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Pomp und Chaos

aus DER SPIEGEL 1/1996

Die verkehrte Welt der Deutschen: In Hannover zelebrierten militante Chaoten, ziemlich ungeniert, ihre »Chaostage« - die Polizei war nicht im Bilde und zumeist an der falschen Stelle. In Bonn feierte die Bundeswehr, ziemlich pompös, ihr 40jähriges Jubiläum mit einem Großen Zapfenstreich - und die Polizei mußte den Aufzug der ersten demokratischen Armee in der deutschen Geschichte gegen den allfälligen Linksprotest abschirmen.

Zur gesellschaftlichen Wertschätzung der Streitmacht trug das Urteil des Bundesverfassungsgerichts über das Tucholsky-Zitat »Soldaten sind Mörder« auch nicht gerade bei. Und der nächste strittige Spruch aus Karlsruhe ist schon absehbar: der Befund über den sogenannten Asylkompromiß. Zwar hat die Zahl der Asylsuchenden in Deutschland von 438 191 im Jahre 1992 auf voraussichtlich gut 100 000 im vergangenen Jahr deutlich abgenommen, aber das Ausländerproblem ist so gegenwärtig wie eh und je. Immer noch entbrennt Streit um die Abschiebepraxis, wie im Falle der sieben Sudanesen, die trotz Hungerstreiks wieder zurückbefördert wurden; immer noch holen Schleuserbanden Abertausende ins Land - Rettung für die meisten, Drogenelend und Prostitution für andere.

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