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Briefe

PRAXIS
aus DER SPIEGEL 46/1969

PRAXIS

(Nr. 40/1969, Hochschul-Serie)

Die drei Briefe, aus denen Sie zitieren, sind von den Studenten nicht »gefunden« worden. Die »Finder« sind rechtswidrig in mein und andere Büros eingedrungen. Sie haben alle privaten und dienstlichen Akten durchwühlt und photographiert, was ihnen gefiel. Bei den beiden »BASF-Vertretern. die mir in »Brief 1« zu meiner Berufung nach Heidelberg gratuliert haben, handelt es sich um die Professoren Timm und Steinhofer. Beide Herren gehören der Heidelberger Naturwissenschaftlich-Mathematischen Fakultät als Honorarprofessor an. Sie haben mir nicht als »BASF-Vertreter«, sondern als Fakultätskollegen gratuliert Ihren Brief betrachte ich im übrigen nicht deshalb als »vertraulich«, weil er geheimhaltungsbedürftig wäre. Er ist vertraulich, weil es sich um ein privates Schriftstück handelt. Dafür sollte gerade der SPIEGEL -- vor nicht allzu langer Zeit selbst das Opfer einer Durchsuchungsaktion -- Verständnis haben.

Daß ich als Chemiker Kontakte zur Industrie für anregend halte, da die Chemie unter anderem eine auf die Praxis gerichtete Wissenschaft ist. wird jedem Unbefangenen einleuchten. Schließlich hat auch der SPIEGEL in früheren Folgen seiner Hochschul-Serie mit Recht beklagt, daß noch immer zu viele Wissenschaftler ihre Lehr- und Forschungstätigkeit in übertrieben praxisferner Zurückgezogenheit betreiben. Der Eindruck, den Ihre suggestive Aneinanderreihung von »Brief 1«, »Brief 2« und »Brief 3« beim Leser weckt, ist falsch. »Brief 3« hängt »mit dem vorerwähnten Briefwechsel nicht zusammen. Das widerrechtlich entnommene Aktenstück war auch kein Brief der BASF, sondern eine Kassenanweisung des Instituts an die Universitätskasse Heidelberg, worin die Annahme eines Teils (nämlich 4000 Mark) einer Sachmittelspende der BASF an sämtliche Dozenten des gesamten Chemischen Institutes bestätigt wird. Diese Spenden, die letztlich jedem einzelnen Studenten des Institutes zugute kommen, werden von der Universitätskasse nach den Vorschriften der Reichshaushaltsordnung verwaltet. Ihre Verwendung unterliegt der Prüfung des Rechnungshofes, Es wirkt seltsam, daß der SPIEGEL dies einfach unterschlägt, wiewohl dies in Heidelberg sogar in den einschlägig n studentischen Pamphleten richtig dargestellt wurde. Heidelberg

PROF. DR. WOLFGANG SUNOFRMEYER*

GEWISSEN

(Nr. 44,1969, Kal Hermann über das Heim

von Aumühle)

Kai Hermann überdeckt gemeinsam mit vielen anderen Reportern gesellschaftskonform den harten Kern des Geschehens -- daß nämlich leidlich vernünftige Leute kranke Kinder kujonierten, ihre Betreuer krankenhausreif schlugen und ihnen das Dach über dem Kopf anzündeten -- mit einer Fülle von Alibis, Motiven, Rechtfertigungen und versucht etwas zu verstecken und zu entschuldigen, was nicht entschuldigt werden kann.

Wetzlar KURT WILDNER

Sie schreiben: »... der Arzt, dessen Heime so gut gehen, daß er binnen weniger Jahre das dritte eröffnen wollte, die Sozialämter. die für viel Geld Geistesschwache, Geisteskranke und schwererziehbare Jugendliche ohne Unterschied in den Bayrischen Wald loswerden wollten, wohlwissend, daß dort keine Möglichkeit für Ausbildung und Eingliederung bestand dazu:

1. meine Helme »gehen so gut, daß ich im ersten Halbjahr 1969 pro Kind und Tag etwa sechs Mark zusetzen mußte;

2. kann keine Rede davon sein, daß die Sozialämter für viel Geld Geistesschwache, Geisteskranke und schwererziehbare Jugendliche im Bayrischen Wald »loswerden wollen«. Helme für geistig behinderte Kinder und Jugendliche sind im ganzen Bundesgebiet verstreut. Leider ist die Platznot so groß, daß teilweise die Ämter bis zu zwei Jahren auf einen freien Platz warten müssen. Aus diesem Grunde sind die Einweisungsstellen froh und dankbar, wenn ihnen durch Privatinitiative zusätzliche Heimplätze angeboten werden;

3. mein für die Leitung des Heimes in Aumühle vorgesehener Herr G. Villain ist ein über viele Jahre versierter Sozialarbeiter und Heimleiter, der sehr wohl in der Lage ist, alle gegebenen

* Leiter des Anorganisch-Chemischen Institutes der Heidelberger Universität.

Möglichkeiten der Ausbildung und Eingliederung bis ins letzte auszuschöpfen. Er hat sich trotz aller Widrigkelten bereit erklärt, diese Arbeit aufzunehmen, und ich habe allen Grund zu sagen, daß es eine allen Teilen gerecht werdende werden wird.

Wernberg (Bayern) DR. MED. FRITZ LOEW

So was ist nur im Lande von Herrn Strauß möglich, solche Fälle sind aus dem Urwald unbekannt.

Rexingen (Bad.-Württ.) WILLY SCHMIDT

Ihre Geschichte paßt nicht schlecht in diese gottbegnadete Landschaft,

Frankfurt DIETER ENGELHARD Die Redaktion des SPIEGEL behält sich vor, Leserbriefe gekürzt zu veröffentlichen.

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