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Politische Überzeugung

aus DER SPIEGEL 31/1971

Die Bundesbürger rücken unmerklich vom Bonner Staat ab: Eine vergangene Woche veröffentlichte Repräsentativ-Befragung des Allensbach-Instituts zum Thema »Baader- Meinhof: Verbrecher oder Helden?« offenbarte bei den Westdeutschen »Rachegefühle gegen die Obrigkeit, weil scheinbar Loyalität und Fleiß schlecht gelohnt werden« (so der hannoversche Psychologie-Professor Peter Brückner). Denn: Von rund 1000 Befragten befanden immerhin 18 Prozent, die Untergrund-Gruppe (Bekanntheitsgrad: 82 Prozent) handle »auch heute noch vor allem aus politischer Überzeugung«, und ungewöhnlich viele -- 31 Prozent -- äußerten dazu keine Meinung. Zudem: Jeder vierte Bundesbürger unter 30 hegt »gewisse Sympathien« für die »Rote Armee Fraktion« (Eigen-Name), deren Mitglied Petra Schelm vorletzten Donnerstag in Hamburg von Polizisten erschossen wurde (SPIEGEL 30/1971). Und: Gar jeder zehnte Norddeutsche (Bundesdurchschnitt: jeder zwanzigste) erklärte sich bereit, Untergründler für eine Nacht zu beherbergen. Während die Demoskopen nüchtern ein »schwieriges sozialpsychologisches Klima für die Fahndung der Polizei« konstatierten, sorgte sich die FAZ über das Versteck-Angebot: »Fünf Prozent wirken hier wie hundert Prozent.«

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