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Philippe Seguin

aus DER SPIEGEL 8/1994

war Wortführer der französischen Gegner des Maastricht-Vertrags, die beim Europa-Referendum am 20. September 1992 knapp mit 48,95 Prozent verloren. Die Kampagne, die in einer TV-Debatte mit Staatspräsident Francois Mitterrand gipfelte, machte den früheren Sozialminister zu einer nationalen Figur. Ein Jahr nach der Volksabstimmung bekannten sich in Umfragen 54 Prozent der Franzosen auf der Seguin-Linie gegen Maastricht. Der in Tunis geborene Seguin, dessen Vater 1944 als Freiwilliger in de Gaulles Armee fiel, vertritt einen nach links offenen Gaullismus. Seine protektionistischen Tendenzen haben dem von Le Monde als »le colosse« charakterisierten Bürgermeister von Epinal den Vorwurf des Nationalismus und Populismus eingetragen. Nach dem Wahlsieg der Rechten im März 1993 ließ sich der populäre, selbstbewußte Nonkonformist statt eines Ministeriums das Amt des Parlamentspräsidenten geben. Von diesem parteipolitisch neutralen Sockel aus könnte Seguin, 50, Kompromißkandidat der Rechten für die Präsidentschaftswahlen 1995 werden - falls die Top-Anwärter Jacques Chirac und Edouard Balladur einander blockieren.

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