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PERSONALIEN Pierre Aubert, Liv Ullmann, Hans Arnold, Reinhard Roericht, Otto von Habsburg

aus DER SPIEGEL 5/1979

Pierre Aubert, 51, Schweizer Außenminister, erlebte auf seiner Goodwill-Expedition durch fünf westafrikanisehe Staaten mehrmals peinliche Pannen: In Lagos (Nigeria) mußten die Gastgeber das Benzin für seinen Wagen auf dem Schwarzmarkt besorgen, und bei der Unterzeichnung des Schlußkommuniqués ging plötzlich das Licht aus. Wenige Tage später, in Wagadugu (Obervolta) suchte der Eidgenosse beim Signieren eines Entwicklungshilfe-Abkommens vergebens nach dem Amts-Stempel. Das Bürokraten-Werkzeug, so stellte sich nach aufgeregter Suche heraus, steckte in einem von drei Koffern, die auf der Reise abhanden gekommen waren. Die Besitzer des Gepäcks, drei hohe Beamte aus Auberts Stab, waren deshalb ausgerechnet in der staubigen Hitze Obervoltas plötzlich ohne Kleider und Wäsche zum Wechseln. Dankbar nahmen die Diplomaten das Angebot eines mitreisenden Kollegen aus dem Wirtschaftsministerium an, seinen Vorrat an Ober- und Unterwäsche mit ihnen zu teilen. Die Koffer, samt Amts-Stempel, sind inzwischen wieder aufgetaucht -- in Kamerun, rund 1500 Kilometer südöstlich von Wagadugu.

Liv Ullmann, 39, norwegische Schauspielerin, die vor allem durch ihre Zusammenarbeit mit dem schwedischen Filmregisseur Ingmar Bergman ("Szenen einer Ehe") berühmt wurde, setzte ihre Popularität zugunsten bedürftiger Kollegen ein. Im New Yorker Circle Repertory Theatre gab die rotblonde Schauspielerin letzte Woche eine Solovorstellung -- in Cocteaus Ein-Personen-Stück »Die Menschliche Stimme« (Photo). Für 100 Dollar pro Platz konnten die Zuschauer Liv Ullmann bei einem abendfüllenden Telephongespräch belauschen -- der letzten Auseinandersetzung einer Frau mit ihrem Liebhaber, der entschlossen ist, eine andere zu heiraten. Die Einnahmen des Abends sollen kleinen New Yorker Bühnen als Finanzspritze zugute kommen. Liv Ullmann kennt die Probleme ihrer Kollegen: Bevor sie 1960 in die Ensembles des Nationaltheaters und des Norwegischen Theaters in Oslo aufgenommen wurde, spielte sie drei Jahre lang im provinziellen Stavanger.

Hans Arnold, 55 (Photo), Bonns Botschafter in Rom und ehemals Leiter der Kulturabteilung im Bonner Auswärtigen Amt, zeigt sich auch auf seinem römischen Posten um deutsche Kunst bemüht. Der Diplomat ließ jetzt im Garten seiner Residenz, der Villa Almone, eine Bronze-Skulptur der in Italien lebenden deutschen Bildhauerin Veronika van Eyck (l.) aufstellen. Der Kunst-Kopf (mit Sockel 2,55 Meter hoch und 600 Kilo schwer) verleitete Missions-Mitarbeiter zur Witzelei: Das neue Haupt im Botschaftspark sei zwar drehbar, doch mangele es ihm an einer wichtigen Qualifikation für Botschaftsangehörige -- es könne nicht nicken. Kunstfreund Arnold: »Nicht alles braucht alle anzusprechen. Besser Erstaunen als Langeweile.«

Reinhard Roericht, 33, FDP-Abgeordneter aus Aachen und hochschulpolitischer Sprecher seiner Fraktion im Düsseldorfer Landtag, beteiligte sich als Küchen-Kritiker und »gastronomischer Berater« an einem jetzt erschienenen Stadtführer »Tips, Treffs -- Aachen«. Roericht, wegen starker Eßlust von gewichtiger Statur, stellt in dem Informations-Bändchen rund 50 deutsche, griechische, italienische, chinesische und balkanesische Restaurants, dazu Steak- und Brauhäuser vor und würzte die durchweg positiven Kritiken mit speziellen Tips ("Nehmen Sie auch ruhig mal Ihre Sekretärin mit, wenn die Familie Ausgang hat."). Freidemokrat Roericht: »Da nach meiner Meinung Liberalismus und Lebensfreude zwei unzertrennliche Güter sind, habe ich mich mit großer Freude der Arbeit an dem Buch hingegeben.«

Otto von Habsburg, 66, ältester Sohn des letzten Kaisers von Österreich und -- seit Juni letzten Jahres -- deutscher Staatsbürger, hat Aussichten, in seiner Heimat Österreich erstmals von SPÖ-Kanzler Bruno Kreisky offiziell empfangen zu werden, falls seine von der CSU in Aussicht gestellte Kandidatur für das Europa-Parlament erfolgreich sein sollte. Kreisky ließ wissen, er wäre, falls es das Thema erfordert, durchaus bereit, den »deutschen« Europapolitiker Habsburg, der sich bislang in Österreich nicht politisch betätigen durfte, zu einem Gespräch zu empfangen. SPÖ-Stimmen, die nach Offenbarung der Europa-Ambitionen des Kaisersohns verlangten, man möge Otto von Habsburg die österreichische Staatsbürgerschaft nehmen, wies Kreisky entschieden zurück. Der Wiener Kanzler »mit geradezu demonstrativer Noblesse« (Wiener »Kronen-Zeitung"): »Österreich wird nicht ausbürgern. Ich halte das Ausbürgern überhaupt für eine üble Sache -- so etwas geschieht in Diktaturen.«

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