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Popularität verpflichtet

aus DER SPIEGEL 42/1972

Den niedersächsischen CDU-Führer Wilfried Hasselmann plagten »starke Zweifel": Die »Heute«-Nachrichten-Sprecherin und aktive SPD-Wahlhelferin Wibke Bruhns -- so kabelte er vergangenen Donnerstag seinem Parteifreund, dem ZDF-Intendanten Karl Holzamer -- müsse für die Dauer des Bundestags-Wahlkampfs beurlaubt werden, weil sie »inzwischen einen derartigen Bekanntheitsgrad erreicht (hat), daß sie von Teilen der Offentlichkeit mit dem ZDF identifiziert wird«. Was dem Landwirt aus Celle »notwendig« erschien, hatte bereits wenige Tage zuvor auch dem Mainzer Chefredakteur Rudolf WoHer (CDU) Sorgen bereitet: Auf seine Anregung hin wurde auf einer ZDF-Direktorensitzung -- so ein »Ergebnisprotokoll« -- »die Frage der Beteiligung von ZDF-Mitarbeitern am bevorstehenden Wahlkampf diskutiert«. Auszug aus dem vertraulichen Papier, das Holzamer-Referent Michael Sauer (CDU) anfertigte:

Der Verwaltungsdirektor (Harald Ingensand) erinnert daran, daß diese Frage früher schon ... besprochen worden sei ... Eine Beteiligung freier Mitarbeiter -- zum Beispiel an Wählerinitiativen -- sei nicht zu verhindern. Im Unterhaltungsbereich sei es weniger problematisch als in den Bereichen, die sich um Objektivität bemühen müssen. Dr. Konrad (ZDF-Justitiar und CDU-Mitglied) weist darauf hin, daß rechtlich eine politische Betätigung nicht zu beanstanden ist ... ZDF-Mitarbeiter müßten wissen, daß ihre Popularität auch besondere Verpflichtungen mit sich bringe. Chefredakteur und Verwaltungsdirektor sprechen sich dafür aus, gegen ein Engagement Bedenken zu äußern.«

Christdemokrat Konrad hinterher: »Ober Herrn Löwenthal wurde in der Sitzung nicht gesprochen.«

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