels zu verstehen, nämlich, daß dieser Tod einer Ehefrau nur hier und nicht dort hätte vorkommen können.

Berlin PROF. DR.-ING. HERMANN APPEL Technische Universität Berlin

War das wohl der richtige Anlaß, wieder mal Ihr Lieblingsthema von der maroden Stadt Berlin aufzutischen? Übrigens: Familie Scholz war nicht am Abend vor dem Unglück bei mir zu Gast (wie auch in anderen Zeitungen zu lesen war), sondern acht Tage vorher.

Berlin HARALD JUHNKE

Hier wäre eine journalistische Goldmedaille fällig! Herzlichen Glückwunsch für diese, außerordentlich gelungene Darstellung. Neben der korrekten und sauberen Recherche berührt mich, daß stets Zusammenhänge und Hintergründe aufgezeigt werden und daß bei diesem Stoff der Versuchung widerstanden wurde, eine Show-Story zu schreiben - im Gegenteil: Ich habe selten eine so dramatische und entsetzliche Geschichte gelesen wie diese.

Köln DR. PHIL. WOLFRAM KOWALEWSKY

BRIEFE

Es bewegt sich doch

(Nr. 28/1984, Architektur: Karl-Heinz Krüger über das »Neue Frankfurt") *

Einfühlsam und kritisch ist Karl-Heinz Krüger den Frankfurter Wandlungen nachgegangen. Der Autor irrt aber, wenn er zum Schluß des flotten Features schreibt: »Aber vom sozialen Wohnungsbau ist in Frankfurt Fehlanzeige zu melden. Da bewegt sich nichts.« Es bewegt sich aber doch einiges. Trotz des Baus von neuen Museen am Frankfurter Museumsufer und des großen Kongreß- und Konzerthauses Alte Oper hat die Stadt Jahr für Jahr mehr Sozialwohnungen

gefördert. Von 1979 sind die städischen Mittel dafür kontinuierlich von 35 Millionen Mark auf im letzten Jahr 97,4 Millionen Mark gestiegen. Wurden damit, verstärkt durch entsprechende Mittel des Landes Hessen in Frankfurt am Main vor fünf Jahren nur 522 Sozialwohnungen gebaut, so waren es 1983 dreimal soviel, nämlich 1468 Wohnungen.

Frankfurt JOACHIM PETER Leiter des Presse- und Informationsamtes der Stadt Frankfurt am Main

BRIEFE

Deutsches Dilemma

(Nr. 28-30/1984, SPIEGEL-Redakteur Wolfgang Malanowski über den 20. Juli 1944) *

Adolf Hitler - genannt der Führer - würde mit Triumph diese geistige Hinrichtung seiner Widersacher zur Kenntnis nehmen. In persönlich ungefährdeter Lage die politischen Pläne der Widerstandskämpfer mit jetzigen Maßstäben, die ja auch kritikwürdig sind, zu zerpflücken, ist eine billige Methode und vernebelt den Kern des Widerstandes. Der Sturz Hitlers wurde geplant wegen des menschenverachtenden Regimes, der Ausbeutung und Beseitigung von Menschengruppen und Andersdenkenden, der Gesetzlosigkeit und Willkür. Die perfide Bildzusammenstellung in der Artikelserie verfälscht das Leben der einzelnen Persönlichkeiten, die zum Teil schon Mitte der dreißiger Jahre auf ein berufliches Weiterkommen verzichteten. Die Treffen der einzelnen Widerstandsgruppen konnten wegen der hohen Observierungsgefahr nur für Umsturzpläne genutzt werden und ließen keine Zeit für längere Diskussionen über Regierungspläne zu. Die politischen Programme wurden als Entwürfe für eine Übergangszeit angesehen, die selbstverständlich situationsgerechte Korrekturen vorsahen. Die Widerstandskämpfer waren flexibler und toleranter als die Kritiker im Jahre 1984.

Möckmühl(Bad.-Württ.) LORE GOERDELER

Wer die Artikelserie von Wolfgang Malanowski über den 20. Juli 1944 aufmerksam gelesen hat, begreift, daß es in Deutschland nie einen Robespierre, einen Saint-Juste oder einen Danton geben konnte und wohl auch nie geben wird. Wir Deutsche sind stolz auf falsche Philosophen, die gleichermaßen Treue und Gewalt, Vernunft und Anpassung, Melancholie und Moral verkörpern, ein Nietzsche, ein Kant und ein Schopenhauer haben praktisch keinen Widerstand gegen ein Unrechtsregime propagiert, sondern steten, blinden Gehorsam. Deutsches Obrigkeitsdenken würde von einem Descartes, einem Montesquieu und einem Sartre ad absurdum geführt werden, den Weg eines ständigen Widerstehens zu beschreiten sind wir Deutsche kaum bereit.

