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Briefe

Pleti in Äktschen
aus DER SPIEGEL 31/1994

Pleti in Äktschen

(Nr. 29/1994, Wahnsinn Urlaub - Lust auf Streß)

Ob Disco-Rummel auf Mallorca, Natur in Norwegen oder Kultur in Ägypten - jeder muß selbst wissen, wobei er sich am besten erholt. Körperliche Abgespanntheit kann geistige Erholung sein. Den Streß jedoch macht sich jeder selbst. *UNTERSCHRIFT: Baunatal (Hessen) ULRICH BAUMANN

Kürzlich hörte ich, daß Pfarrer Triebe aus Halberstadt folgende Maxime über die Ferien predigte: »die Berge von unten, die Museen von außen und die Kneipen von innen«. *UNTERSCHRIFT: Berlin KARL-HANS GEHR

Beim Lesen wurde ich den Eindruck nicht los, daß sich hier ein weltfremder Moralist ausgetobt hat. Niemand begibt sich zum reinen Vergnügen auf überfüllte Flughäfen oder Autobahnen. Solange Haupturlaubszeiten durch feste Schulferientermine, verbunden mit Werksferien, diktiert werden, dürfte der Entschluß, sich mit den Massen zu bewegen, wohl eher unfreiwillig sein. *UNTERSCHRIFT: Forchheim (Bayern) MARION FREUNDLIEB

Wir haben unsere eigene Außenwelt so kaputtgemacht, daß wir bei jeder Gelegenheit möglichst schnell daraus flüchten müssen. Schade, daß die Urlaubswelt dann in gleichem Maße kaputtgemacht wird, aber vielleicht ist in einigen Jahren der Weltraum als Urlaubsziel erschlossen. *UNTERSCHRIFT: Bad Neuenahr (Rhld.-Pf.) DR. MED. KONSTANTIN RÖSER

Als ehemaliger Reiseleiter eines großen Touristikkonzerns (NUR) kann ich Ihnen gern bestätigen, daß die Touristen sich ihren Streß vor allen Dingen selbst machen. Es ist erstaunlich, wie sich erwachsene Menschen, die zu Hause verantwortungsbewußt ihren Mann/ihre Frau in Beruf und Familie stehen, mit Reiseantritt in quengelnde kleine Kinder verwandeln, die hilflos und genervt durch fremde Länder streifen und anscheinend erwarten, für den gezahlten Preis bei Schritt und Tritt an der Hand und ins perfekte Glück geführt zu werden. *UNTERSCHRIFT: Mainz CLAUS LANDGREBE

Wer so fit ist, daß er mit dem Fahrrad aus dem Hubschrauber heraus über die Alm bügeln kann, könnte auch was Sinnvolles tun. *UNTERSCHRIFT: Mainz THOMAS ROESSING

Ich meine, man sollte die Mahnung Bertolt Brechts aus der Dreigroschenoper beim Reisen beherzigen: _____« Ja, renn nur nach dem Glück doch renne nicht zu sehr » _____« denn alle rennen nach dem Glück das Glück rennt » _____« hinterher. Denn für dieses Leben ist der Mensch nicht » _____« anspruchslos genug drum ist all sein Streben nur ein » _____« Selbstbetrug. » *UNTERSCHRIFT: _____« Duisburg WOLFGANG KLEEMANN »

Der Urlaub ist das regenerative Element zur Erhaltung der eigenen Leistungsfähigkeit. Viele Leute überschätzen ihre Kräfte und schaden sich damit. *UNTERSCHRIFT: Berlin BODO WAGENER

Ein echter Glücksfall, daß Greti und Pleti, Hans und Franz in den Äktschen-Urlaub fliegen, sich an überfüllten Sonnenstränden gut durchrösten, bei Freiluft-Aerobic ihren »Rettungsringen« freien Lauf lassen oder unter Verlust jeglichen Schamgefühls eine Musical-Laiendarbietung im Klub Schießmichtot zum besten geben; für mich, der ich mit mir etwas anzufangen weiß, die Möglichkeit, ohne hyperaktive Streßfanatiker zu Hause den Urlaub in vollen Zügen zu genießen. Aktivurlauber, ich danke euch! *UNTERSCHRIFT: Hamburg MARKUS M. HERMANN

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