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Polizei als Bilderstürmer

aus DER SPIEGEL 29/1993

Martin Bolle, 27, Fotograf, und Mathias Erhardt, 28, Grafiker, bekamen wegen ihrer Ansichten Ärger mit der Polizei. Die beiden Münchner hatten die Ereignisse von Bad Kleinen und das anschließende Informationswirrwarr mit einem Plakat kommentiert, das drei Ordnungshüter in der klassischen »Drei-Affen-Pose« (nichts sagen, nichts hören, nichts sehen) zeigte. Doch den Münchner Polizisten war diese Kollegenschelte offensichtlich zuviel: Im Auftrag der Staatsanwaltschaft wurde das subversive Plakat von der Stellwand in der Müllerstraße gerissen und als Beweisstück konfisziert. Den Künstlern stellte man gleich mehrere Anzeigen in Aussicht, unter anderem wegen Beleidigung, übler Nachrede und Sachbeschädigung. Bolle und Erhardt, die schon häufiger mit ähnlichen Aktionen für Aufsehen gesorgt haben, reagierten gelassen und schnell: Schon kurze Zeit später informierte ein neues Plakat an gleicher Stelle über die Polizeiaktion - dieses Mal ohne Reaktion der Kripo. Auch die angedrohten Anzeigen sind bisher nicht eingetroffen. Bolle: »Schließlich haben wir nur unsere Meinung kundgetan und niemanden persönlich beleidigt.« Und auch die Stellwand sei ordnungsgemäß gemietet gewesen. Statt dessen denken die beiden Opfer polizeilicher Gewalt nun ihrerseits über eine Anzeige nach - gegen die Staatsanwaltschaft München.

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