Siegen HANS BASEKOW

In seiner Darstellung von Ideen, Beweggründen und Relevanz des deutschen

Widerstands kommt W. Malanowski im Vergleich zu früheren Analysen zu einer ziemlich vernichtenden Beurteilung. Wichtiges, für eine Bewertung des Widerstands Entscheidendes fehlt allerdings. Seine erste These: Die Grundideen des Widerstands waren denen des Nationalsozialismus ähnlich. Es gab jedoch Unterschiede, die der Autor geflissentlich übersieht, wie Rechtsbeugung, Judenausrottung und Krieg. Kleinigkeiten? Seine zweite These: Das Attentat vom 20. Juli 1944, wäre es erfolgreich gewesen, hätte keinen nennenswerten Einfluß auf den Kriegsausgang gehabt, da die Alliierten wenig Bereitschaft eines Entgegenkommens zeigten. Richtig ist Letzteres, aber es fällt unter den Tisch, daß im letzten Kriegsjahr genauso viele Menschen umgekommen sind wie in den Jahren zuvor. Eine Kleinigkeit? Hier zeigt sich wieder ein deutsches Dilemma: So wie wir bis heute nicht die nationalsozialistische Vergangenheit bewältigt haben, so scheinen wir unfähig zu sein, uns mit dem Widerstand auseinandersetzen zu können. Entweder kritiklose Verehrung oder Leichenfledderei - ist mehr nicht möglich?

Karlsruhe FRIEDER MEYER-KRAHMER

BRIEFE

Wunder Punkt

(Nr. 30/1984, Bundesbahn: Tote durch ungesicherte Türen) *

Ich begleite als Zugbegleiter seit 15 Jahren IC-Züge, D-Züge, Eilzüge, Nahverkehrszüge, ja sogar S-Bahnen. Dabei stelle nicht nur ich, sondern auch viele meiner Kollegen fest, wie unvernünftig sich viele Fahrgäste am und im Zug verhalten. Da wird an den Türen gerissen, lange vor dem Zughalt versucht, sie zu öffnen, sorglos und gleichgültig gegenüber eventuellen Gefahren. Bei einem Auto würde es keinem einfallen, die Beifahrertür 50 Meter vor dem Ziel aufzureißen. Über die Tatsache, daß bei Türen älterer Bauart eine doppelte Sicherung vorhanden ist, verliert der Bericht kein Wort. Aufgebauschte Berichte über Unglücksfälle ändern nichts an der Tatsache, daß die Zugbegleiter sorgfältig ihrer Arbeit nachgehen und auch Verspätungen in Kauf nehmen, wenn es um die Sicherheit geht.

Wettenberg (Hessen) JOHANN GOTTFRIED HECKER Zugführer beim Bahnhof Gießen

Wieder einmal soll die Deutsche Bundesbahn für eine hundertprozentige Sicherheit bürgen, die es nie geben wird. Mal sind es die Schrankenwärter, die vergessen haben, die Schranken zu schließen, ein anderes Mal sind es die Waggontüren. Dabei hat die Bahn einen Sicherheitsstandard, um den sie manch anderer Verkehrsträger beneiden würde. Niemand wagt auch nur zu fordern, etwa Fußgängerampeln mit Halbschranken zu sichern, nur weil einige Leute vergessen, auf das Rotlicht zu achten.

Rheine (Nrdrh.-Westf.) DAMPFLOK-UND EISENBAHNFREUNDE RHEINE e. V.

Ihr Report über gelegentliche Gefahrenmomente an Waggontüren berührt zweifelsohne einen wunden Punkt. Es besteht gar kein Zweifel: Durch verstärkte Investitionen könnten diese Gefahrenquellen in optimaler Weise ausgeschaltet werden. Dazu bedarf es allerdings vermehrter Investitionen. Doch dafür benötigt die Bahn auch zusätzliches Geld. Dazu ist der Eigentümer Bund aber nicht bereit. Vielmehr hat er seine Zuwendungen an die Bahn eingefroren. Im Klartext heißt das: Bei steigenden Preisen stehen der Bahn Jahr für Jahr weniger Mittel zur Verfügung. Die von Ihnen aufgezeigte Gefahrensituation ist auch Ausdruck einer völlig falschen und kurzsichtigen Personalpolitik des Bahnvorstandes. Konkret: In den letzten 25 Jahren wurden durch überzogene Personalreduzierungen nahezu 60 Prozent der Zugbegleiter eingespart.

Frankfurt ARMIN MANDERLA Pressestelle des Hauptvorstandes der Gewerkschaft der Eisenbahner Deutschlands

Ich war vor 18 Jahren Leiter einer Kriminalpolizeidienststelle, in deren Dienstbereich ein großer Bahnknotenpunkt mit stark frequentiertem D-Zugverkehr lag. Mir fiel bald auf, daß in diesem Dienstbereich ungewöhnlich viele tödliche Unfälle durch Sturz aus dem fahrenden Zug bearbeitet werden mußten. Ich habe selbst Untersuchungen angestellt und kam zu der Überzeugung, daß ungenügende Verschlußmöglichkeiten der Türen vorwiegend Anlaß dieser Stürze waren.

Waldshut (Bad.-Württ.) GERHARD MARSCH Erster Kriminalhauptkommissar a. D.

Ich kann die von Ihnen geschilderten Tatsachen aufspringender Türen an Bundesbahnzügen aufgrund eigener Erfahrungen voll bestätigen. Mich entsetzt vor allem, daß die Bundesbahn dieses Problem, das ja schon seit Jahren bekannt ist, mit einer solchen unglaublichen Leichtfertigkeit abtut. Nur einem Magazin von der Größe und Qualität des SPIEGEL kann es gelingen, solche Mißstände schnellstens zu beheben. Es ist ja zu Genüge bekannt, mit welcher Arroganz Behörden die Anliegen der Bürger abschmettern.

Leonberg (Bad.-Württ.) BERND WIEDENSOHLER

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