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MANAGER / DRESDNER BANK Ponto Nummer 2

aus DER SPIEGEL 50/1968

In 18 Jahren Dienst bei der Dresdner Bank vollbrachte Jürgen Ponto, 44, nach eigenem Zeugnis »keine signifikanten Leistungen«.

Dennoch rückt er, mit 400 000 Mark jährlich dotiert, demnächst zum Chef des nach der Deutschen Bank zweitgrößten Geldhandelshauses der Bundesrepublik auf. Dieser Tage wählte ihn der Aufsichtsrat der Dresdner Bank (18 Milliarden Mark Bilanzsumme, fünf Milliarden Mark Spareinlagen) zum Nachfolger des Vorstandssprechers Erich Vierhub, der im kommenden Frühjahr aufs Altenteil soll.

Der Aufsichtsrat der Bank, der von dem früheren Top-Manager Ernst Matthiensen, dem Amateur-Landwirt und Pferdezüchter Hans Rinn und dem Industrieberater Hermann Richter befehligt wird, zog Ponto dem weit bekannteren Werner Krueger, Chef der Dresdner Bank Düsseldorf, sowie elf weiteren Spitzenbankiers des Hauses vor.

Der hochgewachsene Jurist, der eine gewisse Ähnlichkeit mit den Hohenzollern-Prinzen hat und ein Neffe des verstorbenen Filmschauspielers Erich Ponto ist, verkörpert die im Bankgeschäft als ideal angesehene Mischung von Durchsetzungsvermögen und feiner Zurückhaltung. Bevor er nominiert wurde, war Ponto in den unteren und mittleren Filialrängen der Dresdner Bank sowenig bekannt wie in der Offentlichkeit, obwohl er seit Jahren das wichtige Ressort Geld und Kredit leitet.

Den Weg zur Spitze, für den die Manager deutscher Großbanken traditionsgemäß drei bis vier Jahrzehnte benötigen, schaffte Ponto im Schnellgang in gerade 18 Jahren. Der Sohn eines hanseatischen Übersee-Kaufmanns -- Ponto verbrachte seine ersten Lebensjahre in Ekuador -- wurde während des letzten Krieges zwischen Stalingrad und Charkow so schwer verwundet, daß er bereits 1944 zwecks Jura-Studium aus der Armee entlassen wurde,

Seinen Hamburger Kommilitonen präsentierte sich der angehende Advokat auf der Studentenbühne als »Ponto Nummer 2«. Als Freizeitjournalist war er für die »Hamburger akademische Rundschau« tätig, bevor er der Reihe nach vier Banken um einen Job anging.

Die Deutsche Bank, Westdeutschlands größtes Geldinstitut, wollte den Jungjuristen nicht einstellen und vermittelte ihn an die Dresdner Bank weiter. 1950 heuerte Ponto als Volontär in Hamburg für monatlich 125 Mark an und »war erschrocken, daß so wenig gezahlt wurde«.

Nach einem weiteren Semester Studium an der US-Universität Seattle kehrte Jürgen Ponto zur Dresdner Bank zurück und begann seinen unaufhaltsamen Aufstieg. Schon 1959 wurde er, 36 Jahre alt, zum ersten Hausjuristen bestellt. Korrekt und leidenschaftslos brachte der Hanseat auch verwickelte Fälle wie den Konkurs der Schlieker-Werft durch die Bücher seiner Bank. Ponto: »Als Chefsyndikus steht man jenseits von Gut und Böse.«

Fünf Jahre später war der große Klare aus dem Norden bereits Stellvertreter im Vorstand der Frankfurter Bankzentrale. Von allen Affären, in die seine Senior-Kollegen verstrickt waren, hielt sich Ponto jedoch fern. Er war nicht beteiligt, als im Herbst 1962 die Dresdner Altbanker Ernst Matthiensen und Hans Rinn den mit Börsenkrediten überlasteten Bremer Holzkaufmann Hermann D. Krages über die Klinge springen ließen und ihm seinen Aktienbesitz an der Gelsenkirchener Bergwerks-AG ahnahmen. Das Ponto-Konto blieb auch unbelastet, als Bank-Vorstandsmitglied Werner Krueger im Herbst 1963 den Mülheimer Stahlhändler Otto Stinnes Hilfe verweigerte und die Unternehmens-Gruppe zusammenbrechen ließ.

Ihr demoliertes Ansehen versuchte die Dresdner Bank zwei Jahre später durch einen untadeligen Namen wieder aufzuhellen: Der Aufsichtsrat trug dem Bundesbank-Präsidenten Karl Blessing das Kommando über die Großbank an. Doch Blessing wollte nicht, und weil der Kronprinz Ponto für die Herrschaft noch zu jung erschien, mußte der Selfmademan Erich Vierhub über die Pensionsgrenze hinaus im Vorstandsamt bleiben.

Wenn Ponto nach der nächsten Hauptversammlung im Mai 1969 das Regiment übernimmt, steht erstmals seit Manager-Generationen wieder ein Akademiker an der Spitze der Dresdner Bank. Von ihm erwarten seine Kollegen, daß er ein Bankier vom Format des Konkurrenten Hermann Josef Abs werde. Jürgen Ponto reserviert: »Man wird sehen.«

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