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Peter Homann

aus DER SPIEGEL 48/1971

wurde 18 Monate lang im In- und Ausland von der Polizei gesucht -- als Mitglied der Baader-Meinhof-Gruppe. Kriminalblätter und Zeitungen verfolgten ihn mit Fahndungsphotos, doch sein Unterschlupf -- zuletzt in Hamburg -- wurde nicht bekannt. Am Bußtag, nachmittags um 16.30 Uhr, stellte sich Homann, 35, in Hannover den Ermittlungsbehörden. Kurz zuvor gab er in diesem SPIEGEL-Gespräch Einzelheiten über Entstehung, innere Verfassung und politische Vorstellungen einer Gruppe preis, die seit anderthalb Jahren mit dem größten Fahndungsaufwand der Nachkriegszeit überall in der Bundesrepublik gejagt wird.

Der Arztsohn und Autodidakt war Anfang der sechziger Jahre Pflastermaler in Berlin. schrieb dann für linke Blätter und wurde Autor der Zeitschrift »Konkret«, mit deren Kolumnistin Ulrike Meinhof er zeitweilig zusammen lebte. Homann schloß sich radikalen Zirkeln der Berliner Studentenbewegung an, die allmählich auseinanderfiel. Einzelne Gruppierungen nahmen Zuflucht zu blindem Aktionismus, zu Anschlägen und Brandstiftung.

So brach im April 1968 in einem Frankfurter Kaufhaus Feuer aus -- eine Tat, die von ihren Urhebern politisch motiviert wurde. Im Herbst 1968 erhielten die Brandstifter drei Jahre Zuchthaus -- unter ihnen Andreas Baader und die Pfarrerstochter Gudrun Ensslin. Beide entzogen sich dem Strafantritt. Baader geriet mit einem Auto im April 1970 in Berlin in eine Kontrolle und kam in Haft. Mitfahrer: Peter Homann.

Sechs Wochen später, am 14. Mai 1970. wurde Andreas Baader von seinen Freunden -- unter ihnen Ulrike Meinhof, Irene Goergens und Ingrid Schubert -- gewaltsam befreit, als er in den Lesesaal eines Sozialinstituts ausgeführt wurde. Die Befreier schossen und verletzten dabei den Institutsangestellten Georg Linke lebensgefährlich. Dieses Unternehmen trieb die Gruppe in den Untergrund.

Nach einem Intermezzo im Nahen Osten tauchten die Verfolgten wieder in Deutschland auf, propagierten in Flugschriften revolutionäre Gewalt zum Umsturz der politischen Verhältnisse -- und gerieten von einer kriminellen Aktion in die andere.

Gestohlene Autos. gefälschte Pässe und ausgeraubte Banken zählen ebenso »zum Resultat politischer Selbstverführung wie zwei Tote: Petra Schelm, ein Gruppen-Mitglied, und Norbert Schmid, ein Hamburger Polizist. Ohne realisierbares Ziel und ohne Zukunft treibt die Baader-Meinhof-Gruppe -- vielleicht ein halbes Dutzend schwerbewaffneter Tagträumer -- mit ständig wechselndem Quartier auf der Flucht vor Verfolgern und Selbsterkenntnis. Renate Riemeck, Professorin und einstige Meinhof-Pflegemutter, letzte Woche in einem offenen Brief: »Gib auf, Ulrike!«

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