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Briefe

Postpubertäres Spiel
aus DER SPIEGEL 17/1995

Postpubertäres Spiel

(Nr. 15/1995, Titel: Der Bomben-Schwindel des BND - Wie deutsche Geheimdienstler die Plutonium-Gefahr erfanden)

Fernab von jeglichen parlamentarischen Kontrollmechanismen tummelt sich der Bundesnachrichtendienst in selbstherrlichen Showdowns und allgemeingefährlicher Agentennostalgie. Dies allein würde Schmidbauers Regime noch nicht diskreditieren. Viel schlimmer wiegt die Tatsache, daß eine durch den Steuerzahler finanzierte Institution offenbar als Propagandainstrument für die Politik mißbraucht wird. *UNTERSCHRIFT: Hilden (Nrdrh.-Westf.) MARKUS MAASS

Das Ominöse an dem postpubertären Spiel des BND um das Russen-Plutonium ist nur, daß die eigentlichen Drahtzieher der obskuren Geschichte wieder einmal ungeschoren davonkommen. *UNTERSCHRIFT: Würzburg BERNHARD FEGHELM

Wie war denn das vor wenigen Jahren, als oberschlaue Schlitzohren des bayerischen LKA einen Kokainschmuggel via Kolumbien inszenierten? Für ein paar Millionen Mark Steuergelder bestellten und erhielten die FBI-(Freestate Bavaria Investigations)Agenten eine größere Sendung Kokain aus MedellIn, die auf dem Franz-Josef-Strauß-Flugplatz bei München prompt beschlagnahmt und der staunenden Öffentlichkeit als einer der größten Fahndungserfolge gegen die Rauschgift-Mafia verkauft wurde. *UNTERSCHRIFT: Kempten DIETER WAUER

Wer sich an den Wahlkampf im vergangenen Jahr erinnert, wird die Folgen der Plutonium-Beschlagnahmung am 10. August 1994 in einem Kontext sehen müssen, der weit über die gefährlichen Spielereien des BND hinausgeht. Mit der Beschlagnahmung wurde das bis zu diesem Zeitpunkt wenig relevante Thema der äußeren Sicherheit zugunsten der Regierung Kohl für einige Wochen massiv ins Zentrum der Diskussion gerückt. Begleitet von einer Bild-Kampagne konnte Kohl seine »Männerfreundschaft« mit Jelzin stimmenträchtig in Szene setzen, unterstützt durch den außenpolitisch eher schädlichen, aber medienwirksam inszenierten Auftritt von Staatsminister Schmidbauer in Moskau. *UNTERSCHRIFT: Düsseldorf FRANK P. STAUSS

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