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NAHER OSTEN / BAHRAIN Polizist gesucht

aus DER SPIEGEL 9/1968

Was Darius, der antike Perserkönig, einst besaß, möchte Resa Pahlewi, der moderne Perserschah, jetzt wiederhaben: den Fünf-Insel-Archipel Bahrain im Persischen Golf.

Darius nutzte die Mini-Inseln (zusammen etwa halb so groß wie Rügen) als Sträflingskolonien. Den Schah locken die Ölvorkommen, die zweitgrößte Raffinerie in Nahost und eine strategisch wichtige Position zur Golfkontrolle.

Das -- ursprünglich wegen seiner Perlenfischerei -- begehrte Bahrain hatte viele Besitzer. Perser, Piraten und Portugiesen, Engländer, Holländer und Araber rauften um den Archipel. Doch nur einmal noch seit Darius konnten die Perser Fuß fassen: von 1602 bis 1782. Dann kamen Araber, und sie blieben. Britanniens Kanonen schützten die Scheichs.

Den britisch garantierten Frieden wagten die Perser nicht zu brechen. Auch Schah Resa Pahlewi brachte die »Perle des Persischen Golfs« zunächst nur symbolisch wieder nach Persien.

Ein Zusatz zur Schah-Verfassung erklärte 1959 Bahrain zum »integralen Bestandteil des Iran«. Das Schah-Parlament proklamierte den Insel-Fünfer zur 14. Perser-Provinz. Der Schah ernannte einen »Gouverneur von Bahrain« -- doch der Mini-Monarch auf den Palmeninseln, Scheich Issa Bin Salman Hamid al-Chalifa, 34, blieb souverän, unterworfen nicht dem Pfauenthron, sondern nur den Gesetzen der Ölproduktion.

Der Schah versuchte, ihn huldvoll zu ködern. Er versprach dem kleinen Ölscheich den glanzvollen Posten eines kaiserlichen Bahrain-Gouverneurs -- falls er sich nur unterwerfe.

Scheich Issa aber wollte lieber allein regieren -- und allein profitieren. Mit seinen Brüdern, Söhnen und Neffen verwaltet er seine Inseln (182 000 Einwohner) wie einen Familienbetrieb. Am Öl verdient er jährlich etwa 50 Millionen Mark. Außerdem hat er sich einen lukrativen Nebenerwerb erschlossen: Issa verwandelte die freundlichen Inseln in ein Wochenend-Paradies für Manager, Ingenieure und Arbeiter der Ölgesellschaften.

Anders als im sittenstrengen Arabien können die Ölmänner auf Bahrain für ihre Dollars Whisky und Liebe kaufen. Der Eintritt ins Paradies freilich ist teuer: Je Visum kassiert der Scheich hundert Mark -- die höchsten Visagebühren der Welt. Jährlicher Gewinn: rund zwei Millionen Mark.

Die Öl-Idylle wurde erst gestört, als die britischen Scheich-Schützer Anfang des Jahres erklärten, sie müßten ihre letzten Positionen östlich von Suez einsparen. Rotstift-Premier Wilson will die am Persischen Golf stationierten Briten bis 1971 abziehen:

> zwei Bataillone Fallschirmjäger;

> eine Staffel »Hunter«-Düsenbomber und zwei Staffeln »Beverley«-Transporter;

> drei Fregatten, ein Panzerlandungsboot und fünf Minensucher. Der Abzug der Briten und die Heim-ins-Reich-Politik des Schahs macht den bislang friedlichen Persischen Golf, dessen Anrainer die Hälfte des in Westeuropa verbrauchten Treibstoffs liefern, zum neuen Krisenherd in Nahost. Scheich Issa fürchtet nun um sein Kleinstreich mit Höchstgewinn. Hilfesuchend reiste er nach Er-Riad zum großen arabischen Bruder, König Feisal von Saudi-Arabien. In Teheran drohte Schah-Premier Howeyda: »Wir sind in der Lage, unsere Rechte wahrzunehmen.«

Dennoch schmiedeten Scheich und König in Er-Riad eine arabische Achse gegen die persischen Ansprüche. Feisal will für rund 100 Millionen Mark eine 20 Kilometer lange Brücke schlagen lassen, um das umstrittene Bahrain mit dem arabischen Festland zu verbinden. Teherans Presse: »Ein schwerer Affront gegen den Schah.«

Der Schah-in-Schah rächte sich seinerseits durch einen schweren Affront: Er sagte einen Staatsbesuch in Er-Riad 24 Stunden vor Reisebeginn ab.

Der Leidtragende war vor allem Briten-Premier Wilson. Er hatte gehofft, Persien und Saudi-Arabien könnten nach 1971 gemeinsam den Golf-Schutz übernehmen und für Stabilität sorgen. Araber-König Feisal versucht jetzt, einen neuen Golf-Polizisten zu engagieren: die USA.

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