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Pierre Moscovici,

aus DER SPIEGEL 35/2000

Pierre Moscovici, 42, französischer Europaminister, versuchte mit einem Appell an das notorische erotische Interesse der Nation, seine Landsleute für eine Volksabstimmung zu stimulieren. Das für den 24. September angesetzte Referendum über eine Verkürzung der präsidialen Amtszeit von sieben auf fünf Jahre droht nämlich sich angesichts totalen Desinteresses zu einem Fiasko für die Regierung auszuwachsen. Bei einem Sozialistenauftrieb in Frangy-en-Bresse appellierte der populäre »Mosco« deshalb salopp an die Genossen, die Abstimmung »sinnlich« anzugehen: Da das Bemühen um eine Amtsverkürzung seit 1973 vergeblich gewesen sei, könne nun »nach 27 Jahren Vorspiel der Akt bedenkenlos vollzogen werden«. In der Liebe, so der Kenner genüsslich weiter, wachse bekanntlich »die Begierde im gleichen Maße, wie sich die Wartezeit verlängert«. In das freudig erregte Lachen der »camarades« tönte prompt eine Stimme: »Das wird ein glatter Coitus Interruptus.« Insider klärten den verdatterten Minister über den Sinn des Zwischenrufs auf: Schon jetzt haben an die 60 Bürgermeister einen Referendum-Boykott angekündigt, um gegen lokale Missstände wie Schließung von Postämtern oder Lehrermangel zu demonstrieren.

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