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Briefe

Politischer Konsumverzicht
aus DER SPIEGEL 16/2007

Politischer Konsumverzicht

Nr. 14/2007, Karrieren: Workaholics denken um - und wechseln in Jobs mit weniger Geld, aber mehr Lebensqualität

Sich in den vorgegebenen Schienen des gesellschaftlich Erwünschten bewegend, betäubt durch fremdbestimmten Aktionismus, fragen wir uns auf dem Gipfel des Erfolges: Und das war es jetzt? Der Wunsch, das Hamsterrad zu verlassen, das falsche, fremdbestimmte Leben zum richtigen, eigenen zu machen, treibt vor allem diejenigen an, die die Fähigkeit haben, ihr Leben zu reflektieren. Das Bewusstsein für die eigene »Misere« lässt insbesondere bei den vom westlichen Kapitalismus gesättigten Erfolgsmenschen den Wunsch nach einem spirituelleren, sinnstiftenderen Leben entstehen.

LEIPZIG SUSANNE EISENHUT

Wie wäre es mit einer Serie über Menschen, die jeden Tag an den Bändern irgendeiner Fabrik stehen und die da auch rauswollen, aber es aus Finanzgründen partout nicht können? Als Chefredakteurin oder aus irgendeiner tollen Karriere-Stellung auszubrechen ist vergleichsweise banal.

BRÜSSEL RALF LEHMBERG

Als frühe Achtundsechzigerin und späte Mutter bin ich nicht in meinen Ganztagsjob zurückgekehrt, sondern habe meine Arbeitszeit auf 28 Stunden reduziert. Dadurch konnte eine Kollegin Arbeit bekommen. Den Konsumverzicht auf Reisen, neues Auto et cetera habe ich eingetauscht gegen Sport, Kochen in Ruhe mit biologischen Lebensmitteln, Malen, Gartenarbeit, Quatschen mit Freunden und ausgiebiges Lesen. Würde jeder mit einer ganzen Stelle auf nur zwei Stunden pro Woche verzichten, könnten mehr Arbeitslose beschäftigt werden. Und das soll nicht politisch sein?

KOBLENZ GISELA KISSEL

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