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Peter Schiwy

aus DER SPIEGEL 40/1988

Peter Schiwy, 52 (Photo l.), Intendant des Norddeutschen Rundfunks, ist für höchste Ämter gut. Als einziger von vier Kandidaten für den Job des »neuen« Bonner Regierungssprechers erhielt der CDU-Mann das Prädikat »sehr gut« - nicht von Bundeskanzler Helmut Kohl, sondern vom Zeitgeist-Magazin »Wiener«, das seinen Autor Michael Kneissler drei Star-Journalisten und einen »studierten Philosophen« testen ließ. Gesucht wurde von »Headhunter« Kneissler im Auftrag einer »einflußreichen Fraktion innerhalb der CDU« ein Nachfolger für den »glücklosen« Kohl-Sprecher Friedhelm Ost. Während sich Springer-Mann Claus Jacobi (2. v. l.) - Originalton: »Ich sehe den Ernst der Lage« - trotz finanzieller Einbußen aus tiefer »Verantwortung« ("Wenn bei der nächsten Wahl die SPD an die Macht kommt, geht das nicht so glimpflich ab wie bei Brandt") vom derzeitigen Job als »Bild«-Redaktionsdirektor trennen wollte, der Leiter der Henri-Nannen-Schule und »Stern«-Publizist Wolf Schneider (3. v. l.) für Kneissler sogar eine Klarsichtmappe mit Lebenslauf bereithielt ("Das ist eine Herausforderung, eine Chance, der ich mich gewachsen fühle"), hatte nur »Wiener«-Favorit Schiwy den »Headhunter« enttarnt und sich dadurch dem Blatt als »vorsichtig, fix, witzig - als Sieger« empfohlen. Christoph Böhr (r.), Bundesvorsitzender der Jungen Union, wegen seines »Verlegenheitskandidaten«-Image ohnehin nicht in der engeren Wahl des Magazins, hatte zwar im Test-Gespräch die größte Selbstkritik gezeigt ("Ich bin aber nicht sehr charismatisch und gebrauche zu häufig Fremdworte"), jedoch in der Einschätzung der Lage den größten Durchblick bewiesen: »Das Bundespresseamt des Herrn Ost ist ein Saustall.«

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