Zur Ausgabe
Artikel 39 / 91
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

STUDENTEN Pit im Glück

aus DER SPIEGEL 19/1965

Mit 20 Jahren schlug er sich als

Tellerwäscher, Liftboy, Hausdiener und Kellner in den Staaten durch. Mit 25 ist er zu »Bonns jüngstem Großunternehmer« ("Münchner Merkur") avanciert. Er bewohnt ein Luxus -Appartement in der Bonner Prominenten-Siedlung Tannenbusch und chauffiert einen schneeweißen Porsche.

Peter ("Pit") Reichardt, Student der Volkswirtschaft und Sozialpolitik, gebietet heute über 15 Mietwagen, 25 Angestellte und ist Alleinbesitzer von zwei florierenden Firmen:

- »autopit« transportiert Prominenz aus aller Welt und offizielle Gäste der Bundesregierung durch die deutschen Lande;

- »immopit« vermittelt Bonner Wohnungsuchenden Häuser, Grundstücke und Wohnungen.

Grundlage dieser Karriere, an der Reichardt »nichts Bemerkenswertes« findet, war die eines Volkswirtschaftsstudenten würdige Idee, »Unternehmer zu werden und andere Leute für mich arbeiten zu lassen«. Denn es fehlte ihm an Kleingeld zur Finanzierung seines Studiums.

Nach dem ersten Semester setzte sich der ehemalige Klosterzögling der Salesianer in Benediktbeuren denn auch zunächst von der Bonner Universität nach New York ab. Reichardt: »Ich kam auf 42 Jobs in sieben Monaten.« Mit 1250 gesparten Dollars kehrte er 1961 vom Hudson an den Rhein zurück, legte sein Geld in einem Taxi an und schloß sich einer Funkwagenzentrale an. Nachts vertauschte der Student die Hörerbank mit dem Fahrersitz.

Als ein Jahr später die Taxizentrale Pleite machte, übernahm Reichardt, der aus seinen Gewinnen mittlerweile drei weitere Taxen dazuerworben hatte, »den ganzen Laden«. Bald darauf stieg er auf ein vornehmeres, speziell Bonner Fahrgeschäft um: In der Bundeshauptstadt herrschte Mangel an sprachenkundigen Chauffeuren für ausländische Staatsgäste.

Reichardt bot seine Dienste dem Bonner Reiseverein »Inter-Nationes« an, der alle offiziellen Gäste der Bundesregierung betreut. Sein erster Regierungsauftrag war, den New Yorker Gouverneur Rockefeller durch Deutschland zu fahren.

Die Geschäftsbeziehungen zwischen dem Studenten-Unternehmer und den Bonner Prominenten-Betreuern entwickelten sich so trefflich, daß Reichardt seine Taxizentrale verkaufte und das Unternehmen »autopit« zur Beförderung von vornehmlich »very important persons« (VIP) gründete, das heute bereits Filialen in Hamburg und Frankfurt unterhält. Den lukrativsten Auftrag ergatterte er 1963, als »autopit« den gesamten Begleiter-Troß von US-Präsident Kennedy mit 18 Omnibussen transportieren durfte.

Inzwischen ist die Reichardt-Karawane auf 15 Limousinen angewachsen. Die zehn Chauffeure ("Bei Staatsempfängen auch mit Mütze") beherrschen wenigstens eine Fremdsprache und sind ihren Gästen in allen Sparten behilflich - sei es beim Besorgen eines Leihsmokings oder beim Erwerb einer Lederhose.

Mit einer zweiten Firma, die Reichardt im letzten Herbst gründete ("immopit"), weitete, der expansionsfreudige Unternehmer sein Geschäft in die Immobilienbranche aus. Als doppelter Boß beschäftigt er heute 25 Leute, darunter einen promovierten Volkswirt und einen Baron. Reichardt: »Gute Visitenkarten muß man haben in meinem Geschäft.«

Sein jüngstes Projekt ist rein akademischer Natur. Reichardt, der im Herbst sein Staatsexamen abzulegen gedenkt, will der traditionellen Budenherrlichkeit ein Ende bereiten und in Beuel ein modernes Studenten-Hotel mit zwölf Stockwerken und einer Miete von 90 Mark pro Zimmer bauen. Die Bausumme von 4,5 Millionen Mark hofft er zum größten Teil aus Bundes- und Landeszuschüssen zusammenstoppeln zu können.

Der Reim, den sich »Pit im Glück« (Wuppertaler »Generalanzeiger") auf seine kommerzielle Karriere macht, ist ebenso nichtssagend wie erfolgreich: »In Bonn liegt das Geld auf der Straße, und ich wußte, wo man es aufheben muß.«

Reichardts Mietwagenpark: »In Bonn liegt das Geld auf der Straße ...

Studenten-Unternehmer Reichardt

... und ich wußte, wo man es aufhebt«

Zur Ausgabe
Artikel 39 / 91
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.