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Plattenspieler an der Wand

aus DER SPIEGEL 36/1979

Auf der Berliner Funkausstellung versucht derzeit die Phono-Branche, um verkaufsträchtige Modemaschen noch nie verlegen, eine neue Produkt-Linie in den Markt zu drücken: Statt der bislang gängigen Riesen-Racks sollen sich die HiFi-Konsumenten nun kleinere Komponenten-Anlagen in die Wohnstube stellen -- vielteilige Audio-Pakete, bei denen nicht nur Cassettenrecorder und Tuner, sondern auch Vor- und Endverstärker, Zeitschaltuhr, Bedienungselemente und bisweilen gar das Netzteil als Einzelgeräte geliefert werden. Die Kompaktanlage, die alle Stereo-Bausteine in einem voluminösen Gehäuse vereinigt, verschwindet allmählich vom Markt. »Es muß ehen«, kommentiert ein Sony-Manager, »etwas Neues in die Schaufenster« -- und wenn es auch, wie häufig in Berlin, nur Techno-Gags und Elektronik-Spietereien sind. So entwickelte das japanische Weltunternehmen Sanyo ein »TV-Radio-Uhren-Gerät im Super-Mini-Format« (Werbeslogan) -- einen nur fünf Zentimeter hoben und 13 Zentimeter breiten Rundfunk- und Fernsehempfänger mit Digital-Weckautomatik (Preis: rund 800 Mark). Sanyo-Konkurrent Technics (Matsushita) stellte einen Plattenspieler vor, den man sich getrost an die Wand hängen kann: Die Schallplatte ist fest mit dem Drehteller verbunden und wird von einem Tangential-Tonarm abgetastet, den eine Feder wackelfrei in der Tonrille hält. Zahlungswilligen Phono-Freaks bietet die japanische Firma Dynavector ein neuartiges Platten-Abtastsystem: Nadelträger und Nadelspitze sind im Stück aus einem Diamanten geschliffen -- im Gegensatz zu herkömmlichen Geräten, bei denen die Edelsteinnadel an einem Metallröhrchen befestigt ist. Dadurch, so behaupten zumindest feinohrige Experten, wird eine verzerrungsärmere und dynamischere Wiedergabe erreicht (Preis mit Tonarm: 1950 Mark; Vertrieb: Scope, Hamburg). Ebenfalls höchste HiFi-Ansprüche befriedigt das neue Rauschunterdrückungs-System »Super D« von Sanyo. Während die bisherigen Rausch-Killer wie Dolby oder Telefunkens High Com ausschließlich in Recorder eingebaut sind, kann das Sanyo-System als Einzelbaustein an vorhandene Kassetten- oder Spulengeräte angeschlossen werden (Preis: etwa 800 Mark). Rauschenden Beifall bei Punktgewinn und genervtes Stöhnen bei Spielverlust erzeugen die Tele-Spiele der dritten Generation: Begleitet von einer vielfältigen Geräuschkulisse huschen statt der bei TV-Spielen bislang üblichen Pieps-Punkte nahezu lebensechte Figuren über den Bildschirm: Basketball-Dribbler tricksen den Gegner aus, Rennpferde jagen im Galopp dahin, und Eishockey-Spieler rempeln sich den Weg frei. Das TV-Spiel, ein Produkt des US-Produzenten Mattel, besteht aus einer 16-Bit-Elektronik (rund 800 Mark) und verschiedenen Programm-Kassetten (60 bis 90 Mark) wie »Autorennen«, »Alarm im All« und »Poker«.

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