Zur Ausgabe
Artikel 12 / 130

Embryonen »Praktisch überall«

aus DER SPIEGEL 32/1996

SPIEGEL: Was ist der Unterschied zwischen tiefgefrorenen englischen und den gefrorenen deutschen Embryonen?

Mettler: Bei uns ist gesetzlich nur das Tieffrieren von Vorkernstadien erlaubt. Das ist eine durch eine Samenzelle imprägnierte Eizelle, in der sich der männliche und weibliche Vorkern unter dem Mikroskop zeigt, ohne daß die beiden Zellkerne verschmolzen sind.

SPIEGEL: In England sind sie aber verschmolzen?

Mettler: Nicht nur dort, außer in Deutschland werden praktisch überall Embryonen in einem Stadium mit vier bis acht Zellen tiefgefroren.

SPIEGEL: Ist diese Methode besser?

Mettler: Je weiter die Zellteilung fortgeschritten ist, desto besser läßt sich der Embryo konservieren. Wenn man die Embryonen auftaut und die Vitalität der Zellen begutachtet, sind durchschnittlich 50 Prozent lebensfähig, bei unserer Vorkernmethode kommen wir auf 10 bis 20 Prozent. Das führt zu schlechteren Überlebenschancen und schlechteren Schwangerschaftsraten.

SPIEGEL: Wann beginnt der Embryonalzustand?

Mettler: Nach deutscher Definition handelt es sich beim Vorkernstadium um einen Präembryo und erst nach der Kernverschmelzung um einen Embryo.

SPIEGEL: Wieviel Zeit liegt zwischen beiden Stadien?

Mettler: Unter dem Mikroskop kann man die Vorkerne nach 16 Stunden sehen, nach 20 Stunden nicht mehr, und nach 24 Stunden sieht man dann das Zweizellstadium.

SPIEGEL: Wie lange lagern Sie die Vorkerne ein?

Mettler: Zwei Jahre, dann werden sie, nachdem wir die Eltern informiert haben, verworfen.

SPIEGEL: Verworfen?

Mettler: Die kleinen Plastikröhrchen mit der imprägnierten Eizelle werden weggeworfen. Was soll man sonst damit machen?

SPIEGEL: Lassen sich Eizellen, die man je nach Bedarf befruchten könnte, einfrieren?

Mettler: Noch nicht. Bei den bisher durchgeführten Schockgefrier-Versuchen kam es zu Chromosomenbrüchen. Doch wenn wir das einmal zu beherrschen gelernt haben, wird niemand mehr Embryonen oder Präembryonen einfrieren.

Zur Ausgabe
Artikel 12 / 130
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.