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Peter R. de Vries, 64

aus DER SPIEGEL 29/2021
Foto:

Mischa Schoemaker / action press

Seine Karriere begann der niederländische Journalist in der Redaktion der Boulevardzeitung »De Telegraaf«. Schon bald berichtete er über die größten Kriminalfälle des Landes, so etwa über die Entführung des Bierkönigs Alfred »Freddy« Heineken oder über den Mordfall der 18 Jahre alten Natalee Holloway auf der Karibikinsel Aruba. Durch seine eigene Kriminalsendung, eine Art »Aktenzeichen XY ... ungelöst«, die 17 Jahre lang auf dem Privatsender SBS 6 lief, kannte ihn ein ganzes Land. Er wurde als »Pitbull« oder »Bluthund« bezeichnet, weil er nicht lockerließ, wenn er recherchierte. In seiner Jugend rebellierte er gegen seine Eltern, die Schule und die Kirche, er geriet in Schlägereien und klaute in Geschäften. Später engagierte sich de Vries politisch und gründete seine eigene Partei: die PRDV, die Partij voor Rechtvaardigheid, Daadkracht en Vooruitgang, Partei für Gerechtigkeit, Entschlossenheit und Fortschritt. Der Journalist verließ immer mehr seine Rolle als Berichterstatter und baute enge Beziehungen zu den Angehörigen der Mordopfer auf, über die er schrieb. Er schickte ihnen Mails, begleitete sie zu Gerichtsprozessen und sandte Blumen zu den Todestagen ihrer Kinder. Zuletzt unterstützte de Vries Nabil B., einen ehemaligen Komplizen eines Drogenbosses. B.s Bruder und Anwalt waren erschossen worden. Vielleicht um den Kronzeugen einzuschüchtern. Am 6. Juli wurde de Vries selbst Opfer eines Anschlags. Er starb am 15. Juli in Amsterdam.

kha
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