Zur Ausgabe
Artikel 10 / 165
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Kommunikation PAYBOX - Bei Anruf Geld

aus DER SPIEGEL 12/2001

Seit rund einem Jahr bietet die Firma paybox.net AG, an der die Deutsche Bank beteiligt ist, das Bezahlen per Mobiltelefon an. Und das geht so: der Taxifahrer, Pizzalieferant oder Hotelmitarbeiter ruft in der Paybox-Zentrale an und gibt die Telefonnummer seines Kunden durch sowie den zu zahlenden Betrag. Ein paar Sekunden später klingelt das Handy des Kunden. »Hier ist die Paybox«, meldet sich eine weibliche Computerstimme und liest tonlos die Rechnung vor. Daraufhin gibt der Kunde seine Geheimnummer ein - das Geld wird damit auf das Konto seines Gegenübers überwiesen. Voraussetzung ist allerdings, dass beide Geschäftspartner sich zuvor beim neuen Bankdienst angemeldet und handschriftlich eine Einzugsermächtigung ausgestellt haben (www.paybox.de).

Neben der Jahresgebühr von fünf Euro kassiert Paybox vom Auftraggeber jedes Mal rund 50 Pfennig pro 50 Mark Überweisungssumme. Bislang blieb das Interesse am Bezahlen per Handy in Deutschland eher mäßig. Kritiker frotzeln gern, M-Commerce sei wie Sex in der Pubertät: Jeder redet davon, niemand tut es. Nach Jahren des Zögerns kommt jetzt Bewegung in den Markt: Systeme wie »Anny Way«, »Payitmobile« und »Street Cash« sollen dem Vorreiter Paybox Konkurrenz machen. Das Bezahlen per Mobiltelefon ist sicherer als per EC- oder Kreditkarte: Jedes Handy hat eine registrierte Sim-Karte und ist zusätzlich durch eine vierstellige Pin-Nummer und eine Paybox-Geheimnummer geschützt.

Dennoch deutet sich jetzt schon an, dass die Handy-Zahlung für unterwegs zu langsam und aufwendig ist: Bargeld bleibt unschlagbar schnell und billig und ist obendrein anonym. Im Internet dagegen könnte das Mobilbezahlen ein paar Nischen besetzen: Vor allem auf Online-Flohmärkten wie www.ebay.de ließen sich damit die Geschäfte zwischen zwei Privatleuten beschleunigen. Der Mobilcommerce, so scheint es, ist trotz seines flotten Namens weniger für reisende Manager gemacht als vielmehr für stubenhockende Maus-Potatoes.

Zur Ausgabe
Artikel 10 / 165
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel